Rückzug  Deutsche Glasfaser gibt Pläne für Südbrookmerland auf

| | 17.07.2024 10:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit kleinen Steckern konnten Haushalte signalisieren, dass sie einen Vorvertrag mit Deutsche Glasfaser abgeschlossen haben. Doch offenbar wurde das Quorum in Südbrookmerland allenfalls knapp erreicht. Nun zieht der Konzern sich zurück. Foto: Thomas Dirks
Mit kleinen Steckern konnten Haushalte signalisieren, dass sie einen Vorvertrag mit Deutsche Glasfaser abgeschlossen haben. Doch offenbar wurde das Quorum in Südbrookmerland allenfalls knapp erreicht. Nun zieht der Konzern sich zurück. Foto: Thomas Dirks
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Nach einer groß angelegten Werbeoffensive im vergangenen Herbst gibt das Unternehmen auf. Grund ist der harte Wettbewerb. Was das nun für Südbrookmerlander mit Vorvertrag bedeutet.

Südbrookmerland - Im vergangenen Oktober begann die große Werbekampagne, nun folgt der Rückzug. Das Unternehmen „Deutsche Glasfaser“ hat den Ausbauplan für Südbrookmerland aufgegeben. Dies teilte das Unternehmen am Mittwochvormittag mit.

In einer Mitteilung heißt es, dass ein Mitbewerber – gemeint ist die Glasfaser Nordwest – mit Ausbauarbeiten für ein Glasfasernetz in Südbrookmerland begonnen habe. „Damit haben sich die Rahmenbedingungen für einen Ausbau durch Deutsche Glasfaser grundlegend geändert. Wir wollen grundsätzlich einen doppelten Netzausbau vermeiden, da er weder betriebs- noch volkswirtschaftlich sinnvoll ist. Zudem führt ein doppelter Ausbau zu unnötigen zusätzlichen Belastungen der Anwohner“, teilte Oliver Prey, Projektleiter von Deutsche Glasfaser, mit. Die bisher eingegangenen Kundenaufträge seien damit hinfällig und werden nicht von Deutsche Glasfaser angenommen. Mangels Vertragsabschluss entstehen dem Kunden auch keinerlei Verpflichtungen gegenüber Deutsche Glasfaser.

7000 Haushalte sollten einen Anschluss bekommen können

Die Unternehmensgruppe Deutsche Glasfaser ist nach eigenen Angaben der führende Glasfaserversorger für den ländlichen und suburbanen Raum in Deutschland. Neben Südbrookmerland begann das Unternehmen die Nachfragebündelung auch in Aurich, Brookmerland und Ihlow. Während in Ihlow seit Kurzem am ersten Polygon in Ihlowerfehn/Simonswolde gebaut wird, beginnt der Ausbau nach Angaben von Stadtsprecher Johann Stromann im August an der Westerfelder Straße. Im April hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass die Nachfragebündelung in den Ortsteilen Egels, Kirchdorf, Sandhorst, Tannenhausen, Walle, Wallinghausen erfolgreich gewesen sei.

In Großefehn scheiterten die Verhandlungen mit Deutsche Glasfaser nach Angaben von Bürgermeister Erwin Adams gleich, weil absehbar war, dass es zu viele Doppelstrukturen geben würde. Die Gemeinde Großefehn setzt nun auf Glasfaser Nordwest.

In Südbrookmerland war das Interesse von Deutsche Glasfaser bereits vor den Plänen der Glasfaser Nordwest bekannt. Das Gemeinschaftsunternehmen von Telekom Deutschland GmbH und EWE AG meldete sich Ende Januar für viele Kunden überraschend ebenfalls an.

Konkurrenz fackelte nicht lange

Im vergangenen Oktober hieß es von Deutsche Glasfaser, dass bei ausreichender Nachfrage rund 7000 Haushalte in Südbrookmerland angeschlossen werden sollten. Profitieren sollten Haushalte in Moordorf, Moorhusen, Münkeboe, Oldeborg, Theene, Uthwerdum, Victorbur und Wiegboldsbur. Die Vermarktungsphase lief bis Ende Januar. Nach zwischenzeitlichen Angaben hatten mindestens 28 Prozent der angeschriebenen Haushalte einen Vorvertrag mit Deutsche Glasfaser unterschrieben. Die abschließende Zahl gab das Unternehmen nie bekannt, sondern teilte lediglich mit, dass es sich in einer Prüfungsphase befinde.

Ende Januar trat mit der Glasfaser Nordwest die Konkurrenz auf den Plan und fackelte nicht lange . Das Infrastrukturprojekt wird laut einer Mitteilung in Moordorf, Victorbur und Uthwerdum etwa 4500 Haushalte und Unternehmensstandorte mit moderner Glasfaser versorgen. Die ersten Leitungen wurden kurz darauf verlegt, der Ausbau ist derzeit an mehreren Straßen in Südbrookmerland zu beobachten.

Vize-Rathauschef Wilfried Müller zeigte sich von der Entscheidung von Deutsche Glasfaser enttäuscht. Denn sie bedeutet für etliche Südbrookmerlander, dass sie nun länger auf einen Breitbandanschluss warten müssen als gedacht. Deutsche Glasfaser hatte im ersten Aufschlag vorgehabt, Ostvictorbur, Oldeborg, Engerhafe und kleine Bereiche von Wiegboldsbur und Theene mit anzuschließen. Glasfaser Nordwest habe diese Gebiete bisher nicht im Plan, so Müller. Die Gemeinde hoffe nun, dass sich Glasfaser Nordwest doch noch mit diesen Bereichen befasse und dort ausbauen werde.

In den Kommunen tobt mancherorts ein Kampf um die Breitbandhoheit. Während in Großefehn früh abgewunken wurde und die Wahl auf Glasfaser Nordwest fiel, war es in Aurich laut Stadtsprecher Johann Stromann umgekehrt. Dort seien keine Gespräche mit Glasfaser Nordwest geführt worden. In Südbrookmerland waren beide Anbieter interessiert und gingen in eine offensive Vermarktung – und die Kunden mussten sich immer wieder auf neue Voraussetzungen einstellen.

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