Habeck kommt nach Aurich Enercon-Besuch dürfte für Vizekanzler „Heimspiel“ sein
Der Auricher Windkraftanlagenhersteller profitierte in der Vergangenheit durchaus von der Politik der Grünen. Auch in Robert Habeck setzt man einige Hoffnungen.
Aurich - Nach den Besuchen bei den krisengeschüttelten Großunternehmen Meyer-Werft in Papenburg am Donnerstag und dem Emder VW-Werk am Freitagmorgen dürfte der Termin am Freitagvormittag für Vizekanzler Robert Habeck eher ein „Heimspiel“ werden. Dann besucht der Bundeswirtschaftsminister nämlich den Auricher Windkraftanlagenhersteller Enercon in Sandhorst, der gerade sein 40-jähriges Bestehen gefeiert hat. Laut Mitteilung des Ministeriums trifft Habeck dort Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum „Pausendialog“.
Enercon setzt große Hoffnungen in Habeck, der als Grünen-Politiker den Ausbau der Windenergie forcieren will. Das Ministerium von Habeck hatte den Auricher Konzern im Juli 2022 mit einem 500-Millionen-Euro-Kredit aus dem sogenannten Wirtschaftsstabilisierungsfonds gestützt. Geld, das das Unternehmen zurückzahlen muss. Klar wurde jedenfalls: Das Bundesministerium misst der wirtschaftlichen Gesundung von Enercon nach der Krise ab 2018/19 ganz offensichtlich sehr große Bedeutung zu.
Grünen-Politiker haben es zumindest in der Vergangenheit etwas leichter gehabt als etwa Kollegen von der SPD, die immer mal wieder auf die stärkere Einbindung von Gewerkschaften wie der IG Metall drängten. Grünen-Umweltminister Jürgen Trittin hatte Anfang der 2000er-Jahre mit für einen Boom der Windenergie-Branche gesorgt – und damit für das stürmische Wachstums Enercons.
Vizekanzler tourt durch Ostfriesland
Die Stippvisite ist Teil einer „Nordwest Tour“ des Bundesministers. Dabei besucht der Minister unter anderem die Neue Osnabrücker Zeitung, die Stahlproduktion in Georgsmarienhütte und Wirtschaftsvertreter in Rheine.
Am Donnerstag besucht Habeck die Meyer Werft in Papenburg, deren Lage durch den Einstieg von Bund und Land stabilisiert wurde – und spricht dort mit Belegschaft und Betriebsrat.
Am Donnerstagnachmittag informiert er sich im Borssumer Hammrich über den Bau einer Wasserstofferzeugungsanlage der EWE. Dort gibt es Gegenwind von der Umweltorganisation Greenpeace, die zum Protest gegen Gasbohrungen vor Borkum aufgerufen hat.
Am Abend tauscht er sich mit Mitgliedern der Energiewende-Allianz Powerhouse Nord sowie der IHK für Ostfriesland und Papenburg im Rahmen eines „Energiewende-Dialogs“ im Fährhaus in Emden aus.
Im Emder VW-Werk will sich Habeck über die Elektroauto-Produktion informieren. Im Dezember 2023 hatte der Wirtschaftsminister die Kaufprämie für eben jene Autos abrupt gestrichen – was auf heftige Kritik und einen Einbruch der Verkaufszahlen gesorgt hatte. Nach den Besuchen bei VW in Emden und Enercon in Aurich endet die Nordwest-Tour am Freitag mit einer Visite bei der Holzofenbäckerei Ripken in Apen.
Es geht um Digitalisierung und Dekarbonisierung
Im Zentrum der Reise stehe die Frage, wie sich die Unternehmen der Region für die Zukunft aufstellen, welche Innovationen vorangetrieben werden und welche Herausforderungen sie bei der Transformation sehen.
Bundesminister Habeck wird dazu mit folgenden Worten zitiert: „Unsere Unternehmen stellen sich mit Mut, Innovationskraft und viel Energie den Herausforderungen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Digitalisierung und Dekarbonisierung verlangen den Unternehmen viel ab, sind aber auch eine Chance und vor allem ein entscheidender Gamechanger für den Wirtschaftsstandort von morgen. Genau darüber möchte ich auf der Nordwest Tour ins Gespräch kommen, zuhören, wie die Unternehmen die Herausforderungen annehmen und mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert sind, vom kleinen Unternehmen über den Mittelständler bis zum Weltkonzern.“