Entscheidung im Brookmerland  Umstrittener Sportzentrum-Neubau in Marienhafe beschlossen

| | 13.01.2025 18:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hier am Tjücher Moortun in Marienhafe soll das neue Sportzentrum entstehen. Foto: Thomas Dirks
Hier am Tjücher Moortun in Marienhafe soll das neue Sportzentrum entstehen. Foto: Thomas Dirks
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Nach jahrelangen Diskussionen hat der Samtgemeinderat nun grünes Licht für das Millionen-Bauprojekt gegeben. Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels übte Kritik an den Gegnern.

Marienhafe - Mehrheitlich beschlossen hat der Samtgemeinderat Brookmerland am Montag den umstrittenen Neubau eines Sportplatzes am Tjücher Moortun in Marienhafe. In Anwesenheit von etwa 20 Zuhörern im Hotel zur Waage gab es am Ende 18 Ja-Stimmen der Gruppe SPD/Moin und den Grünen sowie elf Gegenstimmen der Gruppe BWG/SEB, CDU und BfB.

„Heute ist ein guter Tag für den Sport. Heute können die Leichathleten und die Fußballer zuversichtlich in die Zukunft schauen“, sagte der Gruppenvorsitzende von SPD/Moin, Johann Tjaden (SPD, Marienhafe). Die neue Sportanlage habe eine Bedeutung über das Brookmerland hinaus. Auch höherklassige Wettbewerbe der Leichtathletik könnten nun wieder in Marienhafe stattfinden, so Tjaden. Er dankte der Samtgemeindeverwaltung für die „hervorragende Arbeit“. „Danke, dass Ihr durchgehalten habt“, sagte der Gruppenvorsitzende von SPD/Moin.

Renate Erdt (Grüne, Leezdorf) sagte, sie habe sich im Januar 2022 bei der Abstimmung über die Wiederaufnahme der Planungen noch enthalten. Doch seitdem habe sie sich eines Besseren belehren lassen. „Es bleiben leichte Zweifel, jedoch keine grundsätzlichen Bedenken. Es ist eine kleine ökologische Kröte, die wir für den Sport schlucken müssen. Aber sie hat Potenzial, sich zu einem Froschkönig zu entwickeln“, sagte Erdt.

Auf dem alten Sportplatz könne ein Wohngebiet in zentraler Lage und Bahnhofsnähe entstehen.

Erdt sagte, sie hätte gerne schon Abiturprüfungen auf der neuen Sportanlage gesehen. die Verzögerungen hätten die Kosten nur in die Höhe getrieben.

Bienhoff-Topp warnt vor steigender Verschuldung

Die Gruppenvorsitzende der Gruppe BWG/SEB, CDU und BfB, Ida Bienhoff-Topp (Osteel) sagte dagegen: „Das Projekt übersteigt die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde. Die Verschuldung wird über die Maßen ansteigen“ Wichtige andere Investitionen, etwa in Kitas, Schulen und Straßen müssten deshalb geschoben werden, fürchtet Bienhoff-Topp. Die endgültigen Baukosten seien noch gar nicht absehbar. Deshalb wolle die Gruppe von der Verwaltung wissen, was die bisherige Planung gekostet hat, so Bienhoff-Topp.

Aus ihrer Sicht wäre die Sanierung der vorhandenen Sportanlage in Upgant-Schott durchaus möglich, auch Fördermittel seien dafür abrufbar. Und eine Sanierung wäre längst fertig, wenn sich Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels (SPD) und die Gruppe SD/Moin dafür eingesetzt hätten, kritisierte Bienhoff-Topp.

Auch der Landkreis Aurich habe 2022 erhebliche Bedenken gegen einen Bau geäußert, etwa wegen der schlechteren Erreichbarkeit des Geländes und der erheblichen Eingriffe in Grund und Boden.

Ein Nachteil des Neubaus seien zudem künftig kleinere Sanitär- und Geräteräume. Auch für die Boßler sei das neue Gelände weniger geeignet. Es sei zudem versäumt worden, eine entsprechende Verbindungsstraße in das Gebiet herzustellen. „Es wird wieder mehr Verkehr entstehen“, so Bienhoff-Topp.

Insgesamt gebe es erheblichen Unmut bei den Bürgern über das Neubauprojekt. „Es vergeht kein Tag, wo wir nicht angesprochen werden, warum das Projekt nicht eingestampft wird“, so Bienhoff-Topp. Selbst viele Sportler äußerten sich negativ.

Ihmels: Schweigen ist Grundstein für verhärtete Fronten

Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels kritisierte das Verhalten der Gegner des Projekts. Es seien alle maßgeblichen Gutachten vorgestellt worden, zuletzt etwa in der jüngsten Samtgemeindeausschuss-Sitzung. „Aber da gab es Schweigen im Walde. Es fand keine Diskussion statt“, so Ihmels. „Wie will man miteinander arbeiten, wenn man nicht miteinander redet? Das ist der Grundstein für verhärtete Fronten“, sagte der Samtgemeindebürgermeister. Er betonte, dass die Arbeit eben in Ausschüssen stattfinde und nicht nur in öffentlichen Ratssitzungen. „Darüber muss man nachdenken“, so Ihmels.

Zuvor hatte Thomas Weinert von der Samtgemeindeverwaltung noch einmal die Argumente für und gegen das Projekt aufgelistet. Die Sanierung der alten Sportanlage in Upgant-Schott sei nicht möglich, unter anderem wegen hoher Kosten – und sei auch nicht förderfähig. Auch sei der Schallschutz auf dem vorhandenen Gelände nicht gewährleistet.

Weinert berichtete zudem über die Öffentlichkeitsbeteiligung. Dort sei etwa der Standort infrage gestellt worden. Für den Neubau am Tjücher Moortun spreche unter anderem, dass der Standort zentral im Brookmerland liege und es dort bereits eine Freizeitnutzung gebe. Es gebe dort laut Gutachten auch keine Beeinträchtigung von Wohngebieten durch Lärm oder Licht. Verschiedene Alternativstandorte, die in Betracht gezogen worden seien, seien nicht geeignet, so Weinert.

Am Montagabend stimmte auch der Gemeinderat Marienhafe dem Bauprojekt mehrheitlich zu.

Weiterer Bericht folgt.

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