Tourismus-Chefposten neu besetzt Keine Denkverbote für neue Norder Kurdirektorin
Seit zwei Wochen ist Eva Krüger-Linzer im Amt. Erstmal will die gebürtige Thüringerin die Akteure vor Ort kennenlernen – und viel „Wissen aufsaugen“. Ein Großprojekt steht aber schon an.
Norden - Nein, den „einen großen Plan“, das eine große Thema gibt es noch nicht, sagt Eva Krüger-Linzer. Sie wolle in vielen Terminen erst einmal die verschiedenen lokalen und regionalen Akteure im Tourismus treffen, ihnen zuhören und viel „Wissen aufsaugen“, sagte die neue Kurdirektorin von Norden-Norddeich jetzt in ihrem ersten Pressegespräch. Die 48-jährige gebürtige Thüringerin startete Mitte Juli in der prallen Hochsaison in ihren neuen Job. Für sie optimal, berichtete Krüger-Linzer. Sie wolle nicht einen, sondern mehrere Schwerpunkte setzen. So dürfe man sich nicht nur auf die Sommerferien konzentrieren, sondern auch in der Nebensaison etwas bieten. Im Herbst wolle man etwa Krimi- und Gruseltage veranstalten. Und das „Deck“ an der neugestalteten Wasserkante sei ein „Schatz“, den man bespielen müsse.
Sie wolle zugleich das Ohr an den Gästen und Urlaubern haben, aber auch an den Mitarbeitenden und den Einheimischen. „In Beschwerden liegen oft gute Anregungen“, sagt Krüger-Linzer. Auch mit den Vermietern von Ferienwohnungen vor Ort wolle sie sich eng austauschen. Trends wie Gesundheitstourismus oder Urlaub in Deutschland werde sie in den Fokus nehmen.
Erster Stadtrat: „Sind über jeden Anstoß dankbar“
Der Erste Stadtrat und zugleich Interims-Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Norden (WBN), Markus Aukskel, betont: „Es gibt keine Denkverbote. Wir sind über jeden Anstoß dankbar.“ Für rund 50 Mitarbeiter ist die 48-Jährige künftig mitzuständig, rund 20 beim Tourismus-Service und 30 im Schwimmbad „Ocean Wave“. Etwa zwei Millionen Übernachtungen zählt Norden-Norddeich jährlich, rund 40.000 bis 45.000 Menschen bevölkern in der Hochsaison die Stadt – das ist schon eine Hausnummer im Küstentourismus.
Ostfriesland kannte sie bislang zwar nur durch einen Urlaub mit ihrer Tochter auf Spiekeroog. Doch sie schwärmt bereits, wenig überraschend, von der Nordsee. „Hier gibt es schönere Muscheln als an der Ostsee. Und die Natur ist vielfältiger.“
Dabei ist es ist kein einfacher Job, den die gebürtige Thüringerin an der ostfriesischen Küste übernommen hat. Ihr Vorgänger Stefan Krieger war im Sommer 2023 nach nur fünf Monaten im Amt wieder entlassen worden. Der neue WBN-Geschäftsführer Said M.R. Khashey wurde Anfang 2024 nach nur einem Monat gefeuert, wohl wegen eines gefälschten Lebenslaufes.
Die neue Kurdirektorin soll den Tourismus-Service nun wieder in ruhiges Fahrwasser bringen.
Großprojekt Freibad-Neubau wird sie jahrelang begleiten
Ein nicht ganz einfaches Großprojekt wird Krüger-Linzer in den kommenden Jahren auf jeden Fall begleiten: Der Neubau des Freibades in Norddeich. Laut Erstem Stadtrat Aukskel laufen die Planungen, 2025 soll Baubeginn sein, 2028 die Inbetriebnahme. Am Ende rechne man voraussichtlich mit rund zwölf Millionen Euro Baukosten.
Immerhin: Viel Erfahrung auf vielen Stationen bringt die 48-Jährige auf jeden Fall mit. Aufgewachsen ist sie im thüringischen Gera, studierte Tourismuswirtschaft und machte eine Ausbildung in einer Rehaklinik in Bad Elster im Vogtland. Sie war außerdem sieben Jahre als Referentin für Verkehr und Wirtschaft im brandenburgischen Landtag tätig. Dort hatte sie unter anderem mit dem Bau des Großflughafens BER zu tun. „Da habe ich viel Wissen aufgesaugt und auch gelernt, wie Politik funktioniert“, so Krüger-Linzer.
Später war sie Vorstandsassistentin bei der Krankenkasse IKK Classic und dann ab 2011 zweieinhalb Jahre lang Kurdirektorin im thüringischen Bad Salzungen, wo sie nach eigenen Angaben die Therme ins wirtschaftliche Plus geführt hat. Das Norddeicher „Ocean Wave“ sei daher für sie kein Neuland. „So etwas habe ich alles schon gesehen“, so Krüger-Linzer.
Schwierige Zeit in Schleswig-Holstein
Ihre nächste Station war der kommunale Tourismusbetrieb von Kellenhusen an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Das sei eine „schwierige Zeit“ gewesen, sagt Krüger-Linzer im Rückblick. Anschließend machte sie sich in Pirna mit einer Tourismusberatung, in der auch ihr Mann tätig ist, selbstständig. Ende 2022 ging es dann als Kurdirektorin ins Ostseebad Prerow. Dort allerdings hielt es sie auch nur gut eineinhalb Jahre, weil sie dort nach eigenen Angaben keinen geeigneten Wohnraum fand.
Dieses Problem gibt es in Norden offenbar nicht. Übergangsweise wohnt sie derzeit in Hage, doch nächstes Jahr möchte Eva Krüger-Linzer mit ihrem Mann und der kleineren von zwei Töchtern nach Norden ziehen.