Jugendbeteiligung FWG setzt auf Planspiele gegen Politikverdruss
Jugendliche sollen in Südbrookmerland besser an politischen Entscheidungen beteiligt werden. Soweit ist man sich einig. Die Ansätze sind aber unterschiedlich. Die FWG zielt nun eher auf Planspiele ab.
Südbrookmerland - Als „Aktionismus“ hatte die Freie Wählergemeinschaft den Vorstoß des Bündnisses Südbrookmerland (BS) bezeichnet, in der Gemeinde ein Jugendparlament einzurichten. „Viel Aktionismus, wenig Substanz und fragwürdige Kosten“, hieß es vor einigen Wochen in einer Stellungnahme der FWG. Das Bündnis hatte zudem einen Vortrag zum Thema beantragt, der die Gemeinde etwa 600 Euro kosten würde. Zu teuer, fand jedoch die FWG. Nun kommt die Fraktion mit einem eigenen Antrag daher, der sich an einem Projekt der Stadt Aurich orientiert. Die hatte sich im Vorfeld ihres Engagements für mehr politische Beteiligung Jugendlicher von eben jenem Experten beraten lassen, den die FWG nicht einladen will.
Das bezweckt die FWG mit ihrem Vorschlag
Mit ihrem Antrag verfolgt die FWG nach eigenen Angaben das Ziel, Jugendlichen die Strukturen kommunalpolitischer Entscheidungsprozesse näherzubringen und sie aktiv in die Gestaltung der Gemeinde einzubinden. „Junge Menschen sind die Zukunft unserer Gemeinde. Es ist uns ein großes Anliegen, ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Ideen und Anliegen einzubringen und den politischen Entscheidungsprozess hautnah zu erleben“, schreibt Fraktionschef Detlev Krüger in einer Mitteilung. Mit einem maßgeschneiderten Projekt wolle man Jugendlichen den Zugang zur Kommunalpolitik erleichtern und ihre demokratische Bildung fördern.
Anders als bei den Forderungen des Bündnisses Südbrookmerland geht es bei der FWG aber offenbar nicht um eine direkte Beteiligung junger Menschen an politischen Entscheidungen. Stattdessen soll es „praxisnahe Workshops, Planspiele und Simulationen von Ratssitzungen“ geben. Dabei lernten Jugendliche nicht nur, Anträge zu formulieren und Budgetpläne zu erstellen, sondern auch, ihre Ideen in einem demokratischen Rahmen zu präsentieren und zu verteidigen. Der direkte Austausch mit politischen Entscheidungsträgern solle zusätzlich die Hemmschwellen zur politischen Teilhabe senken.
Schulen und Jugendhaus sollen Arbeit übernehmen
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts sei die Zusammenarbeit mit weiterführenden Schulen sowie Jugendzentren in der Gemeinde. Die FWG schlägt vor, die geplante neue Sozialpädagogen-Stelle mit der Koordination der Workshops und der Begleitung der Schülergruppen zu betrauen. Ob Bereitschaft und Kapazitäten in den Schulen abgefragt wurden, geht aus dem Antrag nicht hervor.
Politik im Sandkasten
Jetzt hat auch die FWG bemerkt, dass Jugendliche in politische Prozesse einbezogen werden sollten – ein längst überfälliger Schritt. In einer Zeit, in der viele Menschen in extreme politische Lager abdriften, ist es entscheidend, das Verständnis für politische Entscheidungen zu fördern. Doch die FWG wagt sich nur zaghaft auf dieses Terrain. Planspiele, Workshops und Treffen mit Entscheidungsträgern stehen auf dem Wunschzettel, aber ein echtes Mitspracherecht für Jugendliche? Fehlanzeige. Damit schießt die stärkste Fraktion des Gemeinderates am Ziel vorbei. Ironisch dabei ist, dass sie sich ausgerechnet ein Beteiligungsprojekt der Stadt Aurich als Vorbild nimmt. Dort herrschte 2022 bereits Frust unter Jugendlichen, weil keiner ihrer Vorschläge in den Projektplan des Förderprogramms „Perspektive Innenstadt“ aufgenommen wurde. Erfolgserlebnisse sind es aber, die junge Menschen motivieren und bei der Stange halten. Stattdessen sollen sie nach dem Willen der FWG in einen unverbindlichen politischen Sandkasten gesetzt werden. Das kann schnell zu Verdruss führen. Das sieht eher nach Symbolpolitik aus als nach ernst gemeintem Einsatz für die junge Generation in der Gemeinde.Ein Kommentar von Holger Janssen
Zur Finanzierung des Projekts soll die Verwaltung nach dem Wunsch der FWG mögliche Fördermittel aus Landes- oder Bundesprogrammen prüfen. Auch Kooperationen mit lokalen Unternehmen und Stiftungen könnten zur finanziellen Unterstützung beitragen. „Wir möchten den Jugendlichen nicht nur zuhören, sondern ihnen echte Mitgestaltungsmöglichkeiten bieten. Nur so können wir eine lebendige und zukunftsfähige Gemeinde gestalten“, so Krüger abschließend in seiner Mitteilung. Details dazu, wie dies aussehen könnte, werden nicht genannt.
Andere Fraktionen sind für den Vortrag
Fraglich ist, wie der Vorschlag der FWG, die im Gemeinderat zwar stärkste Kraft ist, aber nicht über eine eigene Mehrheit verfügt, in den anderen Fraktionen und Gruppen ankommt. In einer früheren Abfrage unserer Redaktion hatten sich alle Fraktionen außer der FWG dafür ausgesprochen, einen Experten für politische Jugendbeteiligung für einen Vortrag einzuladen und sich Vorschläge unterbreiten zu lassen, wie sich junge Menschen für die aktive Mitarbeit an echten politischen Entscheidungen motivieren lassen. Eine solche Beratung lehnte die FWG jedoch aus Kostengründen ab.
Die jetzigen Pläne der FWG zielen offenbar eher auf Projekte ab, in denen Jugendliche Politik „spielen“ können. Zwar wünscht sich die FWG in ihrem Antrag auch die „Erweiterung des Projekts um regelmäßige Treffen mit kommunalen Entscheidungsträgern, sodass die entwickelten Ideen nicht nur präsentiert, sondern auch diskutiert und gegebenenfalls in die Gemeindepolitik integriert werden“. Wie genau man sich dies in der FWG vorstellt, bleibt aber offen.