Nach Starkregen  Ihlow will 15 Punkte angehen

| | 22.07.2024 12:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Netti-Nagel-Straße in Simonswolde gehörte beim Starkregen am 12. Juli zu den Problempunkten in der Gemeinde. Foto: Romuald Banik
Die Netti-Nagel-Straße in Simonswolde gehörte beim Starkregen am 12. Juli zu den Problempunkten in der Gemeinde. Foto: Romuald Banik
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Nach den Hochwasserproblemen in Simonswolde, Neu-Barstede, Westerende und Ihlowerfehn werden nun Maßnahmen geplant. Künftig soll es im Notfall einen Katastrophenstab auf Gemeindeebene geben.

Ihlow - Nachdem am 12. und 13. Juli der Starkregen auch in Ihlow an mehreren Stellen für Probleme gesorgt hat, soll in der Gemeinde nun in solchen Notfallsituation ein Lagezentrum im Rathaus eingerichtet werden. Dort soll ein Katastrophenstab die Hilfe dann koordinieren.

Laut Bürgermeister Arno Ulrichs haben in der vergangenen Woche mehrere Gespräche im Rathaus stattgefunden, um die Ursachen der Starkregenprobleme zu analysieren, erste Lösungen zu erarbeiten und sich für die Zukunft für solche Herausforderungen zu rüsten. Dabei seien 15 Punkte erarbeitet worden, die zeitnah angegangen werden sollen.

Gespräche mit den Kooperationspartnern angelaufen

Am Starkregenwochenende seien Mitarbeiter des Bauamtes unterwegs gewesen, um sich ein Bild der Lage zu machen, so Ulrichs. Am Dienstag habe es dann ein Gespräch mit dem Gemeindekommando der Feuerwehr gegeben. „Wir sind mehrere Stellen durchgegangen, wo es Bedarf gibt, und haben besprochen, was wir anpacken müssen. Insofern hat das Substanz und ist kein Schnellschuss.“

An einigen Stellen in Ihlow sammelte sich das Wasser nahe an Häusern. Foto: Feuerwehr
An einigen Stellen in Ihlow sammelte sich das Wasser nahe an Häusern. Foto: Feuerwehr

In diesen Tagen soll zudem mit den Entwässerungsverbänden Oldersum und Emden gesprochen werden. Auch eine gemeinsame Analyse mit der Gemeinde Südbrookmerland ist laut Ulrichs geplant, weil starke Niederschläge aus Moordorf sich mit etwas Verzögerung in Neu-Barstede sammeln. „Wir können in Neu-Bastede machen, was wir wollen, wenn das Wasser aus Südbrookmerland da so reinrauscht“, sagte der Bürgermeister.

Hohe Gefährdungseinschätzung in Simonswolde

Neben Neu-Barstede war es aber auch in Westerende-Kirchloog, Ihlowerfehn und Simonswolde zu Problemen gekommen. In Westerende sammelte sich das Wasser beispielsweise auf einer landwirtschaftlichen Fläche und sei diesmal einem Haus bedenklich nahe gekommen. „Da müssen wir mal schauen, ob man es noch in eine andere Richtung lenken kann“, so der Bürgermeister.

Wie berichtet, war es auch im Neubaugebiet zwischen der Kirche und der Mannestraße in Simonswolde zu Hochwasser gekommen. Die Siedlung liegt etwas tiefer als die Umgebung. Gibt man die Adressen Netti-Nagel-Straße und Rika-Müller-Straße auf der Internetseite des Zonierungssystems für Überschwemmungsrisiko und Einschätzung von Umweltrisiken (Zürs) der Versicherer ein, erhält man hohe Gefährdungswerte für Starkregen. Die Auswertung basiert nach Angaben des Gesamtverbands der Versicherer auf Zahlen der regionalen Hochwasserämter und der deutschen Versicherungswirtschaft. In der Umgebung der neuen Siedlung fällt die Einstufung der Starkregengefährdung deutlich geringer aus.

