Offene Pfarrstellen Vakanzen im Kirchenkreis Norden machen Sorge
Durch mehrere nicht besetzte Pfarrstellen hat der Kirchenkreis 2023 viel Geld gespart. Doch Superintendent Christian Neumann warnt vor den Folgen für die anderen Pastoren.
Marienhafe - Immer mehr und immer längere Vakanzen bei Pfarrstellen im Kirchenkreis Norden machen dem neuen Superintendenten Sorgen. Das sagte Christian Neumann in seinem Ephoralbericht bei der jüngsten Synode des Kirchenkreises im Gemeindehaus in Marienhafe.
Die Vakanzen hatten im Jahr 2023 für einen finanziellen Überschuss beim Kirchenkreis gesorgt. Doch dieser sei in hohem Maße von denen erarbeitet worden, die zusätzlich zu ihrer eigenen Arbeit Vakanzvertretungen übernommen hätten, so Neumann. Es müsse dringend überlegt werden, wie mit immer mehr und längeren Vakanzen umzugehen sei, denn bereits jetzt seien ihm deutlich Überlastungsanzeigen signalisiert worden.
Derzeit gebe es noch Vakanzen in Ludgeri I (25 Prozent), Dornum-Resterhafe (50 Prozent) und in Hage IV (100 Prozent). Die Pfarrstelle in Hage werde ab 1. Februar 2025 mit Pastorin auf Probe, Franziska Lammers, besetzt. Darüber hinaus seien eine 100 Prozent-Springerstelle und die Stelle eines Sozialpädagogen im Jugendhaus Dornum unbesetzt.
Vier Pfarrstellen konnten neu besetzt werden. In Marienhafe Pastor Klemens Niemann und Pastor Stefan Schneider, in Berumerfehn Pastor Simon Schupetta und in Ludgeri Norden Pastorin Katrin Krüger.
Nachdenklich stimmte die Aussage Neumanns, dass der Kirchenkreis Norden alle zwei Jahre rund 2000 Mitglieder verliere – etwa die Größe einer Kirchengemeinde. Nach der jüngsten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung bezeichneten sich 80 Prozent unserer Mitglieder als nicht-religiös. Hauptgründe, warum diese an einer Kirchenmitgliedschaft festhielten, sei die Arbeit der Diakonie, die als wichtig und wertvoll angesehen werde, und der Wunsch nach einer kirchlichen Trauung, Beerdigung oder einer Taufe.
Dank an alte und neue Kirchenvorstände
Superintendent Neumann bedankte sich in seinem Ephoralbericht bei den „alten“ und „neuen“ Kirchenvorständen: „Sie sind mit dem Herzen dabei.“ Im März hatte die Kirchenvorstandswahl stattgefunden mit einer um etwa zehn Prozent erhöhten Wahlbeteiligung. In allen Gemeinden seien arbeitsfähige Kirchenvorstände entstanden, denen der Superintendent zurzeit einen Erstbesuch abstattet.
Überaus positiv bewertete der Superintendent die Pfarrstelle in der Altenseelsorge, die Pastorin Heidrun Ott innehat. Das von ihr ausgearbeitete Konzept sei von der Landeskirche als vorbildlich bezeichnet worden und nun in der zielstrebigen Umsetzung. Auch die Arbeit des Kirchenkreisjugenddienstes unter Leitung von Diakonin Sandra Thies wurde gewürdigt. Fahrten und Fortbildungen für Jugendliche seien nachgefragt, die Vernetzung in die Fläche des Kirchenkreises werde intensiviert und ebenso die Digitalisierung, über die gerade junge Menschen erreicht würden.
Des Weiteren wies Neumann auf das zehnjährige Bestehen des Kita-Verbandes Ostfriesland Nord hin, zu dem 29 Einrichtungen zählen, in denen 1.700 Kinder von 450 Mitarbeitenden betreut werden. Das sei der größte kirchliche Arbeitsbereich.
