Neue Fälle Sieben Nutztierrisse im Juni in Ostfriesland
Auf Norderney wurde ein Wolf gesehen und auf dem Festland parallel an mehreren Stellen Schafe gerissen. Für ältere Fälle dieses Jahres wurden inzwischen spezielle Tiere nachgewiesen.
Aurich/Ostfriesland - Am 6. Juni wurde erstmals durch eine Wildtierkamera ein Wolf auf Norderney nachgewiesen. Ende Juni wurde das Tier dann noch einmal mit einer Drohne beobachtet.
Im Juni hat es auch mehrere Nutztierrisse in Ostfriesland gegeben. So wurden am 16. Juni in Ostdorf/Dornum laut Eintragung in den Umweltkarten zwei Schafe getötet und eines verletzt. Am 20. Juni wurden in Hilgenriedersiel laut Eintragung vier Schafe getötet und zwei verletzt. In beiden Fällen sind die Rissbegutachter der Landwirtschaftskammer (LWK) inzwischen zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Wolf der Verursacher war.
Sechsmal Einschätzung „Wolf“
In Altgödens/Friedeburg ist ein Fall noch in Bearbeitung. Ein Kalb wurde am 20. Juni tot aufgefunden.
Auch im Raum Leer kam es zu mehreren Rissen, die die LWK-Fachleute als wolfsverursacht einstufen. Am 15. Juni starb in Jemgum ein Schaf, zwei wurden verletzt. Am 20. Juni wurde in Midlum/Moormerland ein Schaf getötet, zwei Tiere sind verschollen. Und für den 26. Juni sind zwei Fälle in Jemgum eingetragen: Dabei wurden insgesamt zwei Schafe getötet und eins verletzt.
Männlicher Wolf aus Herzlake war in Tannenhausen
Unsere Zeitung hat beim Umweltministerium nach den Ergebnissen der DNA-Proben gefragt, die in diesem Jahr bei Rissen genommen wurden. Für den Riss am 12. April mit zehn toten beziehungsweise eingeschläferten Schafen und einem verletzten Tier in Tannenhausen hat die DNA-Analyse den Wolf GW2982m als Verursacher ermittelt. Dieser Rüde konnte nach Angaben des Umweltministeriums ebenfalls bei dem Nutztierschaden Nr. 2062 in Herzlake im Emsland vom 9. Oktober 2022 mit einem toten Schaf nachgewiesen werden. Er gehörte im Monitoringjahr 2022/23 als Nachwuchs zum bestätigten Wolfsrudel Herzlake.
In Critzum war eine Wölfin unterwegs
Mit Stand Mitte Juni teilte das Ministerium zu den Rissen folgende Sachstände bei der Auswertung mit: Bei Fall 2589 vom 1. März mit einem toten Schaf in Bensersiel wurde Wolfs-DNA nachgewiesen. Die Probenqualität sei für eine Individualisierung nicht ausreichend gewesen. Beim Fall 2590 vom 2. März in Werdum mit einem toten und einem verletzten Schaf sei die Art nicht bestimmbar. Im Fall 2693 vom 5. Juni mit einem toten und zwei verletzten Schafen in Holtgast hatte schon die LWK auf „kein Wolf“ entschieden. Die DNA-Probe ist für spätere Auswertungen noch eingelagert. Im Fall 2675, wobei in Marx am 21. Mia ein Rind getötet wurde, ist der Wolf laut LWK nicht nachweisbar. Zu diesem Ergebnis kommt laut Ministerium auch die DNA-Analyse.
