Inklusion im Landkreis Aurich  Neue Förderschule wegen wachsender Probleme

| | 27.11.2024 17:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Förderschulen am Standort Aurich-Extum. Foto: Romuald Banik
Die Förderschulen am Standort Aurich-Extum. Foto: Romuald Banik
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Eigentlich sollen Schüler mit besonderem Förderbedarf an Regelschulen unterrichtet werden. Doch das klappt oft nicht, und die Zahlen steigen. Nun wird eine neue Förderschule in Extum eingerichtet.

Aurich - Eigentlich sollen Schüler mit besonderem Förderbedarf an den normalen „Regelschulen“ unterrichtet werden – die viel diskutierte Inklusion. Doch im Alltag bedeutet das für die Schulen und die Schüler selber große Herausforderungen. In manchen Fällen funktioniert diese Einbindung aber offenbar nicht. Zugleich steigt die Zahl der Kinder mit Förderbedarf stetig. Auch deshalb gibt es weiter eine große Nachfrage nach Förderschulen. Der Landkreis Aurich richtet nun ab dem Schuljahr 2025/26 an der Förderschule am Extumer Weg einen neuen Schwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung (ES) ein. Das hat der Schulausschuss am Dienstag einstimmig entschieden.

In der Beschlussvorlage heißt es unter anderem: „Fakt ist, dass es vermehrt Einzelfälle gibt, bei denen trotz aller Unterstützungen nicht gelingt, die Schüler adäquat zu unterrichten. Hierzu bedarf es aus Sicht des Landkreises Aurich eines gesonderten Angebots in Form einer Förderschule ES.“ Das Landesschulamt teile diese Ansicht, heißt es.

Vorhandenes Gebäude in Extum wird genutzt

Der neue Förderschwerpunkt soll im Gebäude der 2028 auslaufenden Förderschule Lernen (LE) in Extum angesiedelt werden. Ab dem Schuljahr 2025/26 besuchen noch vier Klassen die Förderschule Lernen. Dort stehen laut Kreisverwaltung sowohl personelle als auch finanzielle Ressourcen für die Erweiterung zur Verfügung – seien es Lehrer, Sekretärinnen, Sozialarbeiter, Küchen- oder Reinigungskräfte. Das Gebäude sei in einem guten baulichen Zustand. Größere Investitionen seien nicht erforderlich.

Allerdings wird das Land pädagogische Fachkräfte an neu gegründeten Förderschulen nicht mehr finanzieren, heißt es. Das Kreisjugendamt will nun prüfen, ob eine „kostenneutrale“ Bereitstellung von Fachkräften möglich ist, schließlich seien auch eine größere Anzahl von Schulbegleitern nicht mehr erforderlich.

Die Kreisverwaltung geht davon aus, dass es gut 200 Schüler mit dem besonderen sonderpädagogischen ES-Förderbedarf im Landkreis Aurich gibt – rund zwei Prozent aller gut 10.500 Schüler. Knapp zwei Drittel davon werden allerdings in den Regelschulen unterrichtet. Man rechnet daher mit 53 bis 75 Schülern im Sekundarbereich.

Schulamtsleiter: Inklusion nicht ablehnen, sondern ergänzen

Schulamtsleiter Jens Kleen betonte, die Einrichtung einer neuen Förderschule bedeutet nicht, den Inklusionsgedanken abzulehnen, sondern ihn „pragmatisch zu ergänzen“.

Theo Wimberg (SPD, Norden) räumte ein, dies sei ein „ganz schwieriges Thema“ für die SPD. Denn sie war und ist immer ein großer Verfechter der Inklusion gewesen. „Wir sollten uns eingestehen, dass wir den hohen Anspruch an die Inklusion nicht erfüllen können“, so Wimberg. Und ergänzte: „Das ist auch ein Hilferuf der Schulen, weil sie mit bestimmten Schülern nicht mehr zurechtkommen.“

Sven Behrens (CDU, Berumbur) fand die kritische Haltung gegenüber der Inklusion, die seine Partei seit Jahren betont, bestätigt. Er betonte, dass aus Sicht der CDU die Abschaffung der Förderschulen Lernen ein Fehler gewesen sei. Zugleich dankte Behrens der SPD für die „ehrliche und offene Diskussion“. Die Einrichtung eines neuen Förderschwerpunktes sei der richtige Schritt.

Kritisch sah man die Einrichtung der neuen Förderschule in Aurich zuletzt an der Johann-Heinrich-Leiner-Schule in Großefehn. Sie ist bislang die einzige Schule im Landkreis Aurich mit dem Förderschwerpunkt Emotional-Soziale Entwicklung. „Wir sehen den Bedarf eines erweiterten Schulplatzangebotes nicht“, sagte Leinerstift-Vorstand Wolfgang Vorwerk im Juni.

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