Überschwemmung nach Starkregen Es hätte schlimmer kommen können
Laut Entwässerungsverband hätte sich der Regen nach den Ferien wohl noch heftiger ausgewirkt, weil Pumpschnecken in Revision gewesen wären. Doch auch so gab es Problempunkte – und eine große Aufgabe.
Landkreis Aurich/Emden - Pumpen halten den Ostfriesen an Wochenenden wie dem vergangenen und an vielen anderen Tagen die Füße trocken. Denn das Niederschlagswasser aus dem tiefliegenden Land zu kriegen, klappt allein mit Sielen nur für einige Bereiche und bei günstigen Wetterlagen und Wasserständen. Bei Regenfällen wie am Freitag, 12. Juli 2024, laufen die Pumpen in den Schöpf- und Unterschöpfwerken auf Volllast.
Jan van Dyk, Verbandsingenieur beim I. Entwässerungsverband Emden, zählt einiges auf, was an diesem Wochenende trotz aller Probleme gut gelaufen ist: Dass bereits zwei Tage vorher durch Pumpen vorsorglich Freibord in den Entwässerungsanlagen geschaffen wurde beispielsweise.
Glücklich sei aber auch, dass es ausgerechnet in der Phase den Starkregen gegeben habe, wo die Motoren und Getriebe in den Unterschöpfwerken schon aus der Revision zurück und die Förderschnecken noch nicht in Überprüfung seien. Nun hätten wirklich alle Pumpen mit voller Kraft fördern können, so der Ingenieur.
Wasser muss weite Strecken in kleinen Gräben zurücklegen
Dass es im Gebiet des I. Entwässerungsverbandes Emden gerade in Südbrookmerland zu erheblichen Rückstaus des Wassers kam, liege am einerseits gesättigten Boden, an der ganz außergewöhnlichen Regenmenge und an langen Wegen des Wassers in die großen Entwässerungsadern.
Die Pegelstände dort, wo in Longewehr die Abelitz auf das Alte Greetsieler Sieltief und wo am Großen Meer das Marscher Tief auf das Knockster Tief trifft, seien nur um 30 Zentimeter erhöht gewesen. Die Wasserableitung habe also insgesamt funktioniert. Zwischen der Höhenlage von Moordorf und dem Pumpwerk an der Knock habe es insgesamt ein Gefälle von rund 2,50 Meter gegeben.
Das Wasser aus Moordorf muss aber durch Vorfluter und Zuggräben wie den Herrenhüttener Zuggraben in die Wiegboldsburer Riede laufen, bevor es in die großen Entwässerungsarme kommt. Das sind viele Hundert Meter durch relativ kleine Wasseradern, die im Sommer auch noch bewachsen seien, sagte van Dyk. Hinzu kämen Engstellen wie die Düker.
Wasser wurde in Anlagen des Auricher Verbandes gepumpt
Am Wochenende wurde von Feuerwehr, THW und dem Lohnunternehmen Enninga Wasser an drei Stellen aus den Gräben in den Ringkanal gepumpt. Eigentlich hat der volumenreiche Ringkanal, der dem NLWKN gehört und eine Entwässerungsanlage des Auricher Entwässerungsverbands ist, keine Verbindungen zum Südbrookmerlander Entwässerungsnetz. Weil es dort aber noch Kapazitäten gegeben habe, sei das Wasser dorthin hochgepumpt worden, berichtete van Dyk. Es sei über den Ringkanal und den Ems-Jade-Kanal zum Pumpwerk in Borssum geflossen und dort in die Ems geleitet worden.
Die Netze der verschiedenen Entwässerungsverbände seien klar getrennt. Es gebe nur wenige Punkte wie die Kesselschleuse, um Übergänge zu schaffen. Allerdings liefen Gespräche, ob es angesichts zunehmender lokaler Starkregenereignisse nicht sinnvoll sei, mehr Verbindungen zu schaffen, um sich gegenseitig bei Bedarf unterstützen zu können. „Wir wollen das Verbundsystem weiter ausbauen“, so van Dyk. Über das Notfallpumpwerk Borssum können die Entwässerungsverbände Emden, Oldersum und Aurich entwässern. Wenn dort Kapazitäten erhöht würden, profitierten alle drei Verbände.
Problembereiche auch in Hinte und Krummhörn
Van Dyk hat neben Südbrookmerland mehrere Punkte im Verbandsgebiet ausgemacht, wo es zu Problemen gekommen sei. Unter anderem im Bereich Westerende und Rahe, in Groß-Midlum, Pewsum, Hinte-Harsweg und Emden.
In Groß-Midlum habe es sonst noch nie Schwierigkeiten gegeben, doch nun seien Keller vollgelaufen und Seen auf Grundstücken entstanden. In Westerhusen sei der Wasserstand wieder normal, in Wybelsum seien am Montag zusätzliche Pumpen aufgebaut worden, um das Wasser wegzubekommen. Im Ferienhausgebiet am Großen Meer sei es „kurz vor knapp“ gewesen, so van Dyk. Aber das Wasser sei nicht über den Damm am Hasenweg getreten.
Verband: Wir müssen zwingend die Pumpkapazitäten im Ganzen erhöhen
Der Klimawandel werde an vielen Stellen aber ein Umdenken nötig machen, betonte der Ingenieur. Viele Durchlässe seien noch zu klein für die nun immer öfter auftretenden großen Regenmengen. Auch bei der Planung von Neubaugebieten müsse dringend auf Retentionsflächen und die Auswirkungen auf die Umgebung geachtet werden.
Dass trotz voller Pumpleistung der Wasserstand an den Schöpfwerken gestiegen sei „zeigt wieder, dass die Leistung der vorhandenen Anlagen mehr als begrenzt ist.“, so van Dyk. Der Verband investiere beständig in seine Infrastruktur wie die Unterschöpfwerke. „Aber wir müssen zwingend die Pumpkapazitäten im Ganzen erhöhen.“ Das sei schon mit mehreren Landesministern besprochen worden. „Wir kämpfen an sämtlichen Fronten“, so van Dyk.
Hinter allen Mitarbeitern des Verbandes liege ein hartes Wochenende. Alle seien in solchen Situationen aber sofort zur Stelle.