Erinnerungskultur  Hannes-Flesner-Padd führt bald bis nach Ihlow

| | 29.06.2024 13:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hannes Flesner an seiner Schleuse. Foto: Gerd Gauger
Hannes Flesner an seiner Schleuse. Foto: Gerd Gauger
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Am Kukelorum in Rahe soll der neu benannte Weg beginnen und dann bis zum Fahnster Krug führen. Der ostfriesische „Schgangsongjee“ erfährt immer mehr Aufmerksamkeit.

Aurich/Ihlow - „Bi’t Kukelorum bi’t Rahster Verlaat“ soll künftig nicht nur die von Hannes Flesner besungene Bierdose vielleicht im Ems-Jade-Kanal schwimmen, sondern bald auch der neue Hannes-Flesner-Padd in Richtung Westerende beginnen.

Und dieser macht an der Stadtgrenze von Aurich nicht Halt, sondern wird auf Ihlower Gebiet bis zur Loogstraße beim Fahnster Krug fortgeführt. Das haben die Ortsräte Extum/Haxtum/Kirchdorf/Rahe und Westerende-Kirchloog in ihren Sitzungen im April und Mai beschlossen. Ergänzend dazu soll vor dem Kukelorum ein Schild mit biografischen Daten nebst einem QR-Code zum Abrufen von Musik angebracht werden.

Offizielle Umbenennung am 40. Todestag

Die Benennung soll laut dem Ihlower Bürgermeister Arno Ulrichs – selbst glühender Flesner-Fan – an dessen 40. Todestag am 12. Juli offiziell erfolgen.

Flesner wurde 1928 geboren und verbrachte seine frühe Kindheit in der Nähe der Rahester Schleuse, mit der er glückliche Erinnerungen verband. Seine spätere musikalische Hommage an dieses Stück Ostfriesland war dann schon von Wehmut über den gesellschaftlichen Wandel in seiner Heimat geprägt, der nicht nur in der achtlos in den Kanal geworfenen Bierdose im Lied angesprochen wird.

Mit seinen Schgangsongs schuf Flesner ein eigenes Genre. Foto: Archiv Flesner
Mit seinen Schgangsongs schuf Flesner ein eigenes Genre. Foto: Archiv Flesner

Flesners Wirken als Musikjournalist, vor allem aber als Liedermacher, Liedtexter und Witzeerzähler erfährt etwa seit der Jahrtausendwende eine neue Würdigung. 2003 brachte der Journalist Werner Jürgens die Biografie „Gröön-Bohnen-Rock’n’Roll – Leben und Werk des Hannes Flesner (Ostfriese)“ heraus. Der „Freundeskreis von Hannes Flesner“ trifft sich regelmäßig im Kukelorum. Werner Jürgens, Enno Jakobs und Nico Weers veranstalten regelmäßig Abende mit Flesner-Liedern und Lesung.

„Goldene Laterne“ und Umbenennung des Dorfplatzes

In den vergangenen Jahren wurde wiederholt über Beiträge zur Erinnerungskultur nachgedacht. 2018 wurde in Aurich die Idee vorgestellt, im Gedenken den Preis „Goldene Laterne“ auszuloben. 1974 hatte Flesner selbst die Goldene Laterne gewonnen – und den Preis zuvor selbst erfunden. Die Goldene Laterne sollte als ostfriesischer Musikpreis institutionalisiert werden – was bislang aber nicht umgesetzt wurde.

Hannes Flesner thematisierte in seinen Liedern das ostfriesische Leben zwischen Landwirtschaft und VW-Werk. Foto: Archiv Flesner
Hannes Flesner thematisierte in seinen Liedern das ostfriesische Leben zwischen Landwirtschaft und VW-Werk. Foto: Archiv Flesner

Auch im Brookmerland erinnert man sich an Flesner, der gern im Allotria in Rechtsupweg zu Gast war und in seinen letzten Lebensjahren in Leezdorf wohnte. Die Leezdorfer Ratsfraktion Moin/Frau Schmidt hatte den Vorschlag gemacht, den Dorfplatz in Hannes-Flesner-Platz umzubenennen. Der Gemeinderat zeigte sich der Idee am Donnerstag nicht abgeneigt, will aber die Bürger entscheiden lassen. Am Wohnhaus von Hannes Flesner, das ein Bauunternehmer aus Neuwied erworben hat, erinnert seit einigen Monaten ein Banner an den prominenten Vorbesitzer. Nach der Sanierung soll eine Gedenktafel auf dem Grundstück aufgestellt werden.

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