Hoffnung: Pumpleistung erhöhen

Laut Ulrichs sind in dem Neubaugebiet bereits die neuesten Berechnungen und Vorgaben in die Dimensionierung der Oberflächenentwässerung eingeflossen. Ein so starker Regen lassen sich kaum planen, sondern habe alle Berechnungsgrundlagen weit übertroffen. Zu verbessern gibt es dennoch einiges: Es sei bei diesem Starkregen aber beispielsweise aufgefallen, dass ein Rohr mit 60 Zentimetern Durchmesser später in ein Rohr mit 40 Zentimetern Durchmesser übergehe. Die Verrohrung solle nun auf ein einheitliches Maß gebracht werden, um diesen Rückstaupunkt zu eliminieren.

In einige Häuser in Ihlow lief das Wasser hinein. Foto: Feuerwehr
In einige Häuser in Ihlow lief das Wasser hinein. Foto: Feuerwehr

Außerdem wolle die Gemeinde mit dem Entwässerungsverband Oldersum sprechen, ob die Schöpfleistung in Notfällen nicht vielleicht erhöht werden könne. So eine Aufrüstung bei der Pumpleistung koste aber Geld, so Ulrichs:

„Wenn das möglich wäre, werden wir in der Politik darüber sprechen müssen, inwieweit wir da unterstützen können.“ Nach den Ferien solle der Stand der Analyse ohnehin im Umweltausschuss besprochen werden.

Sorgen und Vorschläge von Anwohnern sollen gehört werden

Außerdem soll mit den Bewohnern und Nachbarn des Neubaugebiets gesprochen werden, sagte Arno Ulrichs. Das Wasser laufe zum einen über die Straße in das Gebiet hinein. Aber auch von umliegenden Grundstücken. Deshalb solle geprüft werden, ob es eine Möglichkeit gibt, das Wasser auf dem Weg in die Senke zu stoppen und über die Nachbarschaft so umzuleiten, dass sich nicht alles am tiefsten Punkt sammelt, sondern abfließt. „Das müssen wir uns noch genau angucken“, so Ulrichs. „Vielleicht lassen sich noch andere Abflüsse realisieren.“

Es sei generell wichtig, dass die Anwohner mit einbezogen würden. „Wir wollen nicht nur ihre Sorgen, sondern auch ihre Vorschläge aufnehmen.“

Der Molkereischloot führt in das Neubaugebiet in Simonswolde hinein. Foto: Romuald Banik
Der Molkereischloot führt in das Neubaugebiet in Simonswolde hinein. Foto: Romuald Banik

Zudem solle zeitnah mit den Ortsbürgermeistern gesprochen werden. Nicht jeder, der vielleicht mit dem Wasser zu kämpfen hatte, habe die Feuerwehr gerufen. Daher sei es möglich, dass die Ortsvorsteher noch von weiteren Problemen gehört hätten, die im Rathaus gar nicht aufgelaufen seien. „Es ist gut, wenn Nachbarschaften das bei Bedarf untereinander regeln, aber trotzdem möchten wir von Problemen wissen und gucken, ob wir etwas ändern können“, sagte Ulrichs.

Ulrichs: Krisenstab kann kurzfristig eingerichtet werden

Erste Maßnahmen seien nach den ersten Gesprächen bereits überlegt worden. „Nun müssen wir schauen, was alles umsetzbar ist“, so Ulrichs.

Am Starkregenwochenende hätten alle Räder gut ineinander gegriffen, sagte er weiter. Die Feuerwehren, der Bauhof, die Entwässerungsverbände und der NLWKN, das Lohnunternehmen Enninga und auch das THW hätten sehr gut zusammengearbeitet. „Aber das ist alles auf Zuruf geschehen“, sagt der Bürgermeister.

Das Wasser stand auf diesem Grundstück in Simonswolde bis etwa zu der Stelle, wo der Rasenmäher steht. Foto: Romuald Banik
Das Wasser stand auf diesem Grundstück in Simonswolde bis etwa zu der Stelle, wo der Rasenmäher steht. Foto: Romuald Banik

Künftig solle es besser ein Lagezentrum mit Krisenstab im Rathaus geben, wo alle Fäden zusammenlaufen. Das lasse sich technisch und personell zeitnah einrichten. Und dann könnten von dort Maßnahmen priorisiert werden. „Wir werden nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sondern das nun stetig weiter abarbeiten“, so Ulrichs.

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