Kurioses Fußballderby Torwart-Drama bei SpVg Aurich – Feldspieler ins Tor
Weshalb bei Aurich gegen Großefehn der fünfte und sechste SpVg-Schlussmann ran mussten. Ein Taktik-Trick entschied das Derby.
Aurich - Rund 400 Zuschauer sahen auf dem Ellernfeld ein einseitiges Bezirksligaderby zwischen SpVg Aurich und SV Großefehn. Die Heimelf setzte sich am Donnerstagnachmittag glatt mit 3:0 Toren durch.
Gleichwohl bot das Spiel einige kuriose Aspekte. In der Schlussphase stand ein Auricher Feldspieler zwischen den Posten. Er ersetzte Torwart-Trainer Werner Dirks. Der 55-Jährige musste erstmals als Torwart ran, weil alle anderen Auricher Torleute Verletzungen auskurieren. Aurich hat ein Torwartproblem, das sich aber nicht negativ auf den Spielausgang für die SpVg auswirkte.
Stadion gesperrt
Nicht weniger kurios war der Spielort. Das Derby wurde auf Kunstrasen ausgetragen. Grund: Die Stadt Aurich hatte den Rasen im Stadion gesperrt, weil die Sprinkleranlage in der Woche gelüftet und winterfest gemacht wurde.
Die Partie begann anders als erwartet. Aurich stand tief und ließ Großefehn gewähren. „Eine taktische Umstellung nach drei Spielen ohne Sieg“, bekannte SpVg-Trainer Claudio Casto später nach dem Abpfiff. Die Fehntjer wussten aber wenig mit dem Plus beim Ball- und Raumgewinn anzufangen. Und so sahen die Zuschauer ein überschaubares und harmloses Ballgeschiebe zwischen den Strafräumen. Weder inspirierende Spielzüge noch gefährliche Aktionen in den Strafräumen. Ein langweiliger Kick, der die Erwartungen an das Topspiel zuerst nicht erfüllte. SVG-Trainer Bi Le Tran ahnte schon, wohin der Hase laufen würde. „Wer das erste Tor macht, wird auch gewinnen“, dachte er zwischendurch. Und so kam es auch. Nach einer halben Stunde trug die SpVg den ersten sehenswerten Angriff über die rechte Seite vor. In der Mitte erhielt Moustapha Camara einen Pass in den Lauf. Der flinke Auricher mäanderte sich durch die SVG-Abwehr, übersprang einen Gegenspieler und schoss im Fallen den Ball vorbei am herauseilenden SVG-Torwart Timo Kuhlmann. 1:0 für Aurich. Eine Vorentscheidung hätte es kurz vorm der Pausenpfiff geben müssen, als erneut Camara die Fehntjer Abwehr mit einem Sololauf zerlegte und mit einem klugen Pass Jan Sabath bediente. Sein Schuss wurde noch von einem Fehntjer von der Linie gekratzt. Es blieb bei der knappen Auricher Führung bis zum Halbzeitpfiff.
Torwarttragödie setzt sich fort
Wer nun glaubte, Großefehn würde mit einem Angriffswirbel zu Beginn der zweiten Hälfte eine Wende herbeizwingen wollen, der wurde bitter enttäuscht. Die Fehntjer sollten sich in der gesamten zweiten Hälfte nicht eine nennenswerte Chance erspielen. Dafür war Aurich zuständig. Nur wenige Minuten nach Wiederanpfiff besorgte Nico Möhle das vorentscheidende 2:0 für die Platzherren. Aurich hatte das Spiel unter Kontrolle und Großefehn resignierte. Selbst als sich der Auricher Torwart Werner Dirks in der 70. Minute verletzte und durch Defensivmann Hendrik Schulz ersetzt wurde, löste diese Torwarttragödie keinen Weckruf bei den Gästen aus. Kaum war Schulz im Tor, da markierte Möhle seinen zweiten Treffer und stellte auf 3:0 für die SpVg. Das Spiel war entschieden und Schulz erlebte eine entspannte Schlussphase, ohne mächtig gefordert zu werden.
Mutlose Fehntjer
Als nach dem Abpfiff die Auricher Fußballer die Gäste mit „Derbysieg, Derbysieg“ in die Kabine verabschiedeten, da musste SVG-Trainer Bi Le Tran nicht lange über die Gründe für die Niederlage nachdenken. „Uns fehlte der Mut, wir hatten keine Ideen. Das war einfach zu wenig“, bewertete er die erste Niederlage im 14. Punktspiel.
SpVg-Trainer Casto atmete tief durch: „Das war ein Brustlöser. Ein verdienter Sieg mit einer überragenden Mannschaftsleistung.“