Advent in Aurich Gute Laune bei der XXL-Einkaufsnacht in Aurich
Der Weihnachtszauber platzte am Sonnabend aus allen Nähten. Auch die Kaufleute äußerten sich zufrieden. Und bei der Goldenen 7 gab es sogar einen Rekord.
Aurich - In den Glühweinbuden wurden im Akkord Gläser und Becher gespült und wieder befüllt. An den Imbiss-Ständen war die Grillzange im Dauereinsatz. Bei der diesjährigen XXL-Nacht in der Auricher Innenstadt war am Sonnabend wieder viel los. Jens Coordes, der vom Kaufmännischen Verein aus die Lotterie Goldene 7 organisiert, freute sich nicht nur über einen vollen Marktplatz, sondern auch über einen Rekordlosverkauf. Am Sonnabend seien etwas mehr als 9000 Lose über den Tresen gegangen. Bislang lag der höchste Tagesverkauf bei etwa 8000 Losen an einem Tag.
Viele Geschäfte hatten ihre Öffnungszeiten verlängert. Die meisten davon hielten sogar bis 22 Uhr durch. Die Mitarbeiter freuten sich über die gut gelaunte Kundschaft, die in Ruhe stöberte und das Sortiment mal ohne Alltagsdruck in Augenschein nehmen konnte.
Nicht nur geschaut, sondern auch gekauft
Bei Silomon bot sich in der Damenabteilung wohl das optimale Bild: Frauen pendelten zwischen Kleiderständern und Umkleidekabinen hin und her – nicht ohne das eine oder andere Schwätzchen zu halten. Die Männer saßen gut gelaunt in Sesseln und harrten der Dinge. Und nach Angaben des Personals wurde nicht nur probiert, sondern auch gekauft.
Susanne Krantz von der Buchhandlung am Wall räumte um kurz nach 20 Uhr zufrieden das Obergeschoss auf, während unten die Kunden ihre Kollegin um Empfehlungen baten und Bücher zum Verschenken kauften.
Erlebnisse im ersten Obergeschoss
Bücher gingen noch immer, sagte Krantz. Sie würden immer noch stapelweise gekauft. Der Vorteil des Buchladens sei, dass die Buchhändlerinnen den Geschmack ihrer Kunden kennen und gezielt beraten können. Doch der Einzelhandel müsse etwas tun, um das bequeme Shopping im Internet deutlich zu übertreffen, so Krantz. In der Buchhandlung am Wall gab es deshalb schon tagsüber neben dem Kalenderverkauf auch Verkostungen. Weingarts Feinessen aus Südbrookmerland bot biologisch erzeugte Öle aus Portugal, Balsamico aus Modena und sogenannten Appléritif. Gudrun Albrecht aus Carolinensiel stellte ihr gerade erschienenes Kochbuch für vegane Suppen vor. Auch sie hatte etwas zum Verkosten dabei.
Mechthild Möhlenkamp hatte wieder ihre Sternenausstellung aufgebaut. Und das Unternehmen Recosy aus Ganderkesee führte mit einem 3D-Drucker live vor, wie aus recyceltem Kunststoff Vasen oder Leuchten entstehen. Gleich zwei frisch gedruckte Exemplare werden laut Kranz den Weg auf einen Auricher Gabentisch finden.
Einige Läden schlossen früher
Im Spielwaren- und Kinderkleidergeschäft Hermerding war die Bilanz um 22 Uhr ebenfalls positiv. Das meist umsatzstärkste dritte Adventswochenende komme zwar noch. Aber mit dem bisherigen Weihnachtsgeschäft sei man zufrieden. Es seien am Sonnabend fast durchgehend viele Kunden zum Stöbern da gewesen. Schade sei allerdings, dass einige Geschäfte in der Norderstraße früher zugemacht hätten.
Auch in der Osterstraße waren nur vereinzelte Geschäfte über die volle Zeit geöffnet. In mehreren leerstehenden Läden ist dort aber auch schon tagsüber nur die neue Werbe-Aktion der Stadt zu sehen. Mit Plakattexten wie „Große Liebe für kleine Läden“, „Liebe Leute, lasst euch sagen, tolle Geschenke gibt‘s vor Ort im Laden“ oder auch „Hinter jedem kleinen Laden steht ein großer Traum – Lasst ihn weiterleben!“ wird in Schaufenstern für den Einzelhandel in der Innenstadt geworben.
Schneemilch: Ein Sortiment, das online so gar nicht entdeckt würde
Die Stärken dieses Einzelhandels betonte Alexandra Schneemilch von Abegg. Den XXL-Abend bewertete sie zwar als eher ruhig. Tagsüber sei mehr los gewesen. Aber wahrscheinlich hätten die Leute sich wegen des vorhergesagten Wetters vorher schon etwas anderes vorgenommen. Mit dem Weihnachtsgeschäft an sich sei sie zufrieden, so Schneemilch. Die neue Fußgängerzone sei wirklich ein Gewinn. Gerade Auswärtige lobten die Neugestaltung sowie die Auricher Geschäfte mit ihren Sortimenten. Davon profitiere auch Abegg, wo es kein Standardsortiment gebe und das mit Vielfalt punkte.
Ein Besuch in der Stadt müsse heute Erlebnis bieten, sagte Schneemilch: Kaffee trinken, Leute treffen und nebenbei Bummeln. Da sei es schade, dass in der Osterstraße gleich drei Bäckereifilialen zugemacht hätten.
Den Online-Verkauf, den Abegg in der Corona-Zeit eingerichtet hatte, hat Schneemilch mangels Nachfrage wieder eingestellt. Und auch aus Überzeugung – denn der Zauber, den der Laden bieten könne, entfalte sich im Internet nicht. „Man muss die Leute inspirieren durch kreative Sachen, die man im Laden hat, die sie so online gar nicht entdecken würden. Man muss was dafür tun, dass der Kunde Freude hat einzukaufen.“ Viele beträten den Laden mit einem bestimmten Ziel und gingen dann mit etwas ganz anderem raus – nach einer besonderen Entdeckung. „Noch funktioniert es gut, und so lange werden wir das so beibehalten, dass die besonderen Sachen bei uns im Laden zu finden sind“, so Schneemilch.