Drogen im Kreis Aurich Drobs spürt keine Zunahme der Cannabis-Konsumenten
Suchttherapeutin Antje Schrader hält die Umsetzung der Legalisierung allerdings für fragwürdig. Die Expertin berichtete im Kreis-Gesundheitsausschuss von einem weiteren zunehmenden Problem.
Aurich - Nach der Cannabis-Legalisierung sieht die Drogenberatungsstelle (Drobs) in Aurich keine Zunahme der Betreuungsfälle. Das berichtete Suchttherapeutin Antje Schrader im Gesundheitsausschuss des Landkreises Aurich. Auch die Ubbo-Emmius-Klinik in Norden habe keine Zunahme feststellen können, so Schrader. Allerdings seien die Beratungs-Fachkräfte durch die Legalisierung bisweilen verunsichert. Grundsätzlich sei die Zahl der „Klienten“, die wegen Cannabis-Konsum bei der Drobs sind, in den vergangenen zehn Jahren sicher gestiegen. Aber ein kurzfristiger Anstieg durch die Legalisierung sei nicht festzustellen.
Die Zahl der laufenden Betreuungen und Beratungen von Klienten lag laut Schrader bei der Drobs Aurich bei 611, davon waren 436 männlich und 175 weiblich. Rund 36 Prozent der Betroffenen waren zwischen 18 und 30 Jahre alt, immerhin elf Prozent noch minderjährig. Diese Zahlen seien in den vergangenen Jahren aber relativ konstant geblieben, berichtete Antje Schrader. Jedoch: „Die Problemlagen werden immer komplexer“, so die Suchtexpertin.
Der Großteil der Klienten, 134 im laufenden Jahr, komme wegen einer Cannabis-Problematik, bei 75 ist es Alkohol, bei 30 Methadon, bei 20 Heroin und 15 Kokain. Bei 44 Klienten sind es mehrere Substanzen, die eine Rolle spielen.
Künstliche Opioide zunehmendes Problem
Ein zunehmendes Problem seien künstliche Opioide. Diese seien kostengünstiger herzustellen und leichter zu transportieren, berichtete Schrader. Besonders tückisch dabei sei, dass die Betroffenen oft gar nicht genau wissen, was genau sie da zu sich nehmen, da die Mischung in den Substanzen unbekannt ist. „Diese Entwicklung müssen wir im Blick haben“, betonte Schrader.
Ein weiteres Problem sei der Wegfall von psychosozialer Beratung durch neue gesetzliche Regelungen. „Betroffene isolieren sich dann noch mehr“, so Schrader. CDU-Fraktionschef Sven Behrens (Berumbur) war es wichtig, zu betonen, dass seine Fraktion grundsätzlich gegen die Legalisierung von Cannabis sei. Und auch Suchtexpertin Schrader räumte auf Nachfrage ein: Sie sei zwar gegen eine Kriminalisierung. Doch so wie die Legalisierung umgesetzt wurde, sei sie keine Befürworterin. Zum Beispiel sei die Altersgrenze von 18 Jahren fragwürdig, da sich das Gehirn oft noch bis zum Alter von 25 Jahren entwickele. Daher könne der frühe Cannabis-Konsum zu Gesundheitsschäden führen. „Es gibt leider Fälle, wo 30-Jährige reden wie 16-Jährige“, berichtete Schrader über Beispiele aus ihrem Alltag als Therapeutin.
Besonders wichtig sei in jedem Fall die vorbeugende Arbeit, etwa durch Aufklärung in Schulen.