Neues Feuerwehrhaus Aurich  Stadt will noch einmal nachverhandeln

| | 08.01.2025 10:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Auricher Ortsfeuerwehr präferiert ganz eindeutig die Fläche an der Egelser Straße neben dem Auricher Krankenhaus. Foto: Romuald Banik
Die Auricher Ortsfeuerwehr präferiert ganz eindeutig die Fläche an der Egelser Straße neben dem Auricher Krankenhaus. Foto: Romuald Banik
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Die Verwaltung gibt die Fläche beim Krankenhaus nicht auf. Der Auricher Ortsbrandmeister und der Schirumer Ortsbürgermeister lehnen den Standort Kaserne ab. Und für Schirum gibt es weitere Aussichten.

Aurich - Das letzte Wort über den neuen Standort der Auricher Feuerwehr ist noch nicht gesprochen. Nachdem die Stadt Aurich die Verhandlungen mit den Eigentümern der Fläche neben dem Auricher Krankenhaus Ende November abgebrochen hatte, will sie nun offenbar doch zurück an den Kaufverhandlungstisch. Das sagte Bürgermeister Horst Feddermann Ende des Jahres.

Zur Vorgeschichte: Seit Längerem wird ein neues großes Feuerwehrhaus für die Auricher Ortsfeuerwehr am Standort Diere geplant. Als bekannt wurde, dass die Eigentümer der Flächen an der Egelser Straße neben dem Auricher Krankenhaus nun doch verkaufsbereit sind, warb die Ortswehr so lange für diesen Standort, bis der Stadtrat im August die Planung auf diesem Gelände und den Ankauf beschloss. Bei den Kaufverhandlungen war dann laut Feddermann deutlich geworden, dass die Verkäufer sich nicht mehr an den vorab besprochenen Kaufpreis halten wollten. Der Preis für das Grundstück sei vom Gutachterausschuss mit 48 Euro pro Quadratmeter ermittelt worden. Die Stadt hatte dann 55 Euro pro Quadratmeter geboten. Die Eigentümer hätten die Kaufverhandlungen unerwartet abgebrochen, so Feddermann Anfang Dezember. Er sprach damals wieder von der Diere als Standort. Eine entsprechende Vorlage sollte in der Ratssitzung im Dezember beschlossen werden.

Skepsis wegen der Rückstaus im Hoheberger Weg

Die Ratsfraktion der Grünen hatte unterdessen vorgeschlagen, das Kasernengelände als neuen Feuerwehrstandort zu prüfen. Die Standortfrage wurde im Dezember von der Tagesordnung der Ratssitzung genommen. Gunnar Ott (Grüne) befürwortete dies, weil nichts übers Knie gebrochen werden solle, sondern die Kaserne ernsthaft als Standort geprüft werden müsse. Aus Sicht der Grünen sprechen drei Gründe für die Kaserne: die dort vorhandene größere Fläche, die voraussichtlich schnellere Erschließbarkeit als in der Diere und die kürzere Anfahrtszeit zu potenziellen Einsatzorten.

Die Eigentümer der Fläche am Krankenhaus waren im November wegen des Kaufpreises aus den Verhandlungen ausgestiegen. Foto: Romuald Banik
Die Eigentümer der Fläche am Krankenhaus waren im November wegen des Kaufpreises aus den Verhandlungen ausgestiegen. Foto: Romuald Banik

Deutliche Ablehnung erhält der Vorschlag der Grünen allerdings vom Auricher Ortsbrandmeister Bernd Saathoff und vom Schirumer Ortsbürgermeister Georg Saathoff.

Auch Feddermann äußerte sich beim Jahrespressegespräch skeptisch. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass es mindestens zu den Hauptverkehrszeiten deutliche Rückstaus im Hoheberger Weg gebe. Wie die Feuerwehrleute dann das Feuerwehrhaus schnell erreichen und zur Brandstelle ausrücken sollten, könne er sich nicht vorstellen. Außerdem sei das Feuerwehrhaus der Sandhorster Wehr sehr nah dran.

