Wirtschaft und Klimaschutz Wärmenetz im Gewerbegebiet Schirum geplant
Kunststoffrecycler B-Plast 2000 will künftig seine Abwärme auch für die Nachbarn nutzbar machen. Studierende untersuchen nun die Machbarkeit und Betreibermodelle. Es könnte ein großes Projekt werden.
Aurich - Die Kommunale Wärmeplanung in der Stadt Aurich läuft seit Monaten. Klimaschutzmanager Tjarko Tjaden hatte erste Ergebnisse Anfang September vorgestellt.
Ein Projekt nimmt nun Fahrt auf: In Schirum haben sich Unternehmen zum „Gewerbegebiets-Check“ zusammengetan. Dort soll nun ein zukunftsweisendes Wärmenetz entwickelt worden. Basis dafür ist die Abwärme des Kunststoffrecycling-Unternehmens B-Plast 2000. Benachbarte Unternehmen oder sogar größere Teile des Gewerbegebiets könnten die Energie abnehmen. Zur Anfertigung einer Machbarkeitsstudie gibt es nun eine Kooperation zwischen der Gemeinschaft des Gewerbegebiets, dem Institut für projektorientierte Lehre der Hochschule Emden/Leer und dem Klimaschutzmanagement der Stadt. Bis Februar sollen drei Studierende begleitet durch Prof. Dr. Jan Handzlik eruieren, wie eine Abwärmenutzung konkret umgesetzt werden könnte.
Neue Produktionshalle führte zur Idee zum Wärmenetz
Tjaden sieht großes Potenzial für ein Schirumer Nahwärmenetz, das nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Vorteile für die Region bringen soll.
B-Plast 2000 nimmt in Kürze mit der Errichtung der Produktions- und Lagerhalle 12 eine neue Regranulier-Linie mit einer Kapazität von 12.000 Jahrestonnen in Betrieb. Diese Investition in moderne Produktionsanlagen ermöglicht es dem Unternehmen einer Pressemitteilung zufolge, die Abwärme der Produktionsprozesse effizient zu nutzen. Dank fortschrittlicher Kühlsysteme sei sie nun mess- und regelbar, was eine direkte Nutzung für die Beheizung der eigenen Betriebsgebäude ermögliche.
Im vergangenen Jahr wurde zudem ein neues Technik- und Sozialgebäude mit einer Fläche von 1.050 Quadratmetern auf dem Firmengelände errichtet, das sich zu den bestehenden Verwaltungsflächen gesellt. Bisher wurden diese Flächen von
insgesamt 2500 Quadratmetern laut der Pressemitteilung konventionell beheizt, ohne auf regenerative Abwärme zurückzugreifen.
Stufe 2 in der Nachbarschaft soll auch schon zeitnah beginnen
Sobald im nächsten Frühjahr die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie von Studierenden der Hochschule Emden/Leer vorliegen, soll in drei Stufen ein Nahwärmenetz aufgebaut werden. In Phase 1 werde im nächsten Jahr die Grundinfrastruktur des Wärmenetzes geschaffen, um die eigenen Gebäude der B-Plast 2000 zu beheizen. Phase 2 sehe kurze Zeit später die Integration der direkt angrenzenden Betriebe vor, während Phase 3 die Versorgung des gesamten Gewerbegebiets in mehreren Phasen realisieren soll.
In welchem Umfang das durch die Abwärme von B-Plast 2000 möglich ist und wie groß das Interesse der ansässigen Firmen sei, müsse die Studie ergeben, so Tjaden auf Nachfrage. Das Industriegebiet in Schirum sei groß und verschachtelt. Mit dem Krematorium gibt es laut Tjaden ein zweites Unternehmen, wo Abwärme erzeugt werde. Inwieweit diese ebenfalls genutzt werden könne und ob dann für eine Vollversorgung aller Betriebe vielleicht noch Flächen für Erdwärmesonden nötig seien, müsse sich zeigen.
Großes Potenzial bei den Extrudern
„B-Plast 2000 schließt nach jetzigem Stand nicht aus, ein Wärmenetz zu bauen, verspricht es aber auch nicht“, so Tjaden. Und auch die Stadt könne so ein Netz nicht bauen. Nun müsse berechnet werden, ob sich eine solche Investition unternehmerisch lohne. Das Interesse in Schirum an einem solchen Netz sei da.
Laut Tjaden ist das Potenzial der kalten Abwärme aus den Kühlprozessen an den Extrudern von B-Plast 2000 sehr groß. Nach ersten Berechnungen könnten damit – nur zum Vergleich – rund 200 moderne Einfamilienhäuser oder 100 Bestandshäuser versorgt werden.
Die Stadt Aurich investiere nun Zeit für die Projektkoordination sowie Fachexpertise zur Wärmeplanung. „Wir sind Datenlieferant“, so der Klimaschutzmanager. Im Rahmen ihrer Wärmeplanung habe die Stadt Daten über die Verbräuche in allen Gebäuden erhoben und dürfe diese noch für Auswertungen zur Verfügung stellen. Die Studierenden hätten ihre Verschwiegenheit über die Daten schriftlich erklären müssen. Fachlich unterstützt werden sie durch das erfahrene Büro Dr. Born und Dr. Ermel.
Betreibermodelle müssen eruiert werden
Als weitere Aufgabe sollen sie laut Tjaden Betreibermodelle eruieren. Für Wärmenetze gebe es bisher keine Regulierung, die Energielieferanten und -abnehmer vereinbarten die Preise untereinander. Es gebe dabei ganz unterschiedliche Modelle und etliche Fragen zu klären. Wird kilowattstundengenau abgerechnet oder mit Anschlusspauschalen? Wer sorgt für die nötigen Wärmepumpen?
Die Studierenden sollen noch etwas tun: Die Stadt hatte im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung digitale Fragebögen an 600 Unternehmen versandt. Es seien aber nur zehn ausgefüllt zurückgeschickt worden, so Tjaden – unter anderem von B-Plast 2000. Wenn Unternehmen Unterstützung beim Ausfüllen der Bögen wollen, sollen die Studierenden sie beraten.
Lob für Unternehmen, die sich selbst vernetzen und Ideen entwickeln
Tjaden lobte die Unternehmer in Schirum, die sich zusammengeschlossen hätten und über Fragen der Energieeffizienz diskutierten. Mit der Umsetzung
des Wärmenetzprojektes werde nicht nur die eigene Infrastruktur von B-Plast 2000 umweltfreundlicher gestaltet, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen in der Region geleistet. Die Stadt Aurich unterstütze diese Initiative im Rahmen ihrer Klimaschutzstrategie und sehe in der Entwicklung des Wärmenetzes eine Möglichkeit, die lokale Wirtschaft zu stärken und gleichzeitig die umweltpolitischen Ziele der Stadt zu fördern. Das Projekt zeige, wie wichtig es ist, regionale Akteure zusammenzubringen, um gemeinsam innovative und nachhaltige Lösungen für lokale Herausforderungen zu entwickeln, betont Tjaden.
„Wir sind überzeugt, dass dieses Projekt ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Energieversorgung ist“, so Arne Bohlen, Geschäftsführer von B-Plast 2000. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt Aurich und der Hochschule Emden/Leer zeigt, wie innovative Ansätze zur Wärmeversorgung in der Industrie aussehen können.“