Wassersport  Mit einem Lächeln über Ostfrieslands Kanäle

| | 03.08.2024 09:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Dre-Deep-Vorsitzender André Grünebast verbringt fast jedes Wochenende auf seinem Boot. Foto: Karin Böhmer
Dre-Deep-Vorsitzender André Grünebast verbringt fast jedes Wochenende auf seinem Boot. Foto: Karin Böhmer
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Der Verein Dre Deep Loppersum will das Hobby für „den kleinen Mann“ erschwinglich halten. Seit 50 Jahren ist sein Hafen in Abelitz – das wird an diesem Wochenende mit befreundeten Vereinen gefeiert.

Abelitz - Urlaub ab Minute eins: Während andere sich mit Wohnwagen, im Zug oder im Flieger zum Ziel quälen, fährt André Grünebast längst mit einem entspannten Lächeln auf den Lippen durch Natur und Abgeschiedenheit. Er ist dann allerdings auch nur mit fünf bis maximal zwölf Stundenkilometern unterwegs – je nach den Temporegeln auf der jeweiligen Wasserstraße. Der Vorsitzende des Wassersportvereins „Dre Deep“ Loppersum, der seinen Sitz nun seit 50 Jahren in Abelitz hat, verbringt eigentlich alle Wochenenden auf dem Wasser. Und den Urlaub sowieso.

André Grünebast (links) und Matthias Röpkes bei einer kurzen Ausfahrt zum Großen Meer. Foto: Karin Böhmer
André Grünebast (links) und Matthias Röpkes bei einer kurzen Ausfahrt zum Großen Meer. Foto: Karin Böhmer

Diese Leidenschaft teilt er mit Dre-Deep-Hafenmeister Uwe Christians, Schriftführer Matthias Röpkes und 100 weiteren Vereinsmitgliedern. An diesem Wochenende wollen sie zusammen mit Gästen aus befreundeten Wassersportvereinen den 50. „Abelitz-Geburtstag“ feiern.

Die Hafenausfahrt auf das Marscher Tief. Foto: Karin Böhmer
Die Hafenausfahrt auf das Marscher Tief. Foto: Karin Böhmer

Der Verein Dre Deep Loppersum ist schon ein paar Jahre älter. Das 50-jährige Vereinsjubiläum fiel im September 2021 aber mitten in die Coronazeit, weshalb die Mitglieder – mit Impfnachweis – nur intern feiern konnten.

@ostfriesischenachrichten Der Wassersportverein Dre Deep Loppersum hat gut 100 Mitglieder, die ihre freie Zeit überwiegend auf dem Wasser verbringen. Der Vereinshafen befindet sich seit nun 50 Jahren in Abelitz in Südbrookmerland. Redakteurin Karin Böhmer berichtet. #Wassersport #Yachtclub #Urlaubsgefühle ♬ Originalton - ONsnacks

Seit 1979 alleiniger Pächter und seit 1990 Eigentümer des Hafens

Stattdessen wird nun die Ankunft im eigenen Bootshafen gefeiert. 1974 bekam Dre Deep das Angebot, das Areal am Marscher Tief zusammen mit dem Auricher Yachtclub zu nutzen. 1979 wurden die Loppersumer alleinige Pächter der Anlagen und begannen zu investieren und zu sanieren. 1990 erfolgte dann der Kauf des Boothafens vom Landessportbund.

Blick auf den Kran, den Hafen und das Vereinshaus von Dre Deep Loppersum in Abelitz. Foto: Karin Böhmer
Blick auf den Kran, den Hafen und das Vereinshaus von Dre Deep Loppersum in Abelitz. Foto: Karin Böhmer

24 Boote liegen fest im Hafen – damit ist der Platz im Wesentlichen belegt, wie Grünebast sagt. Der Verein ist seinen Loppersumer Wurzeln weiter verbunden. Inzwischen sind aber etwa drei Viertel der Mitglieder aus Südbrookmerland. Und in der Gemeinde fühle der Verein sich sehr wohl.