Ortsbrandmeister: Kaserne ist zu weit entfernt vom Auricher Süden

Ortsbrandmeister Bernd Saathoff hält vom Standort am Hoheberger Weg nichts. Zum einen liege das Kasernengelände bereits im Zuständigkeitsbereich der Sandhorster Kameraden. Nur sehr wenige Auricher Kameraden wohnten im Umkreis der Kaserne und hätten eine kurze Anfahrt. Die Anfahrt der Mehrzahl der Einsatzkräfte zur Kaserne – da sei die Argumentation die gleiche wie beim Standort Diere – sei deutlich weiter als zum Standort beim Krankenhaus. Und auch das Ausrücken zu den Einsatzstellen dauere aus seiner Sicht deutlich länger als von der Diere aus, vor allem aber von der Egelser Straße aus. „Der Standort auf der Kaserne ist total ungeeignet“, so Bernd Saathoff - auch mit Blick auf den Auricher Süden. Zum Industriegebiet Schirum würde sich der Weg deutlich verlängern. Grob überschlagen müsste die Feuerwehr von der Kaserne aus 5 Kilometer dorthin fahren, vom Krankenhaus aus über die Fockenbollwerk- und die Leerer Landstraße nur knapp 4 Kilometer.

Die Grünen haben das Kasernengelände als Standort für die Feuerwehr vorgeschlagen. Die Verwaltung soll nun das Für und Wider prüfen. Foto: Romuald Banik
Die Grünen haben das Kasernengelände als Standort für die Feuerwehr vorgeschlagen. Die Verwaltung soll nun das Für und Wider prüfen. Foto: Romuald Banik

Schirum und Schirumer Leegmoor lägen ohnehin im Einsatzgebiet der Haxtumer Wehr, so Bernd Saathoff. Aber natürlich werde bei größeren Bränden auch die Auricher Wehr alarmiert.

Neuerung: Künftig soll nächstgelegene Wehr immer mit alarmiert werden

Eine Neuerung soll dem Ortsbrandmeister zufolge voraussichtlich ab diesem Sommer die Versorgung in Schirum aber verbessern: Noch gebe es keinen Termin für die Umstellung, aber künftig solle die Leitstelle bei größeren Bränden auch immer die nächstgelegene Ortswehr, und nicht nur die Wehren im offiziellen Zuständigkeitsbereich alarmieren. Ab dann würden bei Einsätzen in Schirum auch die Kameraden aus Weene in der Nachbargemeinde Ihlow mit ausrücken. Sie sind räumlich am nächsten dran.

Aus Sicht der Auricher Wehr sei es ratsam, jetzt nichts übers Knie zu brechen, sondern den Ausgang weiterer Verhandlungen für das Gelände beim Krankenhaus abzuwarten oder auch andere Alternativen zu prüfen. Schließlich solle der neue Standort 60 bis 80 Jahre vorhalten. Dass die Stadt die Fläche beim Krankenhaus noch nicht aufgegeben hat, freue ihn sehr. Für die Kaserne werde er sich nicht aussprechen, sagte Bernd Saathoff.

Ortsbürgermeister: Neuplanung ist auch eine Chance für einen optimalen Standort

Und das geht auch dem Schirumer Ortsbürgermeister Georg Saathoff so. Der SPD-Ratsherr hatte sich bei der Abstimmung im August enthalten. Aus Schirumer Sicht sei die Diere der beste Standort, sagt er. Allerdings wüssten die Schirumer auch, dass die Feuerwehrleute ehrenamtlich für Leib und Leben einstehen, und hätten sich deshalb nicht gegen deren Wunschstandort an der Egelser Straße stellen wollen. „Wir alle wollen eine Feuerwehr haben, die zufrieden ist.“

Vorteil an der Kaserne wäre aus Sicht der Grünen die Größe der zur Verfügung stehenden Fläche. Foto: Romuald Banik
Vorteil an der Kaserne wäre aus Sicht der Grünen die Größe der zur Verfügung stehenden Fläche. Foto: Romuald Banik

Kommt nun aber noch die Kaserne ins Spiel, hört bei Saathoff der Spaß auf. „Dieser Standort kommt überhaupt nicht infrage.“ Die Anfahrt nach Schirum und Schirumer Leegmoor sei von dort aus viel zu weit. Schon jetzt lägen einige Bereiche außerhalb der Hilfsfrist. Es gebe im Ort 1443 Einwohner sowie das Gewerbegebiet.

Schon bei der Auflösung des Löschverbands mit der Nachbarfeuerwehr Weene vor etlichen Jahren habe er auf die drohenden Probleme hingewiesen. Aber damals sei die Vorgabe von oben gekommen. Wenn nun aber in der Stadt Aurich ein neuer Feuerwehrstandort geplant werde, könne es nicht angehen, dass ein Ortsteil außen vor gelassen werde. Es gebe nun die Chance, den Standort zu optimieren. Wenn die Fläche am Krankenhaus nicht zu haben sei, müsse an der Diere weitergeplant werden, so Georg Saathoff. „Die Kaserne als Standort ist wirklich nicht drin.“

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