Kriminalität in Ostfriesland Auricher Polizeichef setzt auf frühes Durchgreifen
In der Innenstadt gab es 2023 eine massive Ballung von schweren Straftaten. Eine besondere Ermittlungsgruppe bekam das Problem in den Griff, berichtete Polizeichef Stephan Zwerg jetzt SPD-Politikern.
Aurich - Auf frühes, konsequentes Durchgreifen und das Aufzeigen von Grenzen setzt der Auricher Polizeichef in der Bekämpfung von Jugend- und Clankriminalität. Das betonte Stephan Zwerg jetzt bei einem Besuch des Staatssekretärs im Landes-Innenministerium, Stephan Manke (SPD, Goslar), in der Polizeiinspektion in Aurich. Manke war mit dem Arbeitskreis Innenpolitik der SPD-Landtagsfraktion im Zuge einer „Blaulicht-Woche“ in ganz Niedersachsen unterwegs.
Sehr erfolgreich sei etwa das „ganzheitliche“ Vorgehen gegen einen Brennpunkt von Jugendkriminalität in der Auricher Innenstadt im Jahr 2023 gewesen. „Sofort Attacke, ran an die Täter“, sei ein Motto der eigens eingerichteten Ermittlungsgruppe (EG) gewesen, berichtete Zwerg.
Es hatte sich eine „Gewaltspirale“ entwickelt, die sich immer weiter verschärfte, berichtete Matthis Rost, Mitglied der EG. Allein mehr als 15 schwere Raubtaten waren verübt worden, darunter Überfälle auf Bordelle und Tankstellen, aber auch im öffentlichen Raum, etwa am helllichten Tag auf dem Weihnachtsmarkt 2022. Insgesamt konnten einer Gruppe mehr als 170 Straftaten zugeordnet werden, hatte Zwerg im vergangenen Jahr berichtet.
Ermittler waren rund um die Uhr im Einsatz
Die Gruppe habe aus zahlreichen wechselnden Beteiligten bestanden, vorwiegend Jugendliche und Heranwachsende zwischen 14 und 21 Jahren mit Migrationshintergrund. Fünf Haupttäter konnten als Drahtzieher identifiziert werden, so Rost.
Das Besondere an der Auricher Ermittlungsgruppe: Sie bestand sowohl aus erfahrenen Ermittlern als auch oft jüngeren „Operativkräften“, die rund um die Uhr direkt zu Tatorten ausrückten. „Die Täter haben nicht viel telefoniert, wir mussten selber auf die Straße“, so Polizeichef Zwerg. Bei den Kontrollen wurden dann weitere Straftaten festgestellt, etwa im Drogen- und Waffenbereich.
Einige der Taten hätten die jungen Leute auch gefilmt und ins Internet gestellt, einer habe sich gar als „König von Aurich“ bezeichnet. Diese jungen Männer früh in Untersuchungshaft zu setzen sei sehr wichtig gewesen, betonte Zwerg.
Nach gut vier Monaten konnte die Ermittlungsgruppe, die aus einem Kern von sieben Mitgliedern bestand, wieder aufgelöst werden, nachdem man die Tätergruppe zerschlagen habe. Ende 2023 gab es die ersten Verurteilungen zu mehrjährigen Haftstrafen. Nun sei seit Monaten Ruhe eingekehrt in der Auricher Innenstadt. „Wir bekommen viel Resonanz“, so Polizeichef Zwerg.
Polizeichef: Kriminelle Clans in immer mehr Bereichen tätig
Ebenfalls stark beschäftigt wird die Polizei laut Stephan Zwerg durch Clan-Kriminalität. Diese breite sich wie ein Geschwür in immer mehr Bereiche aus, auch im ländlichen Raum in Ostfriesland. Neben klassischen Bereichen wie Drogenhandel und Glücksspiel-Automaten seien einige Clans mittlerweile auch in Baugewerbe, Gastronomie, Vermittlung von Pflegekräften oder der Vermietung von Wohnungen, etwa an Flüchtlinge, tätig. Das sei aber nicht nur ein polizeiliches Problem, sondern auch der Kommunalverwaltungen und der gesamten Gesellschaft, die die Augen offen halte müsse, betonte Stephan Zwerg.
Der Auricher Landtagsabgeordnete Wiard Siebels (SPD) versprach, dass die Berichte der Polizei trotz aller politischen und finanziellen Zwänge Eingang in die politische Arbeit in Hannover finden sollen.