Einheitsfeier Nachdenkliches zum Thema Gewissensfreiheit
Zum Tag der Deutschen Einheit wird bundesweit gemeinsam gesungen – auch in Aurich. Das Grundrecht der Gewissensfreiheit war Thema, unter anderem zur Impfpflicht.
Aurich - Es ist so eine Sache mit dem Gewissen. Es kann einem ganz schön zusetzen. Und es kann einen frei machen. Mit dem Grundrecht auf Gewissensfreiheit haben sich am Donnerstagabend rund 180 Menschen singend und hörend auf dem Auricher Marktplatz auseinandergesetzt.
Anlass dafür war der Tag der Deutschen Einheit, der seit einigen Jahren mit der bundesweiten Aktion „Deutschland singt und klingt“ musikalisch gefeiert wird. Nach Veranstalterangaben gibt es inzwischen mehr als 250 Orte, die an der musikalischen Einheitsfeier teilnehmen.
Wie sehr wird am Feiertag die Einheit tatsächlich gefeiert?
In Aurich sind es die Evangelische Allianz, die Omas gegen rechts und der Ostfriesische Chorverband, die die Veranstaltung organisieren. Der Posaunenchor Spetzerfehn sowie der Auricher Kantor Maxim Polijakowski mit seiner Band und der Projektchor von Karin Wessels vom Ostfriesischen Chorverband sorgten für die musikalische „Stütze“, Sängerin Alexandra Kuhlmann zudem für Gänsehaut.
Die Wallster Pastorin Christiane Preising, die zusammen mit Lucas Scheper von der Auricher Baptisten-Gemeinde durch das Programm führte, fragte bei der Begrüßung provokant, dass sicher alle den Feiertag genossen hätten. „Aber haben Sie die Deutsche Einheit heute auch schon gefeiert?“
Landrat: Impfpflicht und Gewissensfreiheit schwer vereinbar
Das wurde dann mit einem bunten Liederstrauß von „An der Nordseeküste“, „We shall overcome“, „Dona nobis“, „Kein schöner Land“ bis zu „An Tagen wie diesen“ und der Nationalhymne erledigt. Während die Nacht sich langsam über den Marktplatz legte, wurden Kerzen angezündet. Laut Preising sollte der Gesang den Abgesängen auf die Demokratie entgegengesetzt werden.
Landrat Olaf Meinen berichtete von seinen Erinnerungen an den Mauerfall, den er in Berlin miterlebte. Gänsehautmomente seien das gewesen. Von Pastor Axel Gärtner wurde er dann nach dem Grundrecht der Gewissensfreiheit und Konflikten mit staatlichem Handeln befragt.
Der Landrat, der für die Umsetzung der Corona-Maßnahmen vor Ort zuständig war, nannte die bundesweite Impfpflicht als Beispiel. In einigen Berufen wurde Menschen die Impfung vorgeschrieben. Das sei mit der zugesicherten Gewissensfreiheit nicht gut zu vereinbaren gewesen. „Das ist schon ein Problem, wenn meine innere Stimme, mein innerer Kompass mir sagt, ich will mich - aus welchen Gründen auch immer - nicht impfen lassen und der Staat zwingt einen dazu. Da gibt es schon Konflikte, gar keine Frage.“
Superintendent: „Totalitäre Herrscher ertragen freie Gewissen nicht“
Auch der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann warb für die engagierte Verteidigung der Gewissenfreiheit.
Superintendent Tido Janssen beschrieb, wie sehr das Gewissen einen in kleinen und großen Fragen piesacken kann. Umgekehrt mache es frei. So wie Luther, der sich weigerte, seinen Überzeugungen abzuschwören – auch wenn dies Gefahr für sein Leben bedeutete. „Totalitäre Herrscher ertragen freie Gewissen nicht, nicht gut“, so Janssen. Gewissenlosigkeit habe schreckliche Folgen. Das werde an vielen Stellen deutlich.