Wassersport Mit einem Lächeln über Ostfrieslands Kanäle
Der Verein Dre Deep Loppersum will das Hobby für „den kleinen Mann“ erschwinglich halten. Seit 50 Jahren ist sein Hafen in Abelitz – das wird an diesem Wochenende mit befreundeten Vereinen gefeiert.
Abelitz - Urlaub ab Minute eins: Während andere sich mit Wohnwagen, im Zug oder im Flieger zum Ziel quälen, fährt André Grünebast längst mit einem entspannten Lächeln auf den Lippen durch Natur und Abgeschiedenheit. Er ist dann allerdings auch nur mit fünf bis maximal zwölf Stundenkilometern unterwegs – je nach den Temporegeln auf der jeweiligen Wasserstraße. Der Vorsitzende des Wassersportvereins „Dre Deep“ Loppersum, der seinen Sitz nun seit 50 Jahren in Abelitz hat, verbringt eigentlich alle Wochenenden auf dem Wasser. Und den Urlaub sowieso.
Diese Leidenschaft teilt er mit Dre-Deep-Hafenmeister Uwe Christians, Schriftführer Matthias Röpkes und 100 weiteren Vereinsmitgliedern. An diesem Wochenende wollen sie zusammen mit Gästen aus befreundeten Wassersportvereinen den 50. „Abelitz-Geburtstag“ feiern.
Der Verein Dre Deep Loppersum ist schon ein paar Jahre älter. Das 50-jährige Vereinsjubiläum fiel im September 2021 aber mitten in die Coronazeit, weshalb die Mitglieder – mit Impfnachweis – nur intern feiern konnten.
@ostfriesischenachrichten Der Wassersportverein Dre Deep Loppersum hat gut 100 Mitglieder, die ihre freie Zeit überwiegend auf dem Wasser verbringen. Der Vereinshafen befindet sich seit nun 50 Jahren in Abelitz in Südbrookmerland. Redakteurin Karin Böhmer berichtet. #Wassersport #Yachtclub #Urlaubsgefühle ♬ Originalton - ONsnacks
Seit 1979 alleiniger Pächter und seit 1990 Eigentümer des Hafens
Stattdessen wird nun die Ankunft im eigenen Bootshafen gefeiert. 1974 bekam Dre Deep das Angebot, das Areal am Marscher Tief zusammen mit dem Auricher Yachtclub zu nutzen. 1979 wurden die Loppersumer alleinige Pächter der Anlagen und begannen zu investieren und zu sanieren. 1990 erfolgte dann der Kauf des Boothafens vom Landessportbund.
24 Boote liegen fest im Hafen – damit ist der Platz im Wesentlichen belegt, wie Grünebast sagt. Der Verein ist seinen Loppersumer Wurzeln weiter verbunden. Inzwischen sind aber etwa drei Viertel der Mitglieder aus Südbrookmerland. Und in der Gemeinde fühle der Verein sich sehr wohl.
Jugend strebt teils eher nach dem Boots- als nach dem Autoführerschein
Grünebast, Christians und Röpkes freuen sich besonders über den hohen Kinder- und Jugendanteil im Verein. „Wir tun viel für die Jugendarbeit“, sagt Grünebast. Dazu zählen Ausflüge ebenso wie ein eigener Bereich mit Fußballplatz auf dem Vereinsgelände. Mit Schlauchbooten und Stand-up-Paddling-Boards sind die Jüngsten auch schon selbst auf dem Wasser mobil.
Dass eine 18-Jährige im Verein nun ihr erstes Boot gekauft hat und viel dringender den Boots- als den Autoführerschein machen wollte, sehen Grünebast und seine Vorstandskollegen als große Bestätigung an. Sowohl der Vorsitzende als auch Röpkes erzählen von ihren Kindern, die quasi auf dem Wasser großgeworden sind und nun eigene Boote anschaffen.
