Großauftrag für Elektrolyseur vergeben  EWE setzt bei Emder Wasserstoff-Fabrik auf Siemens Energy

| | 25.07.2024 12:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
So soll sie aussehen, die Wasserstoff-Erzeugungsanlage im Borssumer Hammrich bei Emden.Grafik: EWE
So soll sie aussehen, die Wasserstoff-Erzeugungsanlage im Borssumer Hammrich bei Emden.Grafik: EWE
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Nach monatelangem Stillstand kommt nun Schwung in das millionenschwere Großprojekt auf dem Borssumer Hammrich. Jetzt hat die EWE den Auftrag für das Kernstück vergeben.

Emden/Oldenburg/München - Für das Kernstück seiner geplanten großen Wasserstoff-Erzeugungsanlage im Borssumer Hammrich bei Emden hat der Energieversorger EWE jetzt den Technologie-Konzern Siemens Energy beauftragt. Die Münchener sollen ein 280-Megawatt-Elektrolysesystem liefern, teilte die EWE jetzt mit.

Das Projekt, eine der größten Wasserstoff-Erzeugungsanlagen Europas, soll im Jahr 2027 in Betrieb gehen und dann pro Jahr rund 26.000 Tonnen sogenannten grünen Wasserstoff für unterschiedliche Anwendungen bereitstellen. Die produzierte Menge Wasserstoff kann zum Beispiel bei Verwendung in der Stahlindustrie rund 800.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einsparen, heißt es.

EWE und Siemens Energy haben im Zuge der Auftragsvergabe auch einen Servicevertrag über zehn Jahre geschlossen.

Der Elektrolyseur von Siemens beruht den Angaben zufolge auf der sogenannten PEM-Technologie, die dank sehr flexibler Hochlaufzeiten besonders gut für den dynamischen Betrieb mit erneuerbaren Energien geeignet sei, heißt es.

383 Millionen Euro von Bund und Land

Die gesamte Erzeugungsanlage hat über die Lebensdauer eine mittlere Leistungsaufnahme von circa 320 Megawatt. Insgesamt investiert die EWE nach eigenen Angaben gut 600 Millionen Euro in die Anlage in Emden. Baubeginn soll im vierten Quartal dieses Jahres sein, wenn alle Genehmigungen vorliegen. Derzeit fehlen noch Genehmigungen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz so wie wasserrechtliche Genehmigungen, heißt es aus Oldenburg.

Die Anlage in Emden ist Teil des großtechnischen EWE-Wasserstoffprojekts „Clean Hydrogen Coastline“, das aus vier Teilprojekten besteht und zu den so genannten IPCEI-Projekten (Important Project of Common European Interest) gehört, das mit Bundes- und Landesmitteln gefördert wird.

Der Fördermittelbescheid ist Mitte Juli im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz an EWE übergeben worden. Allein für den Elektrolyseur in Emden gaben Bund und Land zusammen 383 Millionen Euro. Mit der Vertragsunterzeichnung haben EWE und Siemens Energy umgehend den Startschuss zur Realisierung gegeben.

„EWE ist mit seinen Wasserstoffprojekten, von der Erzeugung über den Transport und die Speicherung entlang der gesamten Wertschöpfungskette aktiv. Durch unsere Standortwahl im Nordwesten Deutschlands und die Entscheidung für Siemens Energy setzen wir sowohl auf regionale als auch auf nationale Wertschöpfung“, sagt EWE-Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler.

Auswahlverfahren dauerte zwölf Monate

EWE habe sich in einem zwölf Monate dauernden Auswahlverfahren mit weltweit zehn Elektrolyse-Herstellern eingehend auseinandergesetzt. „Ich freue mich, dass wir auch beim Thema Wasserstoff mit Siemens Energy zusammenarbeiten, so ist das Unternehmen für EWE auch bereits ein langjähriger Partner rund um unsere Energieinfrastruktur“, so Dohler.

„Dieses Projekt ist ein wichtiger Baustein für den Hochlauf der grünen Wasserstoffindustrie in Deutschland“, sagt Anne-Laure de Chammard, Mitglied des Vorstands von Siemens Energy. „Mit den lang ersehnten Fördermittelzusagen hat die Bundesregierung das letzte Puzzlestück dafür gesetzt, strategisch wichtige Projekte wie dieses im großen Maßstab zu realisieren. Der umgehende Vertragsschluss mit EWE zeigt, dass die Industrie bereit ist, diese Großprojekte jetzt auch zügig umzusetzen.“

EWE investiert 800 Millionen Euro

Für das Clean Hydrogen Coastline-Projekt plant EWE nach aktuellem Stand mit Investitionen in Höhe von mehr als 800 Millionen Euro. EWE-Chef Stefan Dohler: „Clean Hydrogen Coastline steht exemplarisch für den integrierten Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft im industriellen Maßstab. Dafür benötigen wir, wie andere neue Technologiefelder, neben entsprechender gesetzlicher Rahmung zunächst auch Förderprogramme, welche die erforderliche Skalierung unterstützen.“

Abhängig von noch fehlenden Genehmigungen soll noch in diesem Jahr Baubeginn in Emden sein, so dass in vier Jahren Wasserstoff aus erneuerbaren Energien erzeugt werden kann.

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