Meisterschaften mit Frust und Freude Auricherin verpasst Gold um Haaresbreite bei DM
Bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften sorgen zwei Starterinnen vom MTV Aurich für Schlagzeilen. Ein Fehlurteil verärgert die Auricher.
Aurich/Pirmasens - Am Ende ging es sehr eng bei der Vergabe der Medaillen bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Pirmasens zu. Amke Bolten, Starterin des MTV Aurich, verpasste Gold und Silber um wenige Zehntel. Die 15-Jährige musste sich mit Platz drei zufriedengeben. „Ein klasse Ergebnis“, so ihr Trainer Arne Gleich, „aber es war mehr drin. Sogar der Titel.“
Fehlurteil und Sturz
Als Grund für den verpassten Titel machte Gleich bei einer Übung von Bolten eine zu niedrige Wertung der Wettkampfrichter aus. Neben Bolten ging mit Leja Schellschmidt eine weitere Athletin des MTV Aurich bei den Titelkämpfen an den Start. Die 18-Jährige patzte bei einer Übung im Achtkampf. Sie fiel vom Balken. Damit war der Traum von einer vorderen Platzierung früh geplatzt. Die Auricherin machte aber weiter, ließ nicht locker und landete zum Schluss auf Rang zehn im Feld von 13 Starterinnen.
Beim Mehrkampf absolvieren die Teilnehmerinnen turnerische und leichtathletische Disziplinen. Ein herausfordernder Wettbewerb.
Angst vor dem Runterfallen ist groß
„Für die Sportlerinnen ist es ein anstrengender, kräftezehrender, langer Tag. Rund sechs Stunden dauern die Wettkämpfe. Zuerst wird in der Halle geturnt und danach geht es raus zur Leichtathletik. Sie müssen sich immer wieder neu motivieren und konzentrieren“, beschreibt Gleich den Ablauf und die Tücken der Wettkämpfe in Pirmasens.
Ina Reinhardt, Spartenleiterin Leichtathletik, ergänzte: „Es ist die Kunst, Turnen und Leichtathletik zu verbinden, obwohl es verschiedene Dinge sind. Eine vielfältige Angelegenheit. Dafür sind Technik und regelmäßiges Üben notwendig.“ Schellschmidt muss im Gespräch mit den Ostfriesischen Nachrichten nicht lange nachdenken, um ihre Schwachstelle bei der DM auszumachen. Sie erzählt: „Ich mag zwar den Balken, aber es gibt da die Angst vor dem Runterfallen. Ich bin gefallen, und da war ich raus aus dem Rennen.“
Trainer gefragt
Ein Fehler und die wochenlangen Vorbereitungen sind in einem Moment dahin. Für die Katz. Ein bitterer Augenblick für die Athletin. Dann ist der Trainer gefragt, der tröstet, zuhört und versucht, seinen Schützling für die nächste Disziplin wieder aufzurichten. „Es ist die Kunst, Fehler oder Stürze wieder aus den Köpfen der Sportlerinnen zu bekommen und ihnen die Angst zu nehmen“, meint Gleich. Er war auch gefordert, als Amke Bolten mit ihrem Sprung nicht die Punktzahl bekam, die die Auricher Crew erwartet hatte. Für Gleich ein krasses Fehlurteil: „Sie hat einen sauberen Sprung hingelegt und wurde im Vergleich zu anderen schlechter bewertet.“
Ähnlich sahen es auch die Vertreter anderer Vereine. Gleich legte Einspruch ein. Das Kampfgericht schmetterte die Eingabe ab. „Schade, dass es keinen VAR (Englisch Video Assistant Referee; auch Video-Assistent genannt. Anmerkung der Redaktion) gibt, dann hätte man es besser beurteilen können“, so Gleich. Bolten sagt: „Bei mir war erst einmal die Stimmung unten. Ich habe aber den Frust runtergeschluckt und mich bei der Leichtathletik reingehängt.“ Mit Erfolg. Dort stellte sie in zwei der drei Disziplinen neue Bestmarken auf, heimste mehr Punkte als erwartet ein. In der Gesamtwertung aus Turnen und Leichtathletik fehlte ihr nur ein Wimpernschlag von 0,349 Punkte zum Titel.
Neues Ziel: DM Leipzig
Gold hin oder her, auch Bronze kann sich sehen lassen. Auch als Merkposten für das kommende Jahr. Dann geht’s nach Leipzig. Bolten gibt sich kämpferisch: „Bis dahin werde ich viel trainieren und besser werden. Mal sehen, was dann geht.“ Die junge Gymnasiastin hat in der Woche einen vollen Trainingsplan. An zwei Tagen wird geturnt. Sie trainiert auch an zwei Tagen leichtathletische Disziplinen. Ihre Lieblingsdisziplin ist der Sprint. „Alles läuft nach Plan und die Woche ist durchgetaktet“, sagt sie und fügt an: „Langeweile habe ich nicht und meine Schulnoten haben sich verbessert.“
Für Leja Schellschmidt steht im kommenden Jahr das Abitur an. Deshalb ist ihre Teilnahme an der DM noch ungewiss. Bolten und Schellschmidt haben früh mit dem Turnen beim MTV angefangen. Größere Verletzungen blieben bisher aus. Bänderdehnungen, Zerrungen und kleine Blessuren gehören dazu, sagen beide übereinstimmend. Sie turnen auch zusammen in der Mannschaft für den MTV in der Bezirksliga. Nach dem Abstieg in der Vorsaison steht nun der Wiederaufstieg in die Landesliga wieder auf dem Wunschzettel. Im November findet der entscheidende Kampf in Hage statt.
„Hopp oder topp, heißt es dann. Es wird sehr spannend werden“, blickt Trainer Gleich voraus. Er hofft, dass dann Stürze und ungerechte Wertungen ausbleiben. Dinge, die aber beim Turnen nicht planbar sind. „Rückschläge wie Fehlurteile, Stürze oder Verletzungen gehören einfach dazu“, meint Reinhard und glaubt: „Daran wächst man.“