Entscheidung in Marienhafe Ihmels verärgert über Kritik an Sportplatz-Neubau
Holger Kleen (CDU) hatte für die Minderheitsgruppe im Rat die Argumente gegen das Millionenprojekt vorgetragen. Gemeindedirektor Gerhard Ihmels schmeckten weder die Art und Weise noch der Inhalt.
Marienhafe - Verärgert hat der Brookmerlander Samtgemeindebürgermeister und Marienhafer Gemeindedirektor Gerhard Ihmels (SPD) am Montagabend auf die Rede von Holger Kleen (CDU), Sprecher von „Die Gruppe“, im Gemeinderat Marienhafe, zum beschlossenen Sportzentrums-Neubau reagiert. Vor rund einem Dutzend Zuhörern im Hotel zur Waage hatte Kleen einen Text vorgetragen, der sich über weite Strecken inhaltlich, zum Teil sogar wörtlich, an die Ausführungen anlehnte, die Ida Bienhoff-Topp, Sprecherin der Gruppe BWG/SEB, CDU und BfB, gut zwei Stunden zuvor am selben Ort im Samtgemeinderat vorgetragen hatte.
„Das war keine Sternstunde für eine Samtgemeinde“, sagte Ihmels. Offenbar hätten Bienhoff-Topp und Kleen denselben „Ghostwriter“ gehabt, so der Gemeindedirektor. Und: „Man kann sich auch selber überflüssig machen. Die Frage wäre dann, ob man nicht doch den Schritt zu einer Einheitsgemeinde geht“, sagte Ihmels in Anspielung auf immer wieder aufkommende Forderungen nach Abschaffung der Samtgemeinde-Struktur.
Denn eben jene hatte es notwendig gemacht, dass zuerst der Samtgemeinderat den Flächennutzungsplan für den Sportzentrums-Neubau beschließt – und dann, parallel, der Gemeinderat den Bebauungsplan. „Das baut aufeinander auf“, hatte Planer Thomas Weinert von der Verwaltung noch einmal erläutert.
Gegner sehen mehrere Argumente gegen Projekt
Holger Kleen hatte in seiner Rede noch einmal die Argumente seiner Gruppe gegen den Neubau benannt. Dieser übersteige die finanzielle Leistungsfähigkeit der Samtgemeinde. Der Schulweg an den Tjücher Moortun sei nicht sicher. Die Nutzung für die Sportler sei nur unter strengen Auflagen möglich. Die Größe sei womöglich nicht ausreichend. Der Landkreis habe Bedenken angemeldet. Das Verkehrsaufkommen am Tjücher Moortun steige. Die Anlieger seien nicht ausreichend gehört worden. Und von den Bürgern gebe es viel Unmut über die Pläne. „Wir haben es abgewogen. Die Zweifel überwiegen“, fasste Kleen die Kritik der Gruppe zusammen. Man appelliere an die SPD, von dem „folgenschweren Beschluss“ abzusehen.
Die stellvertretende Gemeindebürgermeisterin Beate Ihmels (SPD), Ehefrau des Samtgemeindebürgermeisters, reagierte ebenfalls auf die Ausführungen von Kleen. Sie habe eigentlich gar nichts mehr zu dem Thema sagen wollen, sah sich dann aber doch noch dazu genötigt. Die Sanierung wäre genauso teuer geworden wie der Neubau, sagte Beate Ihmels. Einen vermeintlichen Fachmann der Opposition habe man nie zu Gesicht bekommen. Bei der Finanzierung würden außerdem die Einnahmen durch den Verkauf der Altanlage in Upgant-Schott außer Acht gelassen. Bei einer dortigen Sportplatz-Sanierung wäre eine hohe und teure „Mauer“ für den Lärmschutz nötig geworden, erklärte Beate Ihmels.
Ihmels: Gegner haben sich nicht informiert
Sie betonte, dass man nie eine Lösung finden werde, mit der alle Bürger einverstanden sind. „Einige finden es toll, andere nicht. Uns überzeugen die Argumente“, betonte die SPD-Ratsfrau, die auch im Auricher Kreistag sitzt.
Gerhard Ihmels reagierte, wie schon zwei Stunden zuvor im Samtgemeinderat, angefasst auf die Kritik der Oppositionsgruppe. Auch im Wohnviertel rund um den bisherigen Sportplatz gebe es viele Besucher, die auf dem Fußweg parken. „Sind die Anlieger dort weniger wert als am Tjücher Moortun?“, fragte Ihmels. Es sei außerdem eine Falschbehauptung, dass die Umkleidekabinen im neuen Sportzentrum kleiner würden. „Man hat sich die Zeichnungen nicht angeguckt und nicht mit der Materie auseinandergesetzt“, kritisierte Ihmels. So zu tun, als sei der alte Sportplatz „der große Wurf“, stimme einfach nicht, so Ihmels.
„Wir haben dazu im Februar weitere Gespräche“
Vize-Verwaltungschef Jochen Behrends ergänzte, dass eine geplante Entlastungsstraße für das betroffene Gebiet noch nicht, wie von Kleen behauptet, vom Tisch sei. „Wir haben dazu im Februar weitere Gespräche mit dem Landkreis Aurich“, sagte er. Am Ende stimmte der Gemeinderat Marienhafe mit acht zu vier Stimmen für den umstrittenen Neubau des Sportzentrums, über den fast neun Jahre lang diskutiert wurde.
Nachdem die Entscheidung gefallen war, meldete sich noch eine Anwohnerin vom Tjücher Moortun zu Wort. „Wir haben die Sorge, wesentlich mehr Verkehr zu bekommen. Wir haben schon den Bauhof und die Wohnmobile. Wenn die Fußballer noch dazu kommen, wird es sehr viel.“ Im Übrigen hielten sich viele Autofahrer nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung. „Ich kann die Autofahrer nicht ändern“, antwortete Gerhard Ihmels. Er meinte zudem, dass die meisten Nutzer der Anlage wohl aus Marienhafe und Upgant-Schott kommen werden. „Ich glaube nicht, dass das Verkehrsaufkommen deutlich mehr wird“, so der Gemeindedirektor.
Eilert Janssen, lange Jahre im Vorstand des Kreissportbundes Aurich aktiv, erinnerte daran, dass man früher eine „klasse Anlage“ in Upgant-Schott gehabt habe. Nur habe sich ihr Zustand zunehmend verschlechtert. „Man hatte den Eindruck, es kümmert sich keiner.“ Janssen mahnte deshalb an, die Sportanlagen regelmäßig in Schuss zu halten. Samtgemeindebürgermeister Ihmels sagte, er stimme zu, dass Sportplätze unterhalten werden müssten. Beim alten Sportplatz Upgant-Schott seien leider etwa der Düngeplan und der Platzwart abgeschafft worden.