Ersatz für den Anrufbus  Unternehmen von Flexibilität und Transparenz überzeugt

| | 30.06.2024 17:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bislang wird der Anrufbus über ein Callcenter bestellt. Das bedeutet, dass zwischen Buchung und Fahrt etwas Zeit liegen muss. Foto: Romuald Banik
Bislang wird der Anrufbus über ein Callcenter bestellt. Das bedeutet, dass zwischen Buchung und Fahrt etwas Zeit liegen muss. Foto: Romuald Banik
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In Aurich wird als Nachfolger des bald auslaufenden Anrufbusses nun ein App-basiertes Bus-Sammeltaxi-System geprüft. Diese Vorteile werden gesehen.

Aurich - Stadtbus, Anrufbus, Ridepooling – an Ideen und Bezeichnungen für den städtischen Öffentlichen Personennahverkehr hat es in Aurich noch nicht gefehlt. Zuletzt brachte die Ratsgruppe SPD/GAP das Konzept des sogenannten Ridepooling, also eine Art Bus-Sammeltaxi, ins Gespräch, das nun von der Verwaltung kurzfristig auf Machbarkeit geprüft werden soll.

Die Idee wurde ursprünglich von den Busunternehmern Arne Andreesen aus Aurich und Jochen Edzards aus Esens an die Verwaltung und die SPD/GAP herangetragen. Auf Nachfrage unserer Zeitung erläuterten die Unternehmer das Konzept näher. Dabei sind allerdings auch noch etliche Fragen offen, die erst geklärt werden können, wenn beispielsweise die gewünschten Fahrzeiten feststehen.

Touren werden von Algorithmus immer wieder angepasst

Aus Sicht von Edzards ist der große Vorteil eines Ridepooling die Transparenz des Systems und die Versorgung des gesamten Stadtgebiets. Wie berichtet, sollen die Passagiere mittels einer App ihre Fahrt im Voraus buchen. Sie werden dann von einem Algorithmus einer bestehenden Fahrt zugeordnet oder es wird eine neue angelegt. Ziel ist es, die Touren so zu optimieren, dass sie für die Fahrgäste möglichst effektiv sind, Einzelfahrten zugleich aber vermieden werden. Das System gilt als Mischung aus Bus-Verkehr und Taxi.

Die Buchung der Busse – und viel wichtiger noch: die Planung der Touren – erfolge über eine Smartphone-App. Der Algorithmus könne sehr schnell und flexibel die besten Routen berechnen, so Edzards. Er und Andreesen haben den Hinweis von einem befreundeten Busunternehmer bekommen. Beispielsweise auf Norderney sei das System unter dem Namen „Mooev Mobil“ 2022 mit einer Testphase eingeführt worden und seitdem in Betrieb. Dort heißt es auf der Internetseite: „Durch intelligente Verknüpfung der Fahrtrouten teilst du dir unsere Fahrzeuge mit anderen Fahrgästen. Für jeden Fahrgast wird seine persönliche schnellste Route berechnet.“

In der App ist Standort des Busses in Echtzeit zu sehen

Wer Fahrgast in einem solchen On-Demand-System werden will, muss die App herunterladen und einige persönliche Daten angeben. Unter anderem auch Zahlungsdaten, denn die Bezahlung soll im Normalfall über die App erfolgen. Dann gibt der Fahrgast seinen Startpunkt und das gewünschte Ziel ein. Das System weise ihm dann die nächstmögliche Fahrt und einen Einstiegspunkt in der Nähe zu. Der Fahrgast kann dabei laut Edzards auch in Echtzeit sehen, wo sich die eingesetzten Busse gerade befinden.

Auch Buchungen im Voraus oder mit einer bestimmten Uhrzeit für eine garantiert pünktliche Ankunft seien möglich. „Wer beispielsweise einen Arzttermin hat, sollte die Ankunftszeit eingeben, dann weist ihm die App die Abfahrtszeit aus“, so der Busunternehmer. Das System sei äußerst flexibel und transparent, denn man könne direkt sehen, ob gerade ein Bus in der Nähe sei. „Und Transparenz schafft Vertrauen“, so Edzards. Auch Stornierungen seien leichter möglich als jetzt.

Kosten können erst kalkuliert werden, wenn mehr feststeht

Die Bedienung der App sei eigentlich recht einfach, meinen Andreesen und Edzards. Und vielleicht mache ein App-basiertes System, bei dem man nicht mindestens eine Stunde vorher eine Telefonnummer anrufen müsse, den ÖPNV auch attraktiver für Jugendliche. Das könne neue Zielgruppen erschließen.

Wie teuer so ein System für die Stadt werden könnte und auch zu den Fahrpreisen können die beiden Unternehmer noch nichts sagen. In Aurich gehe es um eine weit größere Fläche als im Falle Norderneys. Zudem seien auch die Angebotszeiten für die Kalkulation entscheidend.

Edzards sagte auf Nachfrage, dass er davon ausgehe, dass mit einem solchen System Achtsitzer-Busse durch Aurich fahren würden. Und die Fahrpreise müssten nach den Erfahrungen in anderen Kommunen vielleicht etwas höher angesetzt werden als beim bisherigen Anrufbus. Aber das sei alles noch nicht abschließend zu sagen.

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