Schulpolitik Viele Fragen zur Zukunft der IGS Marienhafe-Moorhusen
Schulbezirke, Investitionen und Fragen an die Eltern: Es sind viele Themen, die die Verantwortlichen der Schule beschäftigen. Eins dreht sich darum, wie die IGS vor Konkurrenz geschützt werden könnte.
Südbrookmerland/Marienhafe - Ist die gemeinsame IGS mit ihren Standorten in Marienhafe und Moorhusen in Gefahr? Diesen Eindruck könnte man bekommen, wenn man die eine oder andere Aussage aus den Rathäusern der Gemeinden Brookmerland und Südbrookmerland hört. Und tatsächlich: Rückläufige Anmeldezahlen in Jahrgang fünf könnten bedeuten, dass über kurz oder lang die Genehmigung für den offiziell als Außenstelle geführten Standort Moorhusen wegfällt. So wollen Politik und Verwaltung das verhindern.
91 Anmeldungen hatte es zum Stichtag im April für den neuen fünften Jahrgang an der IGS Marienhafe-Moorhusen gegeben. Das würde eine Vierzügigkeit, also vier Parallelklassen des fünften Jahrgangs, ergeben. Erfahrungsgemäß verändert sich die Zahl bis zum tatsächlichen Beginn des Schuljahres noch. In den vergangenen Jahren ist aber ein klarer Abwärtstrend bei der Zahl der fünften Klassen zu erkennen. Nachdem der Standort Moorhusen vor einiger Zeit noch wegen Platzmangels für viel Geld erweitert werden musste, reichen die Anmeldezahlen nun nicht mehr aus, um aller Klassenräume so zu nutzen, wie es mal gedacht war.
Bürgermeister verweist auf Ausnahmeregelung
Offizieller Schulträger der IGS ist die Samtgemeinde Brookmerland, die mit Südbrookmerland eine Zweckvereinbarung für den Schulbetrieb geschlossen hat. Darüber hinaus gibt es eine Arbeitsgemeinschaft mit Vertretern aus Politik und Verwaltung bei den Kommunen. Aus Teilnehmerkreisen wurde Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels mit einer Aussage zitiert, wonach er die Zukunft der gemeinsamen IGS infrage stelle und den Schulbetrieb stattdessen ohne die Außenstelle in Moorhusen fortführen wolle. Das wäre ein Paukenschlag. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte Ihmels nun, was er mit seiner Aussage gemeint habe. Demnach gebe es vom Land Niedersachsen eine Ausnahmegenehmigung für den Betrieb der Schule an zwei Standorten. Darin sei geregelt, dass die Genehmigung entfalle, wenn der Schulbetrieb auch an nur einem Standort möglich sei. Dies sei bei einer dauerhaften Vierzügigkeit der Fall, so Ihmels. Auch weil damit der Unterbau für die Oberstufe fehle, die dann womöglich auslaufen müsse. Wichtig sei ihm aber, dass alle Beteiligten, im Brookmerland und in Südbrookmerland, daran interessiert seien, die gemeinsame IGS an zwei Standorten fortzuführen.
Das bekräftigte auf Nachfrage auch der Südbrookmerlander Bürgermeister Thomas Erdwiens. Er erinnerte im Gespräch mit unserer Redaktion daran, dass der weit überwiegende Teil der IGS-Schüler aus Südbrookmerland komme. Es sei schade, dass aufgrund der Schulpolitik der vergangenen Jahrzehnte Südbrookmerland als Landgemeinde mit den meisten Schülern im Kreis nicht mehr über eine eigene weiterführende Schule verfüge. Deshalb sei es umso wichtiger, die gemeinsame IGS weiter zu stärken und zu erhalten. „Es läuft gut und im Verbund sind wir gemeinsam stark“, so Erdwiens.
Um die Attraktivität der IGS zu steigern, wurden in den vergangenen Monaten offenbar einige Anstrengungen unternommen. So wurde wie berichtet im Herbst vergangenen Jahres eine Elternbefragung in den dritten und vierten Klassen auf den Weg gebracht. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft wollten mehr darüber erfahren, nach welchen Kriterien Eltern die weiterführende Schule für ihre Kinder auswählen. Das Problem: Bis heute wurden die Ergebnisse nicht vorgestellt. Weder öffentlich noch intern. Geschehen soll dies in der nächsten Sitzung der Arbeitsgemeinschaft. Die ist für Ende August und damit fast ein Jahr nach der bis dato letzten Sitzung geplant. Wie aktuell die Ergebnisse dann noch sind, muss sich zeigen.
Neuer Jahrgang wohl doch fünfzügig
Aber auch sonst tut sich rund um die IGS einiges. Sichtbar wird das demnächst vor allem in Moorhusen. Dort soll der Schulhof massiv umgestaltet und attraktiver gemacht werden. Auch die Schulsozialarbeit soll weiter gestärkt und die Schule insgesamt attraktiver gestaltet werden. Das koste natürlich alles Geld und sei in Zeiten knapper Kassen nicht einfach zu verwirklichen, so Ihmels. „Aber die Schule ist es wert.“
Das sieht auch Thomas Erdwiens so. Wie er im Gespräch mit unserer Redaktion sagte, sehe es derzeit danach aus, als würde nach den Ferien erneut ein fünfzügiger fünfter Jahrgang eingeschult. Nach dem Stichtag im April habe es noch etliche Nachmeldungen gegeben.
Stabilität also? Vielleicht. Dennoch gibt es in den beiden Gemeinden Bestrebungen, die Schule weiter abzusichern. So sollen Schulbezirke gebildet werden. Die Folge: Eltern aus den beiden Gemeinden könnten sich bei Anwahl einer IGS ausschließlich für Marienhafe-Moorhusen entscheiden. Einzig wenn eine andere Schulform, beispielsweise das Gymnasium oder eine Realschule, angewählt werden sollen, können die Angebote anderer Kommunen genutzt werden.
Landkreis hält sich vorerst bedeckt
Weil wegen einer Verfügung des Landkreises der Weg zur IGS Aurich für Kinder aus Südbrookmerland ohnehin versperrt ist, ändert sich durch die geplante Einführung der Schulbezirke erst einmal wenig. Allerdings war hinter vorgehaltener Hand in der Vergangenheit immer wieder von Überlegungen zu hören, die Auricher Schule wieder für Südbrookmerlander Schüler zu öffnen. Die Befürchtung in Südbrookmerland: Insbesondere Moordorfer könnten sich für Aurich entscheiden und dann an der IGS Marienhafe-Moorhusen fehlen. Laut Gerhard Ihmels gehe es bei den Schulbezirken aber vor allem um Planungs- und Rechtssicherheit. Beides sei beispielsweise für künftige Investitionen oder die Zuweisung von Lehrkräften nötig. Seitens des Landkreises Aurich wollte man die Bemühungen um Schulbezirke in den Gemeinden zunächst nicht weiter kommentieren. Ein Sprecher verwies auf den „politischen Willensbildungsprozess“, der noch nicht abgeschlossen sei. Man befinde sich aber im konstruktiven Austausch. „Zudem müsste eine konkrete Regelung zu den Einzugsbereichen darüber hinaus erst noch rechtlich mit dem Regionalen Landesamt für Schule und Bildung abgestimmt werden“, so der Landkreis weiter. Dahinter stecken offenbar unterschiedliche Auffassungen darüber, ob die Gemeinden überhaupt berechtigt sind, auf eigene Faust Schulbezirke festzulegen.