Aktionstag am Sonnabend  „UFOs“ landen in Auricher Buchhandlung

| | 14.06.2024 10:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Elfriede Lübbers ist im Vorstand der Patchworkgilde Deutschland und zeigt hier eine Decke zum Thema „Mathematik“. Foto: Romuald Banik
Elfriede Lübbers ist im Vorstand der Patchworkgilde Deutschland und zeigt hier eine Decke zum Thema „Mathematik“. Foto: Romuald Banik
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Mitglieder der Norder Patchworkgruppe und der Patchwork-Gilde laden zum öffentlichen Quilten ein. Da wird fleißig gestichelt. Und es geht auch um „Unfertige Objekte“.

Aurich - Die Jeans liegt auf dem Tisch im Wintergarten. Allerdings in viele Teile zerschnitten und zu einer Tischdecke wieder neu zusammengefügt – inklusive des Reißverschlusses und der Gürtelschlaufen. Elfriede Lübbers hat sie selbst genäht, als Patchwork-Projekt. Denn die Auricherin ist begeisterte Quilterin.

In ihrem Haus finden sich unzählige selbstgequiltete Stücke. Vom kleinen Handschmeichler für die Jackentasche über Kissen und Wandbehänge bis zur 2,70 mal 2,20 Meter großen Überdecke.

Ein Patchworkelement besteht aus einer Oberseite, einer Füllung und einer Rückseite. Foto: Romuald Banik
Ein Patchworkelement besteht aus einer Oberseite, einer Füllung und einer Rückseite. Foto: Romuald Banik

Lübbers teilt diese Leidenschaft mit mehreren Ostfriesinnen und vielen Frauen auf der ganzen Welt. Um das Hobby bekannter zu machen und Lust auf die Arbeit an der Nadel zu machen, findet am 15. Juni von 11 bis etwa 16 Uhr der „Quip-Day“ in der Buchhandlung am Wall statt. „Quip“ steht für Quilten in Publik, also in der Öffentlichkeit. „Alleine sticheln bringt nichts“, sagt die Auricherin und lacht. Sie hat sich ein Projekt für den Tag ausgedacht, das Besucher relativ leicht ausprobieren und nacharbeiten können.

Quipday immer am dritten Sonnabend im Juni, diesmal in 14 Städten

Der Quip-Day findet weltweit in vielen Ländern statt, darunter in 14 deutschen Städten. Zum dritten Mal auch in Aurich und erstmals in Leer und Oldenburg, jeweils bei Famila. In Aurich ist Elfriede Lübbers verantwortlich. Sie ist Regionalvertreterin der Patchwork-Gilde Deutschland für den Bereich Nordniedersachsen/Bremen und will das Hobby einmal im Jahr aus den Nähzimmern herausholen. Die Quilterinnen sollen sich vernetzen und auch voneinander lernen können – am besten bei der Arbeit. Und wer bei Quilts nur an Bettdecken aus amerikanischen Filmen denkt, denkt viel zu kurz.

Dies ist ein Wandbehang in Korak-Technik. Elfriede Lübbers hat von der großen Bettdecke bis zur Postkarte schon alles in Patchwork gefertigt. Foto: Romuald Banik
Dies ist ein Wandbehang in Korak-Technik. Elfriede Lübbers hat von der großen Bettdecke bis zur Postkarte schon alles in Patchwork gefertigt. Foto: Romuald Banik

Die Patchworkarbeiten im Hause Lübbers unterscheiden sich nicht nur in der Auswahl der Farben und Stoffe, sondern sehr stark auch in der Technik. Im Flur deutet die Auricherin, die früher als Berufsschullehrerin mit ihren Schülern auch gequiltet hat, auf ein farbenfrohes Werk: „Das ist Korak, eine traditionelle afghanische Technik.“

Decke zum Thema Mathematik

Lübbers ist auf dem Weg in ihr Nähzimmer, wo sie seit der Pensionierung die meisten Nachmittage verbringt. Dort wird abwechselt gezeichnet, geschnitten, geheftet, genäht und gebügelt. Abends quiltet die Auricherin nur, wenn ein Geschenk fertig werden muss. So wie zu Beginn dieser Woche. Einer früheren Kollegin wollte Lübbers ein Geschenk zur Pensionierung machen. Dafür hat sie zwei schwarze Stoffe gekauft. Einer, für die Rückseite der Decke, voller mathematischer Formeln in weißer Schrift. Der andere birgt ebenso komplexe Gleichungen, aber auch noch ein paar Farbtupfer in geometrischen Formen.

Für das Disappearing-Nine-Patch werden mehrmals neun Quadrate in gleicher Weise zusammengenäht. Schneidet man einige der großen Quadrate zweimal durch, entstehen beim Zusammennähen neue Ansätze. Foto: Romuald Banik
Für das Disappearing-Nine-Patch werden mehrmals neun Quadrate in gleicher Weise zusammengenäht. Schneidet man einige der großen Quadrate zweimal durch, entstehen beim Zusammennähen neue Ansätze. Foto: Romuald Banik

In diesen überwiegend schwarz-weißen Stoff hat Lübbers rote und weiße Stücke eingenäht. Immer neun gleichgroße Quadrate wurden im Disappearing-Nine-Patch zusammengenäht. Von diesen hat Lübbers einige in vier gleich große Teile geteilt. Und dann versetzt wieder zusammengefügt. Schon entsteht die Illusion, dass auch ganz kleine Stoffstücke Teil der Decke sind, obwohl alle Quadrate gleich groß waren.14 Nachmittage und ein bisschen – und die Decke war fertig.