Eigenleistung macht den Sport erschwinglich
Ebenso wie in die Zukunft schaut der Dre-Deep-Vorstand in die Vergangenheit. Der Verein sei immer ein Zusammenschluss von Menschen gewesen, für die ihr Boot sowohl Leidenschaft als auch Luxus ist. „Wir machen Wassersport für den kleinen Mann möglich“, sagt Grünebast. Entsprechend zähle Eigenleistung bei der Erhaltung des Vereinslokals, der zwei Boothäuser, der Stege und der ganzen Hafenanlage viel, sagt Grünebast.
Die Liste der Arbeiten in Eigenleistung füllt in der Chronik zum 25. Vereinsbestehen mehrere Seiten. In den 1980er-Jahren wurde das Hafenareal abgesperrt, entschlickt und die neuen verzinkten Steganlagen wurden errichtet. Der Anpacker-Geist der ersten Generation im Verein sei immer noch da. „Wenn man das meiste selber macht, bleibt das Hobby erschwinglich“, sagt Christians.
Verlandung im Bereich der Hieve macht dem Verein große Sorgen
Neben der Arbeit spielt laut den drei Bootjefahrern auch die Geselligkeit bei Dre Deep eine große Rolle. Alljährlich gibt es das An- und Absegeln, das An- und Abangeln, das Vereinsboßeln, die Dre-Deep-Radtour am Karfreitag, das Osterfrühstück, die Ferienpass-Aktion, das Kinderfest und die Dreitagesausfahrt in einen Hafen in der Umgebung. Zuletzt war der Verein dabei im Auricher Hafen.
Christians und Grünebast waren als Kinder schon Dre-Deeper. Damals seien die Boote viel kleiner gewesen. Oft hätten die Eltern einfach am Kanal festgemacht, die halbe Familie habe im Zelt geschlafen, der Rest auf dem Boot, erzählen sie. Inzwischen sind die Boote so groß, dass ein Urlaub auf dem Wasser keine Entbehrungen mehr bedeutet.
Dafür gibt es einige Hindernisse. In Richtung Greetsiel sind die Brücken über dem Abelitz-Moordorf-Kanal und dem Alten Greetsieler Sieltief für die meisten Boote viel zu niedrig. In Richtung Emden – und alle Wege führen für die Dre-Deeper dorthin – hat sich ein kleiner Bereich der Hieve zum Abenteuer entwickelt. „Das sind nur 200 Meter, zehn Meter breit, aber wer sich da nicht auskennt, sitzt fest“, so Grünebast.
Alle Wege für die Abelitzer führen über Emden
Wo immer sie können, setzen er und seine Kollegen aus den Wassersportvereinen im Umkreis sich für eine Vertiefung ein. Denn die Untiefen haben Dre Deep bereits Mitglieder gekostet, deren Boote nun in Emden oder Oldersum liegen. Dass mehrere Familien mitsamt ihren Kindern nicht mehr zum Verein gehören, sei extrem bitter, so der Vereinsvorsitzende.
Die übliche Tour führt die Bootjefahrer aus Abelitz erstmal über das Marscher Tief und das Kurze Tief in Richtung Emden zur Kesselschleuse. Dort öffnet sich die Welt: nach links in den Ems-Jade-Kanal, geradeaus zum Fehntjer Tief oder rechtsum in Richtung Emder Hafen und Nesserlander Schleuse. Grünebast, Christians und Röpkes schwärmen besonders von den niederländischen Gewässern, wo der Bootsverkehr oft bevorrechtigt sei.
Gern auf dem Ems-Jade-Kanal unterwegs
Doch auch auf dem Ems-Jade-Kanal lasse sich gut fahren, so Grünebast. Allerdings sind dort sechs Schleusen und 26 bewegliche Brücken zu nehmen. Keine Strecke für Raserei, denn neben der Höchstgeschwindigkeit von acht Stundenkilometern sind Wartezeiten einzuplanen. Wie lange fährt man also? „Wenn man’s genießen will, drei Tage“, sagt Grünebast. Denn die Einkehr bei befreundeten Vereinen gehöre ja auch dazu.
Generell sei Bootfahren etwas Gemütliches. Aber die drei Freunde können auch anders. Bei einer Bootsüberführung aus Berlin legten sie 650 Kilometer an sechs Tagen zurück. Das war aber kein Genuss, sondern Pflichtprogramm. Und schon gar nicht Urlaub ab der ersten Minute.