Ostfriesland Cup Cup-Start geht für Titelverteidiger Wallinghausen daneben
Der Titelverteidiger war gegen TuS Esens im Achtelfinale des Ostfriesland Cup chancenlos. Warum der SV Wallinghausen kein Glück hatte.
Wallinghausen – Optimistisch kamen die Anhänger des SV Wallinghausen noch vor dem Anpfiff des Auftaktspiels im Ostfriesland Cup – only the best“ daher. So auch Einlasskontrolleur Carsten Canna. Er glaubte an die Grün-Weißen, sprach von Euphorie und Siegeswillen und erinnerte an das Vorjahr, als sich der SVW im Halbfinale beim TuS Esens durchsetzte und später das Turnier gewann. Ruhm, Geld und Sachpreise einheimste.
Früher Dämpfer
Eine Wiederholung dieser hübschen Geschichte ist seit Sonntagnachmittag nicht mehr möglich. Spielverderber war der TuS Esens, der das Auftaktspiel zum Ostfriesland Cup mit 2:0 Toren gewann. Beide Treffer fielen schon in Halbzeit eins.
Der Anpfiff erfolgte mit 20 Minuten Verspätung. Ein Vorlauf für Protokollarisches: Die beiden Vereinslegenden Otto Löning (SV Wallinghausen) und Heiko Feddermann (TuS Esens) trugen den Pokal aufs Feld, Einlaufkinder hielten Vereinslogos in die Höhe, Vertreter der Sponsoren sprachen wohlwollende Worte. An der Wallinghausener Trainerbank stand der neue Coach Jerzey Klukowski. Er hoffte wohl ein wenig, dass ihm der Geburtstag seiner Frau Claudia am gestrigen Sonntag irgendwie Glück bringen würde.
Diese Hoffnung hatte sich schon nach zwei Minuten erledigt, als die Wallinghausener Abwehr unsortiert daher kam und die Übersicht verloren hatte. Mittendrin im SVW-Abwehrchaos stand der Esenser Manuel Meints. Er drückte aus kurzer Entfernung ab – 1:0 für Esens. Mehltau für die Wallinghausener Euphoriewelle.
Esens agiert und Wallinghausen schaut zu
Dieser Treffer lähmte die Gastgeber und beflügelte Esens. Bis zum Pausenpfiff gab es eine klare Rollenverteilung: Esens agierte nach Lust und Laune, erspielte sich ein deutliches Übergewicht und kam zu acht Eckbällen.
Der SVW sollte erst in der zweiten Halbzeit zu seinem ersten Eckball kommen. Ausdruck der klaren Verhältnisse auf dem Grün. Und so war es auch bei den Torchancen. Die Esenser Malte Ahrends (21./26.) Luca Pascal Janssen (24.) verpassten vorzeitig das 2:0, weil sie entweder schlecht zielten oder in SVW-Torwart Philip Grensemann den Meister fanden.
Erstmals brandete Applaus für eine Wallinghausener Angriffsaktion nach rund einer halben Stunde Spielzeit auf, als Torben Bender über die linke Seite zur Grundlinie drängte und seine Flanke in den Strafraum keinen Abnehmer fand. Kurze Zeit später der erste Schuss des SVW auf das Esenser Gehäuse. Finn Ottersberg versuchte sein Glück aus der Distanz. Der Ball rauschte aber am Pfosten vorbei.
Besser machten es die cleveren Gäste. Sie lauerten geduldig auf den einen Moment. Auf den schnellen Pass oder die genaue Flanke in die Lücke der Wallinghausener Abwehr. Dieser Moment entstand kurz vor der Pause, als ein Querpass von der rechten Seite genau auf den Fuß von Hauke-Jan- Bents fiel. Frei und unbedrängt schob er die Kugel über die Linie. 2:0 für Esens, zugleich der Pausenstand.
Nachdenkliche Mienen bei den Grün-weißen, entspannte Gesichter auf der Gegenseite.
Mut in der Kabine getankt
In der Kabine hatte SVW-Trainer Klukowski seinen Spielern noch einmal Mut gemacht. Der wurde im zweiten Durchgang sichtbar, als die Gastgeber früher und aggressiver in die Zweikämpfe gingen und ihrerseits auch ihr Heil in der Offensive suchten. Es entstand ein Duell auf Augenhöhe. Zeitweise auch als wildes, ungestümes Hin und Her zwischen beiden Strafträumen. Dazu gesellten sich Möglichkeiten. SVW-Stürmer Bent Bogena wuchtete zuerst einen Kopfball (69.) knapp über die Latte und hatte Pech mit einem Pfostenschuss (82.). Ebenso lag auch für Esens der dritte Treffer in der Luft. Meints (67.) und der eingewechselte Tom Classen ließen gute Chancen aus. Es blieb bis zum Abpfiff beim 2:0-Erfolg der Esenser.
Trainer räumt Fehler ein
Für TuS-Trainer Ralf Backhaus ein verdienter Sieg. Er befand nach Schlusspfiff: „Wir haben das Spiel kontrolliert und kaum etwas zugelassen. Wir hätten uns wohl nur selber schlagen können.“
Sein Gegenüber Jerzey Klukowski räumte ein: „Wir waren am Anfang viel zu ängstlich. Bei den Toren haben wir Fehler gemacht.“
Aber er sah auch positive Ansätze. Dazu zählte er die zweite Hälfte. „Da hatten wir viele Ballkontakte und auch Chancen. Wir waren gleichwertig.“
Unabhängig vom Ergebnis hatten sich beide Trainer zu einem Bier nach Spielende verabredet. Backhaus und Klukowski kennen sich schon mehr als ein Vierteljahrhundert lang. Wer die Bierzeche gezahlt hat, blieb ungewiss.