Jugend strebt teils eher nach dem Boots- als nach dem Autoführerschein

Grünebast, Christians und Röpkes freuen sich besonders über den hohen Kinder- und Jugendanteil im Verein. „Wir tun viel für die Jugendarbeit“, sagt Grünebast. Dazu zählen Ausflüge ebenso wie ein eigener Bereich mit Fußballplatz auf dem Vereinsgelände. Mit Schlauchbooten und Stand-up-Paddling-Boards sind die Jüngsten auch schon selbst auf dem Wasser mobil.

Regelmäßig erneuert der Verein Teile der Anlage - überwiegend in Eigenleistung. Der Sitzplatz ist vergangenes Jahr erneuert worden. Als nächstes sind die sanitären Anlagen dran. Foto: Karin Böhmer
Regelmäßig erneuert der Verein Teile der Anlage - überwiegend in Eigenleistung. Der Sitzplatz ist vergangenes Jahr erneuert worden. Als nächstes sind die sanitären Anlagen dran. Foto: Karin Böhmer

Dass eine 18-Jährige im Verein nun ihr erstes Boot gekauft hat und viel dringender den Boots- als den Autoführerschein machen wollte, sehen Grünebast und seine Vorstandskollegen als große Bestätigung an. Sowohl der Vorsitzende als auch Röpkes erzählen von ihren Kindern, die quasi auf dem Wasser großgeworden sind und nun eigene Boote anschaffen.

Eigenleistung macht den Sport erschwinglich

Ebenso wie in die Zukunft schaut der Dre-Deep-Vorstand in die Vergangenheit. Der Verein sei immer ein Zusammenschluss von Menschen gewesen, für die ihr Boot sowohl Leidenschaft als auch Luxus ist. „Wir machen Wassersport für den kleinen Mann möglich“, sagt Grünebast. Entsprechend zähle Eigenleistung bei der Erhaltung des Vereinslokals, der zwei Boothäuser, der Stege und der ganzen Hafenanlage viel, sagt Grünebast.

Zwei Bootshallen hat der Verein. Hier können Mitglieder ein Winterlager für ihre Schätze finden. Foto: Karin Böhmer
Zwei Bootshallen hat der Verein. Hier können Mitglieder ein Winterlager für ihre Schätze finden. Foto: Karin Böhmer

Die Liste der Arbeiten in Eigenleistung füllt in der Chronik zum 25. Vereinsbestehen mehrere Seiten. In den 1980er-Jahren wurde das Hafenareal abgesperrt, entschlickt und die neuen verzinkten Steganlagen wurden errichtet. Der Anpacker-Geist der ersten Generation im Verein sei immer noch da. „Wenn man das meiste selber macht, bleibt das Hobby erschwinglich“, sagt Christians.

Bei einer kleinen Tour kommt André Grünebast in wenigen Minuten bis zum Großen Meer. Hier die - meist besetzten oder reservierten - wenigen Anlegeplätze auf Höhe der Ferienhaussiedlung. Foto: Karin Böhmer
Bei einer kleinen Tour kommt André Grünebast in wenigen Minuten bis zum Großen Meer. Hier die - meist besetzten oder reservierten - wenigen Anlegeplätze auf Höhe der Ferienhaussiedlung. Foto: Karin Böhmer
Leider sei von den Gründungsmitgliedern und der späteren Rentnergang niemand mehr am Leben. Der Verein sei aber immer noch eine große Familie. Stehe Arbeit an, könne man sich auf den Zusammenhalt verlassen, lobt Grünebast.

Verlandung im Bereich der Hieve macht dem Verein große Sorgen

Neben der Arbeit spielt laut den drei Bootjefahrern auch die Geselligkeit bei Dre Deep eine große Rolle. Alljährlich gibt es das An- und Absegeln, das An- und Abangeln, das Vereinsboßeln, die Dre-Deep-Radtour am Karfreitag, das Osterfrühstück, die Ferienpass-Aktion, das Kinderfest und die Dreitagesausfahrt in einen Hafen in der Umgebung. Zuletzt war der Verein dabei im Auricher Hafen.

