Hoffnung auf Kompromiss  Zukunft des Auricher Anrufbusses – erneutes Umdenken nötig

| | 26.12.2024 13:06 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
So einfach wie gehofft lässt sich ein Bus-Sammeltaxi-System auf der Fläche Aurichs nicht einrichten. Foto: Romuald Banik
So einfach wie gehofft lässt sich ein Bus-Sammeltaxi-System auf der Fläche Aurichs nicht einrichten. Foto: Romuald Banik
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Die Ergebnisse des Planungsbüros zum geplanten Bus-Sammeltaxi in der Stadt Aurich sind nicht so wie erhofft. Befürworter des städtischen ÖPNV hoffen gleichwohl auf Kompromiss.

Aurich - Für einige Teilnehmer sei der Workshop zum Thema „Nachfolge für den Anrufbus“ in der Woche vor Weihnachten vielleicht ernüchternd gewesen. Das sagte der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann beim Jahrespressegespräch – ohne weitere Details zu nennen. Dabei habe das Planungsbüro, das nach einem Mehrheitsbeschluss der Stadtpolitik die Einführung eines Bustaxi-Systems (sogenanntes Ridepooling) prüfen soll, gut gearbeitet und viele Daten zusammengetragen. Im Januar solle ein weiteres Treffen stattfinden, nachdem die Fraktionen die bisherigen Ergebnisse diskutieren konnten. Weiter in die Tiefe ging Feddermann nicht, sagte aber, dass mit dem bestehenden System Ende Mai definitiv Schluss sei. Selbst wenn ein neues System beschlossen werde, werde es eine Versorgungslücke geben, schon allein wegen der erforderlichen Ausschreibung. „Das war nicht der Wunsch der Verwaltung“, betonte er.

Verwaltung hatte Konzept fertig

Denn die Verwaltung hatte im vergangenen Juni in ihrer Vorlage formuliert: „Klarer Appell der Verwaltung an die Fraktionen ist eine klare Stimme für den Stadtbus!“ Es folgte eine lange Liste mit Vorteilen eines städtischen ÖPNV. Vorgeschlagen hatte die Verwaltung basierend auf den im Anrufbus hauptsächlich genutzten Strecken eine Ringlinie in Richtung Wallinghausen und eine Pendellinie nach Extum/Haxtum an sechs Tagen in der Woche. Letzteres hätte mit leicht ausgeweiteten Bedienzeiten etwa 540.000 Euro gekostet. Zudem war ein nahtloser Übergang vom Rufbus auf die zwei Linien vorgesehen.

CDU/FDP und AWG sind seit langem erklärte Gegner des bestehenden Anrufbusses und beklagen ein Missverhältnis zwischen der Fahrgastzahl und den Kosten für die Stadt. Auch die anderen Fraktionen waren nicht begeistert. SPD/GAP schlugen ein On-Demand-System vor, das alle Ortsteile versorgen und durch moderne Technik flexibler reagieren kann.

Fahrten in die Randbereiche schwächen die Auslastung im Kern

Das lässt sich, so wie gewünscht, aber wohl nicht realisieren, wie Volker Rudolph (GAP) als einer der Ideengeber auf Nachfrage nun sagte. Auch er lobte die Arbeit des Ingenieurbüros, da dadurch einige Denkanstöße gegeben worden seien. Einige Ratskollegen müssten sich von der Vorstellung verabschieden, dass die Fahrgastzahlen mit einigen Umstellungen verdoppelt werden könnten. Es habe sich eher gezeigt, dass das Anrufbussystem gar kein so schlechtes System sei. „Mit den bisherigen Mitteln sind wir recht günstig gefahren“, so Rudolph.

Beim Bus-Sammeltaxi war an kleinere Fahrzeuge gedacht worden, als derzeit als Anrufbus unterwegs sind. Foto: Romuald Banik
Beim Bus-Sammeltaxi war an kleinere Fahrzeuge gedacht worden, als derzeit als Anrufbus unterwegs sind. Foto: Romuald Banik

Laut dem Planungsbüro gebe es bei dem vorgeschlagenen Ridepoolingsystem weiterhin ein Problem mit der Versorgung der Außenbereiche. Von dort würden für den Anrufbus bisher grundsätzlich wenig Fahrten angefordert. Wenn ein Fahrzeug dorthin gerufen werde, fehle es wiederum im Zentrum, wo in dieser Zeit vielleicht mehrere Passagiere fahren wollten.

Volker Rudolph: Hoffnung auf Kompromiss

Das Büro sei zudem zu dem Schluss gekommen, dass der Anrufbus bisher genau die richtige Zielgruppe angesprochen habe. „Wenn wir die sinnvoll bedienen wollen, dann wird es schwierig, so ein Ridepooling-System zu installieren“, sagte Rudolph. Für neue Zielgruppen müsse man ein anderes Angebot machen.

Es gebe einige Möglichkeiten, das bestehende Rufbus-System zu verbessern und die Fahrgastzahlen leicht zu erhöhen. Eine „explosive Erhöhung“ sei nach Auffassung des Büros aber nicht zu erwarten.

Ist der städtische ÖPNV angesichts von 19 Kritikern im Rat dann überhaupt noch zu retten? „Ich bin nicht gerade mit einem Weihnachtsgeschenk nach Hause gegangen“, bilanzierte Rudolph, „aber in der Hoffnung, dass eine Einigkeit erzielt wird, in der die Vernunft im Vordergrund steht.“ Wenn alle Seiten bereit seien sich zu bewegen, dann könne die Stadt ihrer Fürsorgepflicht hinsichtlich der Mobilität nachkommen. Ein neues System werde auf jeden Fall mehr als die bisher für den Anrufbus gezahlten 330.000 Euro kosten.

Linke scheiterten mit Antrag auf höheres Budget für die Lückenzeit

Es wird also ab Juni eine Versorgungslücke geben, erst recht, wenn die seit Jahren geführte Debatte um das Für und Wider neu aufflammen sollte. Die Linkenfraktion hatte vor dem Haushaltsbeschluss beantragt, das Budget für den städtischen ÖPNV auf 400.000 Euro aufzustocken, um die Lücke zu schließen. Das Geld solle in die Fortsetzung des Anrufbusses, einen Ersatzverkehr oder schon in das neue Konzept fließen. Mit diesem Antrag konnte die Fraktion sich nicht durchsetzen. Die AWG verwies wiederum auf die geringe Nachfrage. Rudolph sagte, die Einführung eines neuen Systems solle lieber über einen Nachtragshaushalt geregelt werden. Und Arnold Gossel (CDU) prophezeite, dass das von den Linken vorgeschlagene Budget dafür ohnehin nicht reichen werde.

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