Starkregen  Zahlreiche Feuerwehreinsätze auch in Aurich und Ihlow

| | 13.07.2024 16:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Komplett überschwemmt wurde ein Straßenzug im Ortsteil Walle an der Straße Im weißen Moor/Ecke Dagwarkenweg. Foto: Finn Feldmann
Komplett überschwemmt wurde ein Straßenzug im Ortsteil Walle an der Straße Im weißen Moor/Ecke Dagwarkenweg. Foto: Finn Feldmann
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Die heftigen Regenfälle am Freitagabend haben auch in Auricher Ortsteilen und in Teilen von Ihlow für Probleme gesorgt. Bis in die Nacht war die Feuerwehr im Einsatz.

Aurich/Ihlow - Die Regenfälle, die am Freitagabend über Ostfriesland niedergegangen sind, waren großflächig und heftig. Nicht nur in Südbrookmerland, sondern auch in Aurich und Ihlow hatte die Feuerwehr zahlreiche Einsätze.

Wie Stadtfeuerwehr-Pressesprecher Sönke Geiken mitteilte, waren die Auricher Feuerwehren gut 35 Mal im Einsatz, um Wasserschäden zu beseitigen.

Die Feuerwehren waren am Freitagabend auch in Aurich im Dauereinsatz, wie an der Johanniskirche im Ortsteil Sandhorst . Foto: Jannik Leerhoff
Die Feuerwehren waren am Freitagabend auch in Aurich im Dauereinsatz, wie an der Johanniskirche im Ortsteil Sandhorst . Foto: Jannik Leerhoff

Der Großteil der Einsätze sei mit 20 Alarmierungen dabei im Bereich Sandhorst abzuarbeiten gewesen und konnte aufgrund der vielen Meldungen innerhalb kurzer Zeit auch nicht durch die Ortsfeuerwehr Sandhorst alleine bewältigt werden, so Geiken. Deshalb seien die Ortsfeuerwehren Walle und Wallinghausen zur Unterstützung hinzugerufen worden. Vor allem im Bereich der Wiesenstraße und umzu musste die Feuerwehr mehrmals tätig werden und vollgelaufene Keller auspumpen. Auch wurden Sandsäcke zum Schutz vor weiteren Wassereinbrüchen eingesetzt. Die Kräfte waren von Freitagabend gegen 20 Uhr bis spät in die Nacht im Einsatz.

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Einsätze im Bereich Aurich

Die erste Alarmierung im Stadtgebiet ereilte um 19:53 Uhr die Ortsfeuerwehr Walle. In der Eschener Gaste musste ein Keller leergepumt werden. Danach sorgte der anhaltende Regen schnell für die nächsten Einsätze in Walle. Besonders stark betroffen war der Bereich der Horumer Straße, da die Kanalisation aufgrund überlasteter oder verstopfter Gullys die Wassermassen nicht verarbeiten konnte. Infolgedessen liefen die Gräben über und die Straße wurde überschwemmt. Durch das Freimachen der Schachtzuläufe konnte schnelle Abhilfe geleistet werden. Auch im Bereich der Brookstraße war ein Keller vollgelaufen und musste durch die Einsatzkräfte leergepumpt werden.

Auch in Wiesens sind Regenmassen auf Grundstücke und in Häuser eingedrungen Foto: Feuerwehr Wiesens
Auch in Wiesens sind Regenmassen auf Grundstücke und in Häuser eingedrungen Foto: Feuerwehr Wiesens

Zudem musste die Ortsfeuerwehr Haxtum ausrücken: Am Unlanderweg in Aurich-Rahe lief angestautes Wasser in ein Wohnhaus hinein und drohte tieferliegende Räumlichkeiten großflächig zu überfluten. Die Feuerwehrkräfte pumpten die Wassermengen ab, um weiteren Schaden abzuwenden. Problematisch erwies sich laut Feuerwehrsprecher dabei, dass die Entwässerung der Straße nicht nur nicht die Wassermassen aufnehmen konnte, sondern diese auch durch Abwasserschächte wieder an die Oberfläche gedrückt wurden.

An der Schulstraße in Sandhorst wurden Sandsäcke befüllt. Foto: Feuerwehr Sandhorst
An der Schulstraße in Sandhorst wurden Sandsäcke befüllt. Foto: Feuerwehr Sandhorst