Ein Teil des Hafens von Dre Deep mit dem Vereinshaus. Foto: Karin Böhmer
Ein Teil des Hafens von Dre Deep mit dem Vereinshaus. Foto: Karin Böhmer

Christians und Grünebast waren als Kinder schon Dre-Deeper. Damals seien die Boote viel kleiner gewesen. Oft hätten die Eltern einfach am Kanal festgemacht, die halbe Familie habe im Zelt geschlafen, der Rest auf dem Boot, erzählen sie. Inzwischen sind die Boote so groß, dass ein Urlaub auf dem Wasser keine Entbehrungen mehr bedeutet.

Mitglieder von Dre Deep fahren bei bestem Wetter in den Hafen ein. Foto: Karin Böhmer
Mitglieder von Dre Deep fahren bei bestem Wetter in den Hafen ein. Foto: Karin Böhmer

Dafür gibt es einige Hindernisse. In Richtung Greetsiel sind die Brücken über dem Abelitz-Moordorf-Kanal und dem Alten Greetsieler Sieltief für die meisten Boote viel zu niedrig. In Richtung Emden – und alle Wege führen für die Dre-Deeper dorthin – hat sich ein kleiner Bereich der Hieve zum Abenteuer entwickelt. „Das sind nur 200 Meter, zehn Meter breit, aber wer sich da nicht auskennt, sitzt fest“, so Grünebast.

Alle Wege für die Abelitzer führen über Emden

Wo immer sie können, setzen er und seine Kollegen aus den Wassersportvereinen im Umkreis sich für eine Vertiefung ein. Denn die Untiefen haben Dre Deep bereits Mitglieder gekostet, deren Boote nun in Emden oder Oldersum liegen. Dass mehrere Familien mitsamt ihren Kindern nicht mehr zum Verein gehören, sei extrem bitter, so der Vereinsvorsitzende.

André Grünebast (links) und Matthias Röpkes vor den Stegen im Boothafen von Dre Deep. Fotos: Karin Böhmer
André Grünebast (links) und Matthias Röpkes vor den Stegen im Boothafen von Dre Deep. Fotos: Karin Böhmer

Die übliche Tour führt die Bootjefahrer aus Abelitz erstmal über das Marscher Tief und das Kurze Tief in Richtung Emden zur Kesselschleuse. Dort öffnet sich die Welt: nach links in den Ems-Jade-Kanal, geradeaus zum Fehntjer Tief oder rechtsum in Richtung Emder Hafen und Nesserlander Schleuse. Grünebast, Christians und Röpkes schwärmen besonders von den niederländischen Gewässern, wo der Bootsverkehr oft bevorrechtigt sei.

Gern auf dem Ems-Jade-Kanal unterwegs

Doch auch auf dem Ems-Jade-Kanal lasse sich gut fahren, so Grünebast. Allerdings sind dort sechs Schleusen und 26 bewegliche Brücken zu nehmen. Keine Strecke für Raserei, denn neben der Höchstgeschwindigkeit von acht Stundenkilometern sind Wartezeiten einzuplanen. Wie lange fährt man also? „Wenn man’s genießen will, drei Tage“, sagt Grünebast. Denn die Einkehr bei befreundeten Vereinen gehöre ja auch dazu.

Unter der Bundesstraße 210, direkt beim Hafen, muss André Grünebast den Kopf einziehen. Foto: Karin Böhmer
Unter der Bundesstraße 210, direkt beim Hafen, muss André Grünebast den Kopf einziehen. Foto: Karin Böhmer

Generell sei Bootfahren etwas Gemütliches. Aber die drei Freunde können auch anders. Bei einer Bootsüberführung aus Berlin legten sie 650 Kilometer an sechs Tagen zurück. Das war aber kein Genuss, sondern Pflichtprogramm. Und schon gar nicht Urlaub ab der ersten Minute.

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