Idee für Aurich Dauerparker sollen aus der Innenstadt raus
Die AWG wollte gebührenfreies Parken an Wochenmarktvormittagen. Das könnte aber Dauerparker anlocken, so die Befürchtung von CDU/FDP. Sie wollen lieber ein anderes Parksystem fürs Auricher Zentrum.
Aurich - Aufgebracht hatte das Thema eigentlich die AWG. Schon im April 2024 hatte die Auricher Wählergemeinschaft den Antrag gestellt, in der Innenstadt an den Wochenmarkttagen die Parkgebühren für oberirdische Stellplätze bis 14 Uhr auszusetzen. Wochenmarkt ist dienstags, freitags und sonnabends. Das freie Parken solle und könne aus Sicht der AWG dem Wochenmarkt mehr Kunden bescheren und zudem noch die Geschäfte in der Innenstadt fördern, hieß es im Antrag: „Eine Aussetzung der Gebühren sollte durch die Stadtverwaltung beworben werden als Aktion für die Belebung der Innenstadt.“
In der Ratssitzung vor Weihnachten scheiterte die AWG jedoch mit ihrem Anliegen. Die Parkgebühren in Aurich seien gerade in der ersten Phase nicht hoch, hieß es vonseiten der Antragsgegner. Der Schaden für die Stadtkasse sei größer als der Nutzen für Beschicker und Geschäftsleute.
Rokicki: Angst vor Knöllchen hält vom gemütlichen Bummel ab
Dabei hatte Fraktionsvorsitzender Richard Rokicki noch einen weiteren Aspekt ins Gespräch gebracht: Wer nicht an die Parkuhr denken müsse, bleibe viel leichter noch auf einen spontanen Kaffee in der Stadt oder lasse sich leichter in eines der Geschäfte locken. Die Aussicht auf ein Knöllchen mache diese Freiheit für viele jedoch zunichte. Das sei eigentlich entscheidender als die Streichung der Parkgebühren an sich.
An diesem Punkt knüpft auch ein Antrag der Ratsgruppe CDU/FDP an, der nach der Ratssitzung beim Bürgermeister einging: Das Parkraummanagement soll so optimiert werden, dass Langzeitparker zu peripheren Parkplätzen geleitet werden und somit die zentrumsnahen Parkplätze für Kurzzeitparker und Kunden freigehalten werden.
CDU/FDP: Mit freiem Parken werden Dauerparker angelockt
Dieses Argument hatte Ratsherr Arno Fecht (FDP) schon in der Ratssitzung gegen den Vorschlag der AWG vorgebracht. Verzichte die Stadt an Wochenmarkttagen auf Parkgebühren, werde das den Händlern eher schaden. Denn der Haupteffekt sei aus seiner Sicht, dass an diesen Tagen Dauerparker früh auf die attraktiver gewordenen Plätze strömen und diese besetzt halten, so Fecht.
Im Antrag der Ratsgruppe CDU/FDP ist sehr neutral gehalten: „Wir schlagen vor, dass die Stadtverwaltung eine Untersuchung durchführt, um mögliche Maßnahmen zu evaluieren, die Langzeitparker zu den peripheren Parkplätzen lenken. Gleichzeitig sollten Anreize für Mitarbeiter geschaffen werden, um diese Parkplätze zu nutzen.“
Bonus direkt für Käufer
Ein Kommentar von Karin Böhmer
Wenn das Parksystem in Aurich neuen technischen Standards angepasst werden sollte, sollte die Stadt sich an einen alten Grundsatz zurückbesinnen. Er gilt auch schon in den Tiefgaragen unter dem Marktplatz und unter dem Caro: Wer etwas kauft, bekommt vom Händler einen Teil der Parkgebühren erstattet. Schaffte die Stadt es, ein System zu etablieren, das solche Rabatte flächendeckend gewährt, könnten auch die Wochenmarktbeschicker ihren Kunden dieses Entgegenkommen zeigen und es gäbe einen Bonus direkt für Käufer.
Auch Fecht betonte, wie wichtig es sei, dass Gäste in der Innenstadt „klebenbleiben“ können, ohne gleich mit einem Knöllchen rechnen zu müssen. Technisch sei sicherlich so einiges möglich, um die Innenstadtparkplätze für Kunden attraktiver und für Langzeitparker unattraktiver zu machen, meint er.
Gebührenreduzierte „Mitarbeiterparkplätze“ seit 2019
Die Diskussion über die Besucherlenkung und die Rolle der Parkgebühren dabei hat es schon mehrfach gegeben. 2018 weitete die Stadt die Bewirtschaftung der Parkflächen aus und richtete 2019 dann spezielle Stellplätze für Arbeitnehmer im Innenstadtbereich ein. Sie können auf Antrag auf einigen Plätzen am Lüchtenburger Weg, Am Ellernfeld und beim de Baalje zu einem vergünstigten Monats- oder Jahrespreis parken – also außerhalb des direkten Zentrums. Die anfänglich starke Nachfrage nach diesen Stellplätzen normalisierte sich relativ schnell.
Während die AWG gebührenfreies Parken zu Wochenmarktzeiten gefordert hat, um die Beschicker und den Einzelhandel zu stärken, wollen andere Fraktionen eher nicht von den Gebühren runter. Gila Altmann (Grüne) sagte, dass die Herstellung und Pflege der Parkplätze auch etwas koste. Die Stadt könne das nicht umsonst leisten. Es gebe Möglichkeiten, die Parkgebühren zu umgehen, etwa durch die Wahl anderer Verkehrsmittel oder die kostenfreien Parkplätze beispielsweise an der Sparkassen-Arena.
Caro führt schrankenloses Parken ein
Reinhard Warmulla (Linke) zählte etliche Verbesserungsvorschläge für den Wochenmarkt auf, die mit den Parkgebühren rein gar nichts zu tun haben, aus seiner Sicht jedoch viel wirkungsvoller wären.
Seit geraumer Zeit können Auto-Parker ihre Parkzeit elektronisch per App buchen und die Parkzeit bei Bedarf auch über das Smartphone verlängern. Dies muss allerdings immer noch per Eingabe geschehen. Komfortabler sind Parkplätze, die erst im Nachhinein die Gebühr berechnen. Beispiele für die Buchung per Kennzeichenerfassung und die Bezahlung bei der Abfahrt gibt es bereits beispielsweise in Timmel und Norddeich. Auch der Caro führt ein solches System gerade ein. Laut Internetseite des Auricher Einkaufszentrums wird die Parkgebühr dann am Kassenautomat oder online bis zu 48 Stunden nach Ausfahrt entrichtet. Diese Systeme funktionieren auf geschlossenen Parkarealen. Ob diese Flexibilität auch bei den vielfältigen Parkmöglichkeiten in der weitläufigen Innenstadt möglich ist, wird die Verwaltung prüfen müssen.