Einheitspreis für Nahverkehr Auricher VEJ-Vertreter begrüßt Einigung bei D-Ticket
Jan Enzensberger von Weser-Ems-Bus in Aurich hält die Preiserhöhung beim Deutschlandticket auf 58 Euro für vertretbar. Dafür gebe es nun Verlässlichkeit. Es gibt aber auch Kritik an der Erhöhung.
Aurich - Als guten Kompromiss hat der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung des Verkehrsverbundes Ems-Jade (VEJ), Jan Enzensberger, die Einigung auf eine Fortsetzung des Deutschlandtickets bezeichnet. Die Verkehrsminister der Bundesländer hatten sich am Montag darauf verständigt, dass der Preis für das in allen Nahverkehrsmitteln gültige Ticket ab 1. Januar 2025 um neun Euro auf 58 Euro statt wie bisher 49 Euro steigt. „Es bleibt ein attraktives Angebot“, betonte Enzensberger, der zugleich die Niederlassung Aurich der Weser-Ems-Bus leitet.
Die Busunternehmen haben laut Enzensberger hohe Kosten, etwa durch die Ausbildung von Busfahrern zu tragen. Aber: „Wenn man die Verkehrswende will, dann ist die Ergänzung mit solch einem Ticket super. Das passt genau in unseren Weg. Das ist ein fairer Deal“, so Enzensberger. Man habe zuletzt viel Energie in die Verbesserung des Busangebots gesteckt, etwa mit dem „Plusbus“ von Aurich nach Ihlow und Emden. „Da brauchen wir auch ein gutes Ticketangebot“, so Enzensberger. Ebenso wie das Jugendticket sei das D-Ticket im VEJ-Gebiet in Ostfriesland gut angekommen. Anfang August hatte der VEJ von deutlichen Fahrgastzahlensteigerungen berichtet. Das bestätigte der Auricher VEJ-Geschäftsstellenleiter Gregor Reger im Gespräch.
Kritik von Umwelt- und Sozialverbänden
Bei Umwelt- und Sozialverbänden in Niedersachsen stößt die angekündigte Preiserhöhung dagegen auf scharfe Kritik. Die Landesverbände von BUND und Paritätischem Wohlfahrtsverband erklärten am Montag in Hannover, sie sähen in der Erhöhung „ein falsches Signal zur falschen Zeit“.
„Die Erhöhung auf 58 Euro wird viele Menschen ausschließen, die das Deutschlandticket dringend brauchen“, sagte die Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen, Kerstin Tack. Vor allem Familien, junge Menschen und Menschen mit geringem Einkommen könnten sich diese Preiserhöhung nicht leisten. Zudem müsse es für Transferleistungsempfänger ein bezahlbares Ticket geben: „Wir fordern deshalb ein bundesweites Sozialticket für maximal 29 Euro.“
Susanne Gerstner, Vorsitzende des BUND Niedersachsen betonte, das Deutschlandticket sei ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltige Mobilität. Ohne Preisstabilität und begleitende Maßnahmen wie ein Sozialticket und den Ausbau des Angebots bleibe sein Potenzial jedoch begrenzt. Studien zeigten, dass bis zu 2,9 Millionen Abonnenten ihr Ticket aufgrund der Preiserhöhung kündigen könnten: „Das wäre ein herber Rückschritt für den Klimaschutz“, sagte Gerstner.
Landes-Verkehrsminister war für schrittweise Erhöhung
Der niedersächsische Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) begrüßte dagegen die Einigung. „Die heutige Entscheidung bedeutet die langfristige Sicherung des Tickets. Die Finanzierung ist damit für das Jahr 2025 und bis weit hinein in das Jahr 2026 gesichert. Es war trotz unterschiedlicher Vorstellungen wichtig, dass wir eine Einigung gefunden haben. Wir hätten uns als Land Niedersachsen zwar ein Stufenmodell vorstellen können: mit einem Schritt für 2025 auf 54 Euro und einem für 2026 auf 58 Euro. Das wäre aus unserer Sicht eine bessere Lösung. Wir wollten am Ende aber einer Einigung nicht im Wege stehen. Denn auch die Länder, die sich einen weit größeren Sprung gewünscht hätten, haben hier am Ende die Entscheidung als Kompromiss getragen. Es ging heute um nicht weniger als um die Frage, ob wir das Ticket insgesamt sichern können.“
Das D-Ticket bleibe „eines der größten verkehrspolitischen Erfolgsprojekte der letzten Jahrzehnte“, so Lies. „Wir müssen nun weiter an der Akzeptanz arbeiten. Der Preis stellt für viele Kundinnen und Kunden eine Herausforderung dar. Wir wollen aber weiter den Menschen diesen Mobilitätszugang ermöglichen. Dazu gehört in Zukunft neben dem Ticketpreis auch die Verbesserung der Angebote des ÖPNV, gerade in den ländlicheren Regionen.“