Onlinekurse erreichen neue Mitglieder

Lübbers näht mit der Hand, aber noch lieber mit der Maschine. Sie kann viel über die verschiedenen Techniken erzählen – und lernt doch auch selbst immer wieder Neues. Die Gilde bietet für ihre 6000 Mitglieder in Deutschland ein umfangreiches Kursprogramm an. Seit Corona auch viele Zoomkonferenzen. „Dafür muss ich das Haus nicht verlassen, sagt Lübbers. „Ich spare die Anreise, das Hotel.“ Dafür sitzen dann mehrere Frauen in ihren Nähzimmern und verfolgen die Anleitungen.

Diese große Handydecke sorgte bei der Patchwork-Gilde für Furore. Viele junge Frauen kamen in der Coronazeit mit dem modernen Thema zum Quilten. Elfriede Lübbers war ebenfalls Feuer und Flamme. Und ihr Mann Günther ist beeindruckt. Foto: Romuald Banik
Diese große Handydecke sorgte bei der Patchwork-Gilde für Furore. Viele junge Frauen kamen in der Coronazeit mit dem modernen Thema zum Quilten. Elfriede Lübbers war ebenfalls Feuer und Flamme. Und ihr Mann Günther ist beeindruckt. Foto: Romuald Banik

Die Gilde stellt wöchentlich auch Anleitungen ins Netz. Die Projekte quilten dann viele Mitglieder Woche für Woche, Stück für Stück nach. Auf diese Weise seien in der Corona-Zeit auch viele junge Frauen an das Hobby herangeführt worden. Zu diesem Zweck wurden auch ungewöhnliche Designs mit modernen Techniken entwickelt. Beispielsweise ein großes Handy-Display als Decke. Gequiltet wurden auf dunklem Hintergrund die Icons der bekanntesten Apps. So auch das gebogene „P“ von Pinterest und der farbenfrohe Fuchs von Firefox. „Ich nähe lieber gerade“, sagt Lübbers und holt das Schnittmuster mit den unzähligen Teilen für den Fuchs hervor. Eine noch größere Herausforderung seien aber die Nähmaschine und der Auftrenner gewesen, die auch auf dem Handydisplay auftauchten.

Zwischen Farbkollektion und Upcycling

32 dieser Handydecken seien dann bei einer Ausstellung gezeigt worden, sagt Lübbers. Kleine Ausstellungen gibt es immer wieder auch in der Umgebung. Geplant ist beispielsweise eine Schau im Tee-Museum Norden zur Wintersaison. Die Norder Patchworkgruppe trifft sich regelmäßig. In Aurich hat einst Isolde Sachse den Grundstein für das Interesse an Patchwork gelegt. Eine Begeisterung, die anhält.

Um die Decke abzuschließen, näht die Auricherin ein Binding per Hand an. Foto: Romuald Banik
Um die Decke abzuschließen, näht die Auricherin ein Binding per Hand an. Foto: Romuald Banik

Das Quilten diente anfangs der Polsterung von Kleidung, weil zwei Stoffschichten gefüttert wurden. In Amerika kam es zu großer Blüte. Damals galt es, aus Stoffresten noch möglichst viel zu machen. Heute kaufen sich Lübbers zufolge die Patchworkerinnen durchaus speziellen Webstoff aus Baumwolle, Leinen oder Seide. Es gebe regelmäßig farblich abgestimmte Kollektionen. Natürlich gebe es auch Näherinnen, die weiterhin den Upcyclinggedanken in den Vordergrund stellten. Wer quiltet, muss mit den Gedanken dabei bleiben, um nichts zu verschneiden. Lübbers berichtet, wie sie früher mit Berufsschülern gearbeitet hat. Da sei es um räumliches Vorstellungsvermögen, Arbeitsschritte, aber auch um Sparsamkeit beim Material gegangen.

Ufo-Nähtag im Herbst im EEZ

Auf regionaler Ebene sollen laut Lübbers vonseiten der Gilde verstärkt Kurse angeboten werden. Elfriede Lübbers organisiert selbst ein Angebot. Schon zum dritten Mal findet am 22. September der Ufo-Nähtag im Energie-Erlebnis-Zentrum in Aurich statt. Thema sind die Projekte, die man dringend mal fertig machen will.

Patchwork funktioniert auch wie das Spiel „Siedler von Catan“. Bunte Sechsecke werden präzise aus Stoffkreisen gefaltet. Die sogenannten Hexis werden dann ebenso präzise zusammengenäht. Foto: Romuald Banik
Patchwork funktioniert auch wie das Spiel „Siedler von Catan“. Bunte Sechsecke werden präzise aus Stoffkreisen gefaltet. Die sogenannten Hexis werden dann ebenso präzise zusammengenäht. Foto: Romuald Banik
Laut Lübbers sind die Bedingungen dort perfekt – und zwar im Physiklabor. Da sei es hell und die Versorgung mit Steckdosen für Nähmaschinen und Bügeleisen sei hervorragend. Diesmal soll auch eine Dozentin aus Hannover dazukommen, die Kaleidoskop-Quilts erläutert.

Doch erst mal geht es zum Quip-Day um einen leichten Einstieg durch Zugucken oder Mitmachen.