In Critzum/Jemgum sind bei Fall 2663 am 15. Mai sechs Schafe verschollen. Laut LWK ist ein Wolf nicht nachweisbar. Proben konnten nicht genommen werden. Ebenfalls am 15. Mai sind unter Fall-Nummer 2662 in Critzum zwei Schafe getötet worden. Die LWK machte einen Wolf als Verursacher aus. Laut Umweltkarten handelt es sich um das Individuum GW4075F, ein Weibchen. Dasselbe Tier wurde auch als Verursacher für den Riss Nr. 2658 am 7. Mai in Citzum mit einem toten Schaf identifiziert. Auch am 8. Mai gab es noch einen Vorfall (Nr. 2659) mit fünf verletzten Schafen in Critzum. Die LWK entschied auf „Wolf“. Laut Umweltministerium sind die Proben im Labor eingetroffen. Ein Individuum ist noch nicht eingetragen.
Mehrfach reichte die Qualität der Probe nicht aus
Im Falle 2682 vom 22. Mai in Resterhafe/Dornum, wo zwei Pferde verletzt wurden, sind die Gutachter der LWK zum Ergebnis Wolf gekommen. Laut Umweltministerium wurde keine Proben genommen, da dort eine tierschutzwidrige Zäunung festgestellt worden sei.
Beim Riss 2631, bei dem am 15. April in Tannenhausen ein Pferd verletzt wurde, entschied die LWK auf „kein Wolf“. Die Proben wurden laut Ministerium für mögliche spätere Analysen eingelagert.
Am 17. Februar wurden in Ostrhauderfehn zwei tote und ein verletztes Schaf aufgefunden (Fall 2579). Die LWK hat auf „Wolf“ entschieden. Laut Ministerium wurden Wolfsspuren festgestellt. Wegen einer Fuchskontamination könne kein Individuum ermittelt werden. Und im Fall 2573 vom 4. Februar, bei dem in Tannenhausen vier tote und zwei verletzte Schafe gefunden wurden, kam die LWK zur Einschätzung „Wolf“. Anhand der DNA sei keine Art bestimmbar, so das Ministerium.
Privat beauftragtes Labor weist laut Halterin Wolfsallele nach
Beim Fall 2679, bei dem am 21. Mai ein Pony in Hinte getötet und ein Pferd verletzt wurde, kam die LWK zum Ergebnis „Wolf“. Laut Umweltministerium konnten bei der DNA-Auswertung nur zweimal Spuren vom Haushund nachgewiesen werden.
Die betroffene Halterin Larissa Glass hatte selbst auch Proben nehmen lassen und an ein Labor in Hamburg schicken lassen. Von dort sei ihr mitgeteilt worden, dass „sicher DNA mindestens zweier Vertreter aus der Familie der Canidae nachgewiesen werden konnte. Es handelt sich dabei wahrscheinlich um mindestens ein männliches Individuum. Dabei weist die STR-Analytik auf einen Wolf hin“, so das Ergebnis der privat initiierten Laboranalyse.
Die Pferdehalterin kann das Vorkommen von Haushund-DNA leicht erklären. Zum Schutz der Pferde hat sie vor einigen Monaten drei Herdenschutzhunde angeschafft, die engen Kontakt zu den Pferden haben und dabei DNA übertragen können. Wolfsbefürworter hätten umgehend ihre Hunde zu den Angreifern erklärt. Nach Auffinden des toten Ponys seien die drei Herdenschutzhunde aber fotografiert und gefilmt worden. Eine Hündin habe eine kleine Verletzung am Hals und ein Hund Blut an den Pfoten gehabt. Dass sei nicht verwunderlich bei dem vielen Blut auf der Weide, so die Halterin. Keiner der Hunde habe ein verschmiertes Fell oder Blut im Bereich der Schnauze gehabt oder ein auffälliges Verhalten gezeigt. Die Pferde hätten auch keine Scheu vor den Herdenschutzhunden gezeigt.
Deshalb sei sie enttäuscht, dass die Probenauswertung des Senckenberg-Instituts für das Umweltministerium keine Nachweise von Wolfs-DNA ergeben habe. Umso froher sei sie, dass die Analyse im Hamburger Labor Allele eines Wolfs habe nachweisen können, so Glass.