Präventionsklasse in Osteel Fußball und Freundschaft mit den Grundschülern
Seit August werden in Osteel verhaltensauffällige Schüler aus dem Umland in einem Pilotprojekt betreut. Die Pausen verbringen sie mit den Grundschülern. Auch zu den Stammschulen wird Kontakt gepflegt.
Osteel - Rund zwölf Wochen ist die vom Landkreis Aurich zunächst als Inselklasse bezeichnete, schulübergreifende Präventionsklasse an der Grundschule Osteel nun in Betrieb. Auf Nachfrage zog das Regionale Landesamt für Schule und Bildung (RLSB) nun ein positives Fazit.
Seit Schuljahresbeginn bis jetzt wird die Präventionsklasse nach Angaben von RLSB-Sprecherin Mareike Wellmeier von sieben Schülerinnen und Schülern besucht. Erstklässler sind nicht darunter. Beschult werden in dem altersübergreifenden Angebot derzeit Zweit- bis Viertklässler.
In der Präventionsklasse sollen Kinder für maximal sechs Monate aufgenommen werden, die an ihrer Stammgrundschule Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Ziel sei eine „Auszeit“ vom Regelschulbetrieb, um gezielt mit den betroffenen Schülern an ihren Auffälligkeiten zu arbeiten. Das Angebot wird in diesem Schuljahr im Landkreis Aurich erstmals als Pilotprojekt am Standort Osteel getestet. Die potenziellen Schüler der Präventionsklasse stammen von den 27 Grundschulen des Altkreises Norden und der Gemeinde Südbrookmerland.
Präventionsklasse soll intensive Förderung ermöglichen
Es handelt sich dabei um Kinder mit einem nicht offiziell festgestellten Förderbedarf „emotional-soziale Entwicklung“, die sich im Unterricht ihrer Stammschule beispielsweise nur kurz konzentrieren können, ständige Aufmerksamkeit der Lehrkraft einfordern, Konfliktsituationen nicht selbst lösen können, Arbeitsaufträge verweigern, sich unangemessen gegenüber anderen Kindern oder Erwachsenen verhalten, unruhig sind und wenig Lernbereitschaft zeigen. Ziel der Auszeit in der Präventionsklasse ist die schrittweise Wiedereingliederung der Schüler in ihre Wohnort-Grundschulen. Von einem speziellen pädagogischen Team werden die Kinder während des Aufenthalts in Osteel intensiv in ihren emotional-sozialen Kompetenzen gefördert. Angestrebt ist, dass sie durch die Präventionsklasse ihr Verhalten so verändern können, dass sie keine dauerhafte festgestellte sonderpädagogische Unterstützung brauchen.
Sprecherin: Erste Freundschaften über Klassengrenzen hinaus
Wie geplant wurde die Präventionsklasse Wellmeier zufolge mit einem Drei-Pädagogen-System bestehend aus einer Grundschullehrkraft, einer Förderschullehrkraft und einer sozialpädagogischen Fachkraft ausgestattet.
Die Grundschule Osteel hat für die Präventionsklasse etwas Platz gemacht. Musikraum und Bücherei sind für die Zeit des Projekts, das zunächst auf zwei Jahre angelegt ist, in eine Containeranlage umgezogen.
Laut Wellmeier klappt das Zusammenspiel der Kinder in Osteel gut. „Zwischen den Schülerinnen und Schülern bestehen keinerlei Probleme. Seit Beginn des Schuljahres verbringen alle Kinder die Pausen gemeinsam. Die Pausenaufsicht ist durchgängig durch das Team der Präventionsklasse zusätzlich gewährleistet. Mittlerweile entstehen erste Freundschaften über Klassengrenzen hinaus. In vielen Pausen wird gemeinsam vor allem Fußball gespielt“, so die Sprecherin des RLSB.
Brief-Aktion von Mitschülern
Aus fachlicher Hinsicht bewertet das Landesschulamt die Präventionsklasse nach jetzigem Stand offenbar als Erfolg. Wellmeier lobte die enge Abstimmung sämtlicher regionaler Akteure. Es gebe einen guten und regelmäßigen Austausch zwischen dem pädagogischen Team der Präventionsklasse, dem RLSB, dem Landkreis Aurich und dem „Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentrum inklusive Schule“. Unter anderem sei eine intensive Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten sowie eine zielorientierte Beratung der Stammschule erforderlich.
Das Projekt werde zusätzlich begleitet durch die Teams des Mobilen Dienstes ES als Bindeglied im Rahmen der Beziehungsarbeit zwischen Stammschule und Präventionsklasse, so Wellmeier: „Gerade letzten Monat hat ein Evaluationstreffen stattgefunden, bei dem die professionelle Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure überzeugen konnte.“
Nach Informationen dieser Zeitung wird der Kontakt zwischen den Mitschülern an der Stammschule und den Schülern der Präventionsklasse unter anderem durch Briefe gepflegt, die im Unterricht geschrieben wurden.