Auch im Ortsteil Wiesens kam es zu Überflutungen von Gräben, Straßen und auch Grundstücken. Das Wasser war bereits in Kellerräume eingedrungen oder drohte in Wohnhäuser zu laufen, sodass die Ortsfeuerwehr Wiesens im Laufe des Abends fünf Einsätze hatte: Zwei Keller mussten in der Straße Am Sandkrug ausgepumpt werden, an drei weiteren Einsatzstellen wurde der durch den Starkregen entstandene Rückstau mittels Schmutzwasserpumpe und Tauchpumpe in naheliegende Gräben geleitet. Mit rund 20 gemeldeten Einsatzstellen stellte der Bereich in und um die Wiesenstraße den Schwerpunkt der Auricher Feuerwehren in dieser Nacht dar. Da an einigen Stellen kein Abpumpen mehr möglich war, wurden etwa 40 Sandsäcke gefüllt und verbaut, um das Schadensausmaß zu reduzieren. Rund sieben Stunden nach der ersten Alarmierung waren alle gemeldeten Einsatzstellen im Stadtgebiet abgearbeitet, und die letzten Einsatzkräfte kehrten gegen 3 Uhr zu ihren Gerätehäusern zurück. Unterstützt wurden die Feuerwehrleute vom Betriebshof der Stadt Aurich. Bereits am Samstagmittag mussten die Ortsfeuerwehren Walle und Wiesens erneut ausrücken, um vollgelaufene Keller auszupumpen.

Häuser in Neubaugebiet in Simonswolde bedroht

In Ihlow gab es vor allem in drei Bereichen Probleme mit den Wassermassen, wie Bürgermeister Arno Ulrichs auf Nachfrage sagte: in Simonswolde, Ihlowerfehn und Westerende-Kirchloog. „Überall dort, wo es stark versiegelte Bereiche gibt und wo das Wasser nicht schnell genug ablaufen kann“, so Ulrichs.

Die Feuerwehren Simonswolde, Ihlowerfehn und Ochtelbur seien bis etwa 3 Uhr im Einsatz gewesen. Ebenso der Bauhof, der Durchlässe gereinigt habe, wo dies nötig gewesen sei, und der Entwässerungsverband, der an der stark belasteten und für die Ihlower Entwässerung wichtigen Blitz gepumpt habe.

Vielfach kamen Tauchpumpen zum Einsatz. Foto: Enno Campen
Vielfach kamen Tauchpumpen zum Einsatz. Foto: Enno Campen

In Simonswolde habe es vor allem das Neubaugebiet zwischen Kirche und Manneweg getroffen, so der Bürgermeister. Dessen Entwässerungsanlagen und das Regenrückhaltebecken seien zwar schon nach den neuesten Vorgaben dimensioniert worden, hätten die Wassermassen, die heruntergekommen seien, aber nicht aufnehmen können. „Es drohte in die Häuser zu laufen“, so der Bürgermeister

Da werde man nun überprüfen müssen, inwieweit vielleicht noch durch weitere Retentionsanlagen nachgebessert werden könne, sagte Ulrichs.

Sogar die Feuerwehr bekam Probleme

In Ihlowerfehn geriet laut Ulrichs sogar die Feuerwehr selbst in Probleme. Denn das Gerätehaus liege in recht versiegelter Umgebung, sodass zeitweise auch dort fast Wasser eingedrungen wäre. Die Einsatzkräfte hätten dies aber abwehren können, so Ulrichs.

Fraglich sei allerdings, ob die Entwässerungsanlagen überhaupt so ausgelegt werden könnten, dass sie so heftige Regenereignisse immer zu 100 Prozent verarbeiten können, meint der Bürgermeister. Schon ab Mittag habe es ergiebig geregnet. Und am Abend seien erhebliche Wassermassen in sehr kurzer Zeit hinzugekommen. Der Boden sei zudem von den Regenfällen dieses Jahres immer noch sehr gesättigt.

Dennoch sei das Hochwasser binnen zwei bis drei Stunden schon deutlich zurückgegangen – beispielsweise auf dem Sportplatz in Simonswolde, der komplett blankgestanden habe. „Es ist wichtig, dass nicht unnötig verrohrt wird und die Durchlässe regelmäßig gereinigt und kontrolliert werden“, sagte Ulrichs.

Feuerwehrleute bekamen heiße Stärkung

Auch in Westerende-Holzloog, wo das Wasser aus Moordorf ankomme, sei es sicherlich schwierig geworden, sagte Ulrichs. Von außergewöhnlichen Problemen in dem Bereich hatte er am Sonnabendmorgen aber noch nichts gehört. Zur Erinnerung: Vor drei Jahren hatte sich nach dem Starkregen in der Nachbargemeinde Südbrookmerland ein paar Stunden später das Wasser im Bereich der Straße Am Vorfluter zurückgestaut und Häuser bedroht.

Arno Ulrichs zeigte sich erfreut, dass die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehren, Bauhof und Entwässerungsverband so gut geklappt habe. Der Verpflegungszug der Feuerwehr Ihlowerfehn sei gegen Mitternacht mit warmen Getränken und Gulaschsuppe ausgerückt, um die Einsatzkräfte zu versorgen, damit diese im Dauereinsatz bei Regen nicht frieren.

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