Ortsrat Aurich-Kernstadt Neuling direkt zur Ortsbürgermeisterin gewählt
Die 40-jährige Juristin Claudia Stolte (SPD) ist neue Ortsbürgermeisterin der Auricher Kernstadt. Sie konnte sich knapp gegen Richard Rokicki (AWG) durchsetzen. Der hatte engagiert für sich geworben.
Aurich - Es war direkt eine ziemlich turbulente Sitzung, die Claudia Stolte (SPD) am Donnerstagabend, 01 August 2024, im Auricher Ratssaal übernehmen musste. Die 40-Jährige war soeben als Neuling im Ortsrat mit knapper Mehrheit zur neuen Ortsbürgermeisterin der Auricher Kernstadt gewählt worden. Sie ist damit Nachfolgerin von Timo Mehlmann (SPD), der wie berichtet aus beruflichen Gründen politisch kürzertreten will und zuvor von seinem Stellvertreter Rolf Stemmler (CDU) verabschiedet wurde.
Die Juristin, die beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Natur- und Küstenschutz (NLWKN) für Vergaberecht zuständig ist, setzte sich mit fünf zu vier Stimmen gegen Richard Rokicki (AWG) durch. Rokicki war von Gabriele Schapp (CDU) vorgeschlagen worden, Stolte von Marina Strentzsch (Grüne).
Rokicki holte meiste Stimmen bei Kommunalwahl
Rokicki hatte bei der Kommunalwahl 2021 insgesamt 547 Stimmen erhalten, die meisten aller seitdem verbliebenen Ortsratsmitglieder. „Das verstehe ich auch als Auftrag“, sagte der 62-jährige Maurermeister. Der Vater zweier erwachsener Kinder und Großvater zweier Enkelkinder, der sich seit 2011 engagiert, betonte, dass er als einziges Ortsratsmitglied auch im Auricher Stadtrat und mehreren Ausschüssen sitze, darunter der wichtige Verwaltungsausschuss (VA) sitzt. „Ich habe Zugang zu sämtlichen Vorlagen. Der direkte Draht zum Stadtrat und meine Erfahrung können für einen Ortsbürgermeister nur von Vorteil sein.“
Doch am Ende entscheiden in den Gremien die politischen Mehrheiten. Die SPD war mit drei Mitgliedern anwesend, die Grünen mit zweien, CDU, AWG, GFA jeweils mit einem Mitglied. FDP-Ortsrätin Kirsten Idler ist aus dem Gremium ausgeschieden, weil sie umgezogen ist.
Rokicki nicht einverstanden
Rokicki war nicht einverstanden, dass nach Mehlmann erneut ein Neuling das Amt übernimmt. „Irgendwie wird das zur Praxis bei der SPD. Das kann ich nicht nachvollziehen. Dass ich 547 Stimmen bekommen habe, wird überhaupt nicht von den Sozialdemokraten honoriert. Die SPD klebt an den Posten. Nach Bürgerwillen müsste ich Ortsbürgermeister werden. Ich hätte den Job bestimmt besser gemacht und wäre präsenter bei den Bürgern gewesen als Timo Mehlmann“, sagte Rokicki den ON im Nachgang.
Stolte seit 20 Jahren in der SPD
Claudia Stolte, die bei der Kommunalwahl 194 Stimmen geholt hatte, freute sich über ihre Wahl. Die Mutter eines Sohnes ist seit 20 Jahren Mitglied in der SPD. Zuletzt war sie als Protokollantin der SPD-Fraktion im Ortsrat tätig. Daher kenne sie viele Themen bereits. Allgemein nehme das ehrenamtliche Engagement in der Gesellschaft ab. „Umso wichtiger ist es, sich demokratisch zu betätigen“, sagte sie. Die Themen des Ortsrates Kernstadt seien oft für Bürger in allen Auricher Ortsteilen wichtig, vom Kasernengelände bis hin zu Parkgebühren.
Wie turbulent es gerade in diesem Ortsrat immer wieder, erfuhr die 40-Jährige direkt nach Übernahme der Sitzungsleitung. Es folgten intensiv geführte, bisweilen emotionale Debatten über den Auricher Feuerwehrhaus-Neubau und Parkgebühren.