Dass die Arbeit im Kirchenkreis auch über diesen hinaus wirksam ist, wurde an Beispielen wie der aktiven Partnerschaftsarbeit, „United4Rescue“, dem Friedensort Gnadenkirche Tidofeld–Forum Boatpeople und dem Demokratiefest deutlich. Neumann schloss seinen Bericht mit der Jahreslosung 2025: „Prüft alles, und das Gute behaltet.“ (1. Thess. 5,21)“
Kirchenamtsmitarbeiterin Heike Warfsmann erläuterte den Haushaltsplan für 2025/26 und den Jahresabschluss für 2023, der einen großen Überschuss von 732.911,32 Euro aufwies. Diese Summe sei hauptsächlich durch die Minderausgaben aufgrund der vielen Vakanzen sowie Mehreinnahmen bei den Pachten entstanden. Weitere Minderausgaben ergaben sich bei den diakonischen Einrichtungen, dem Kirchenamt und der MAV, sowie Mehreinnahmen durch die Landeskirche.
„Gebäude von den Inhalten her denken“
Die Gebäudebedarfsplanung im Kirchenkreis schreitet weiter voran. Die Landeskirche gibt künftig nur noch Zuweisungen in diesen Bereich, wenn eine solche Planung vorliegt. Derzeit werden in den vier Regionen Land, Brookmerland, Stadt und Inseln, Kriterientabellen entwickelt, die zur Bewertung der Gebäude beitragen sollen. Der Superintendent wies darauf hin, dass die Gemeinden die Eigentümerinnen der Gebäude seien und die Kirchenvorstände die Verantwortung dafür trügen. Sie entscheiden, wie vor Ort vorzugehen ist. Ziele seien, die Gebäude von den Inhalten her zu denken, kreative Gedanken und Vorschläge zu finden und einen Prozess transparent und miteinander zu gestalten. „Es geht darum, wohin künftig das Geld fließt“, sagte Neumann, und „schmerzhafte Einschnitte werden solidarisch getragen.“
Thema war auch das Schutzkonzept des Kirchenkreises Norden gegen sexualisierte Gewalt. Dieses hatte die Synode im Mai 2024 mit Änderungen beschlossen. Mit den Multiplikatorinnen Sandra Thies und Karin Rosenberg-Zimmermann ist ein Schulungsangebot im August 2024 angelaufen. Etwa zwei Drittel der Gemeinden haben bis jetzt ein beschlossenes Schutzkonzept vorgelegt Die anderen sind in bzw. kurz vor Ende der Erarbeitung. Der Superintendent wies darauf hin, dass mit der Erstellung des Schutzkonzeptes und der absolvierten Schulung das Thema sexualisierte Gewalt nicht fertig bearbeitet sei. „Es gilt nun, im Miteinander eine neue Haltung zu etablieren.“
Die Synode in Marienhafe hatte mit einer Begrüßung durch den Vorsitzenden Theo Weber begonnen, im Anschluss hielt Pastor Clemens Niemann eine Andacht. Im Anschluss daran stellte sich die neue Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Norden, Christina Hoyer-Saad, vor.
Urkunden für ausscheidende Mitglieder
Christiane Elster, Pastorin in Norddeich und in der Andreas-Gemeinde, war vom Konvent des Kirchenkreises zur 2. Stellvertretung des Superintendenten gewählt worden. Dieses wurde von der Synode bestätigt. Es gab außerdem Abschlussberichte der Ausschüsse für Bau, Stellenplanung, Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, Diakonie, Kinder, Jugend und Schule, Eine-Welt und Gemeindeaufbau und Mission.
Am Ende der letzten Sitzung der Kirchenkreissynode in dieser Legislatur 2018- 2024 wurden die ausscheidenden Mitglieder mit herzlichem Dank und einer Urkunde der Landeskirche verabschiedet.
Die neue Synode wird sich gemäß der im Mai beschlossenen Hauptsatzung verkleinern. Sie besteht dann aus 50 gewählten Mitgliedern und 15 Berufenen. In einem Gottesdienst am 25. Januar 2025 in Großheide werden die neuen Synodenmitglieder verpflichtet, dazu sind auch die ausscheidenden eingeladen. Die konstituierende Sitzung wird am 27. Februar um 16 Uhr stattfinden.