Energiewende in Ostfriesland  Warum sich die Wasserstoff-Busse im Kreis Aurich verzögern

| | 14.10.2024 18:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wasserstoffbusse wie dieser sollen bald auch im Landkreis Aurich fahren.Foto: DPA
Wasserstoffbusse wie dieser sollen bald auch im Landkreis Aurich fahren.Foto: DPA
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Eigentlich sollten die Gefährte mit dem neuartigen Antrieb bereits unterwegs sein. Doch es gibt mehrere unterschiedliche Probleme.

Aurich - Eigentlich sollten sie bereits ab Sommer dieses Jahres im Landkreis Aurich unterwegs sein. Doch der Einsatz der angekündigten Wasserstoff-Busse verzögert sich. Im April 2023, also vor rund eineinhalb Jahren, hatte der Landkreis Aurich mitgeteilt, dass man eine Förderzusage für zwei Wasserstoff-Busse an die Firma Weser-Ems-Bus gegeben habe. Ab Mitte des Jahres 2024 sollten diese im Landkreis unterwegs sein.

Die Weser-Ems-Bus ist eine Tochterfirma der Deutschen Bahn AG, weshalb die Anfrage von der Bahn-Pressestelle in Hamburg beantwortet wurde. Sie ist nur drei Sätze lang: „Leider verzögert sich die Auslieferung der Fahrzeuge seitens des Herstellers. Wir gehen davon aus, dass diese Anfang 2025 geliefert werden.“ Man werde informieren, wenn es soweit sei, so eine Bahn-Sprecherin.

Der Landkreis Aurich, der immerhin die Fördergelder vergeben hatte, äußerte sich inhaltlich auf mehrfache Nachfrage gar nicht – sondern verwies nur auf die Weser-Ems-Bus.

Kreisbahn will mobile Tanklösung umsetzen

Neben dieser Firma will sich auch die Auricher Kreisbahn Wasserstoff-Busse anschaffen, wie Geschäftsführer Jens Buß auf Anfrage bestätigt. Doch es gibt eine Schwierigkeit, die gelegentlich auch als „Henne-Ei-Problem“ beschrieben wird. „Wir haben uns zwei Fahrzeuge reserviert welche kurzfristig abgenommen werden könnten. Einziges Problem ist, dass wir derzeit keine Möglichkeit haben die Fahrzeuge zu betanken“, so Buß.

Man versuche derzeit, mit möglichen Partnern kurzfristig eine mobile Betankungslösung umzusetzen. „Diese würde dann solange betrieben werden bis eine stationäre Tankstelle vorhanden wäre“, so Buß.

Noch viele offene Fragen bei Kreisbahn

Jedoch gebe es bei den mobilen Betankungslösungen viele Herausforderungen, die zu lösen seien. Unter anderem seien bei solchen Übergangslösungen die Kosten relativ hoch, sodass sich eine solche Lösung nur umsetzen lasse, wenn die Tankstelle mit mehreren Fahrzeugen ausgelastet wird.

„Aufgrund dieser und weiterer offener Fragen kann ich derzeit nicht prognostizieren ob wir das Projekt realisieren können“, so der Kreisbahn-Geschäftsführer.

Aber: „Sofern wir zusammen mit unseren Partnern eine Lösung für die genannten Probleme finden, werden wir die Wasserstofffahrzeuge kurzfristig abnehmen und einsetzen. Falls nicht, werden wir warten müssen bis die im Landkreis geplanten stationären Tankstellen fertiggestellt sind.“

Firma Score plant mehrere Tankstellen in Ostfriesland

Die Firma Score aus Emden plant seit längerem den Bau genau solcher Tankstellen: eine im Emder Hafen an der Frisiastraße zwischen VW-Werk und Borkumkai, sie sollte eigentlich noch dieses Jahr in Betrieb gehen. Weitere dieser Tankstellen sind in Georgsheil (Auricher Straße) und Aurich (Leerer Landstraße) geplant.

Zum aktuellen Planungs- und Baustand konnte Score wegen der Urlaubszeit auf Anfrage keine Auskunft geben. Diese soll später aber noch folgen.

Im März 2023 hatte das Leeraner Handelsunternehmen Bünting („Combi“, „Famila“) verkündet, seinen Fuhrpark auf Wasserstoff umstellen zu wollen. Dazu plane es mit Score auch den Bau einer Tankstelle im Gewerbegebiet Nortmoor, hieß es. Auch der Landkreis Leer hatte angekündigt, dass mehrere Weser-Ems-Busse auf Wasserstoff umgestellt werden sollen und ab 2024 im dortigen Kreisgebiet unterwegs sein sollten.

Größere Wasserstoff-Fabriken in Emden geplant

In Emden sind außerdem zwei große Elektrolyse-Anlagen zur Herstellung von Wasserstoff geplant – eine von der EWE im Borssumer Hammrich und eine am Kraftwerk des norwegischen Statkraft-Konzerns.

Seit Jahren sehen Politiker die sogenannte Wasserstoff-Wirtschaft mit einem Kreislauf aus Erzeugung und Verbrauch als eines der Schlüsselthemen der künftigen Energieversorgung an. Es gibt großangelegte Förderprojekte wie „HyStarter“, an dem neben zahlreichen anderen Kommunen und Firmen auch der Landkreis Aurich beteiligt ist. Dazu wurde im vergangenen Jahr sogar schon ein erster „Ergebnisbericht“ vorgelegt. Darin heißt es, dass die ersten Wasserstofftankstellen bis Ende 2026 in Betrieb sein sollen.

Sehr ehrgeizig erscheint das Ziel bei den Bussen: Bis 2030 sollen laut dem Bericht rund 30 Prozent der gesamten Busflotte in der Region Ostfriesland mit Wasserstoff betrieben werden.

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