Baukrise  Rückgang beim Wohnungsbau in der Stadt Aurich deutlich

| | 21.12.2024 09:40 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In Baugebieten wird auch in Zeiten der Baukrise gebaut. Foto: Aiko Recke
In Baugebieten wird auch in Zeiten der Baukrise gebaut. Foto: Aiko Recke
Artikel teilen:

Häuslebauer halten sich zurück: 2024 wurden in der Stadt Aurich 17.350 Quadratmeter genehmigt – gegenüber 60.000 im Jahr 2018. Die Stadt nimmt auf der Suche nach Wohnraum nun Leerstände in den Blick.

Aurich Rund 20 Prozent weniger Wohnungen wurden in Deutschland in der Zeit von Januar bis August gebaut als im Vorjahreszeitraum. In der Stadt Aurich ist der Rückgang bei den Neubauten ebenso gravierend. Das verrät eine Aufstellung der Bauanträge, Bauanzeigen und der zur Genehmigung stehenden Wohnflächen, die beim Jahrespressegespräch der Stadt vorgestellt wurde. 243 Bauanträge wurden in diesem Jahr bearbeitet. Im Vorjahr waren es 257. In dieser Sparte geht es also nur um einen Rückgang von 5,5 Prozent.

Mit 153 genehmigten Wohneinheiten in diesem Jahr hat die Stadt Aurich beim Wohnungsbau den niedrigsten Stand seit acht Jahren ausgewiesen. Im Vorjahr wurden noch 168 Wohneinheiten genehmigt. Die Spitzenwerte lagen in den Jahren 2018 mit 449 Einheiten und 2021 mit 314 Einheiten. Eklatant ist der Rückgang der Quadratmeter an Wohnfläche. In diesem Jahr wurden nach Angaben der Verwaltung nur 17.348 Quadratmeter Wohnfläche genehmigt. Im Vorjahr waren es noch 29.923 Quadratmeter. Die Spitzenwerte lagen in den Jahren 2018 bis 2020 mit knapp 51.000 bis gut 60.000 Quadratmetern. Selbst 2022, als Baumaterial knapp wurde und die Kosten explodierten, wurden noch 23.000 Quadratmeter Wohnfläche genehmigt.

Investitionen gingen um die Hälfte zurück

Parallel zu den gebauten Quadratmetern sanken auch die Herstellungskosten, die die Stadt in ihrer Statistik erfasst hat. In diesem Jahr ging es um Genehmigungen für Investitionen in Höhe von 31,9 Millionen Euro. 2023 waren es noch 57,5 Millionen Euro. Die Spitzenwerte lagen 2019 bei 70,4 Euro und 2021 bei 71,8 Euro.

Stadtbaurat Mirko Wento und Bürgermeister Horst Feddermann führen den Rückgang auf die allgemeine Baukrise zurück. Der Rückgang der Quadratmeterzahl könne auch damit zu tun haben, dass die Häuslerbauer angesichts der Baukosten kleiner bauen oder dass der Trend allgemein zu kleineren Einheiten gehe.

Bauanträge und Bauanzeigen relativ konstant

Bei den eingegangenen Bauanträgen und Bauanzeigen ist der Rückgang in Aurich von 2023 auf 2024 nicht so deutlich. In den Jahren 2017 bis 2022 wurden jedoch immer mehr als 290 Genehmigungsvorgänge eingeleitet. Nun waren es noch 243. Etwas konstanter ist der Wert bei den Bauanzeigen, die Häuslebauer mit Unterschrift eines sogenannten Entwurfsverfassers einreichen können. Diese Möglichkeit besteht immer dann bei Gebäuden geringer Höhe, wenn sie in einem Wohngebiet mit Bebauungsplan entstehen sollen. Die Bauherren müssen dann nach Bauabschluss mit einer Kontrolle durch die Baubehörde rechnen, ob alle Vorgaben eingehalten wurden.

In der Stadt Aurich wurden in diesem Jahr 40 solcher Bauanzeigen eingereicht. In den drei Vorjahren waren es jeweils 37 oder 38. 2018 aber beispielsweise auch schon mal 57. Laut Wento gibt es trotz der Baukrise nur sehr wenige Bauherren, die ihre Bauplätze wieder zurückgeben. Im Rahmen der Vorverkaufsrechtsprüfung sei die Stadtverwaltung dabei eingebunden. Jährlich sei dies nur eine Handvoll Fälle, so Wento.

Landwirte und Gewerbe haben durchaus investiert

Deutliche Unterschiede sieht er zwischen dem Wohnungsbau und Projekten in Landwirtschaft und Gewerbe. Sowohl die Landwirte als auch die Gewerbetreibenden haben Anträge für mehr Fläche gestellt als im Vorjahr. In der Landwirtschaft ging es in diesem Jahr um 7500 Quadratmeter (Vorjahr: 3120 Quadratmeter), beim Gewerbe um 23.800 Quadratmeter (Vorjahr: 22.900 Quadratmeter). Doch auch in Landwirtschaft und Gewerbe gab es schon bedeutend höhere Zahlen. Bei der Landwirtschaft lagen die Spitzenwerte 2017 bei 12.000 Quadratmeter und 2021 bei knapp 11.300 Quadratmetern. Das Gewerbe hatte seine Spitzenzubauzeit in den Jahren 2021 und 2022 mit jeweils mehr als 29.000 Quadratmetern.

Auch die versiegelte Fläche ist entsprechend im Vergleich zum Vorjahr wieder gestiegen: von knapp 44.500 Quadratmeter auf knapp 61.700 Quadratmeter. Auch hinsichtlich der Versiegelung gab es in den Vorjahren bereits höhere Werte: gut 90.700 Quadratmeter im Jahr 2018 oder auch gut 75.000 Quadratmeter im Jahr 2021. Der diesjährige Rückgang bei der genehmigten Wohnfläche ist in Aurich durchaus ein Problem, da weiterhin Wohnraum fehlt – vor allem im niedrigpreisigen Bereich.

Plan: Leerstandserhebung im nächsten Jahr

Die Stadt hat beim Thema Wohnungsnot aber nicht nur die Neubauten im Blick, wie Horst Feddermann anmerkte. Im neuen Jahr soll nach der Erfassung der in Aurich gemeldeten Zweitwohnsitze noch eine zweite Welle Briefe rausgehen. Die Verwaltung schaut sich nämlich auch mögliche Leerstände an. Haben Wohnraumeigentümer eine Meldeadresse außerhalb, werden sie nach Angaben von Kämmerin Katja Lorenz nach der Nutzung ihres Wohnraums in Aurich befragt – auch wenn bisher kein Zweitwohnsitz offiziell angemeldet ist. Vielleicht stehe er leer oder werde zur Ferienvermietung genutzt. Sollte Zweitwohnungssteuer fällig werden, habe dies auch eine Lenkungswirkung, führe also vielleicht zur Vermietung bislang ungenutzten Wohnraums, sagte Lorenz im Sommer. Wer angeschrieben wird und nachweisen kann, dass er den Wohnraum dauerhaft vermietet oder selbst bewohnt, sei nicht betroffen. Laut Feddermann gibt es „ein Meer von leerstehenden Häusern in Aurich“.

Ähnliche Artikel