Alternative zum Anrufbus  Büro aus Dresden tüftelt nun am On-Demand-Bus

| | 20.11.2024 10:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Anrufbus soll Ende Mai das letzte Mal durch Aurich fahren. Foto: Romuald Banik
Der Anrufbus soll Ende Mai das letzte Mal durch Aurich fahren. Foto: Romuald Banik
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Im Juni hatte die Auricher Ratsgruppe SPD/GAP vorgeschlagen, einen mit intelligenter Technik gesteuerten Rufbus bedarfsabhängig fahren zu lassen. Nun hofft sie auf Umstellung bis zum nächsten Herbst.

Aurich - Es läuft, aber es dauert noch: So könnte man den Stand der Suche nach einem neuen Modell für den städtischen Auricher Personennahverkehr derzeit zusammenfassen. Ab Ende Mai 2025 wird es den Anrufbus in seiner jetzigen Form nicht mehr geben. Aber auch noch keinen Ersatz. Ratsherr Volker Rudolph (Ratsgruppe SPD/GAP) ist gleichwohl weiterhin optimistisch, wie er sagt. „Wir müssen optimistisch sein, sonst können wir den ÖPNV in Aurich schlichterdings aufgeben.“ Der Personennahverkehr gehöre zu den kommunalen Aufgaben der Daseinsvorsorge. Und das sei auch die Auffassung von Bürgermeister Horst Feddermann, so Rudolph.

Gut fünf Monate ist es jetzt her, dass auf Antrag der Ratsgruppe SPD/GAP die Planungen für eine Alternative zum Anrufbus in Aurich noch einmal auf Anfang gestellt wurden. Die Verwaltung bekam den Auftrag, bis zum Ende der Sommerferien die Voraussetzung für die Einführung eines On-Demand-Systems zu prüfen und vorzustellen. Nicht definiert wurden dabei vorerst der Kostenrahmen, die tägliche Angebotszeit oder die Verknüpfung von Kosten und Fahrpreis.

Stadt erwartet Ergebnisse erst Ende des ersten Quartals

Die Stadt hat zunächst drei Unternehmen eingeladen, ein Angebot abzugeben. Am 26. September wurde laut Stadt-Sprecher Cord Cordes der Auftrag an das Unternehmen „Mobilitätswerk“ aus Dresden vergeben. Das Team des „Mobilitätswerks“ werde in enger Zusammenarbeit mit dem Fachdienst Klima/Umwelt/Verkehr die Voraussetzungen für ein On-Demand-Bussystem untersuchen, „um gegebenenfalls eine Alternative für den Anrufbus vorstellen zu können“, so Cordes.

Bis Ende des Jahres seien noch mehrere Gespräche geplant. Mit der Vorstellung von Ergebnissen rechne die Verwaltung aber erst gegen Ende des ersten Quartals 2025, so Cordes.

Workshop mit Politik kurz vor Weihnachten

Laut Rudolph wird es kurz vor Weihnachten noch einen Workshop mit Teilnehmern aller Fraktionen sowie dem Planungsbüro und der Verwaltung geben, um die bis dahin vorliegenden Ergebnisse zu besprechen und auch die Wünsche aus der Politik aufzunehmen. Er begrüße dieses Vorgehen sehr, so Rudolph, denn dann gehe die Diskussion nicht erst nächstes Jahr mit einer fertigen Beschlussvorlage los. Er gehe davon aus, dass die Ergebnisse der Untersuchung im Februar im Verkehrs- und Umweltausschuss öffentlich vorgestellt und in der Ratssitzung im März möglichst schon beschlossen werden können.

Dann müsse es immer noch eine möglicherweise europaweite Ausschreibung geben. Mit einem nahtlosen Übergang vom Anrufbus zum neuen System sei also nicht zu rechnen. Er hoffe allerdings sehr, dass es ab Herbst 2025 wieder ein Angebot in Aurich gebe. „Das ist optimistisches Denken“, so Rudolph.

Was muss alles geklärt werden

Doch wie realistisch ist das? Seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, ist die Ausgestaltung des Anrufbusses Streitthema in der Stadt, weil angesichts der hohen Zuschüsse der Stadt zu wenig Fahrgäste das Angebot nutzten. Die SPD/GAP hofft nun, ein „effektives, ökonomisches und auf die Bedürfnisse der Bürger zugeschnittenes Modell zu entwickeln“, wie Rudolph sagt. Der On-Demand-Bus solle durch intelligente Technik so optimiert gesteuert werden, dass der Fahrkomfort hoch sei, auch die Randbereiche der Stadt versorgt werden könnten und die Kosten sich dennoch im Rahmen hielten. Gebe es keine Nachfrage, müsse auch kein leerer Bus durch die Gegend fahren. Als die Idee im Juni erstmals diskutiert worden sei, hätten sich auch Gegner des jetzigen Anrufbussystems interessiert gezeigt, so der GAP-Ratsherr.

Auch Rudolph weiß, dass mindestens vier große Diskussionspunkte anstehen: Was darf der On-demand-Bus im laufenden Betrieb kosten? Was darf die Einführung eines neuen Systems kosten? Welche Versorgungstiefe ist gewünscht? Wie teuer darf ein Ticket maximal sein, damit Kunden das Angebot attraktiv finden?

Vorbild ist das System im Landkreis Vechta

Die SPD/GAP habe sich das On-Demand-System bei einem Vor-Ort-Termin angeschaut, das im Landkreis Vechta seit einigen Jahren erfolgreich laufe und noch weiter ausgebaut werde, so Rudolph. Dort werde an einigen Orten in den Randzeiten nun schrittweise sogar ein Taxi-System aufgesattelt, wo die Nutzer des On-Demand-Angebots deutlich vergünstigt fahren könnten.

Darum gehe es in Aurich noch lange nicht, so Rudolph. Wohl aber um ein bezahlbares und attraktives System über Tag.

Im Landkreis Vechta koordiniert mit dem Kreis die Behörde das On-Demand-System, das auch für die Linienbusse zuständig ist. Das ist in der Stadt Aurich anders. Dort muss es Verbindungen zum Linienbussystem des Landkreises geben.

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