Straßen- und Kanalsanierung In Aurich stehen zwei Millionenprojekte an
Glupe und Dwarsglupe sind seit Jahren in schlechtem Zustand. Nun geht es um neue Entwässerungsanlagen – und eine deutliche Veränderung der Straßengestaltung.
Aurich - Die Straßenausbaubeitragssatzung in Aurich ist abgeschafft. Und davon profitieren mit als Erste die Anwohner der Straßen Glupe und Dwarsglupe. Beide Straßen wurden in den 1950er-Jahren gebaut. Am Montag wurden die Ausbaupläne im Bauausschuss und später im Ortsrat Kernstadt vorgestellt.
Im Bauausschuss machte zunächst Ehlke Ubben von der Stadtentwässerung die Dringlichkeit der Sanierung deutlich. Denn unter dem welligen Straßenbelag lauern noch ganz andere Probleme.
Der betrachtete Abschnitt in der Glupe reicht vom Anschluss an die Leerer Landstraße bis zur Querung des Ostfrieslandwanderwegs. Das sind 550 Meter. Die Dwarsglupe ist 270 Meter lang. Laut Ubben wurden bei Befahrungen des Kanals in der Glupe 380 Schäden und in der Dwarsglupe 432 Schäden festgestellt. Dadurch sickere Sand in die Leitungen, was auch am Straßenbelag zu erkennen sei. Seit 2011 gehe es bereits um eine Erneuerung. Das letzte Hochwasser nach Starkregen habe es in dem Bereich 2021 gegeben, sagte Ubben.
Regenwasserkanal wird deutlich vergrößert
Nun würden die Regenwasserleitungen entsprechend angepasst: von einem Durchmesser von 40 Zentimetern auf 60 Zentimeter. Der Fließquerschnitt werde somit mehr als verdoppelt. Auch der Schmutzwasserkanal wird erneuert, ebenso alle Anschlüsse. Damit müssten die Rohre laut Ubben auch tiefer verlegt werden, denn der Abstand zwischen den Rohren und der Fahrbahndecke wäre sonst zu klein. Er sei es schon heute, was auch zu einem Teil der Schäden beigetragen habe.
Allein die Kanalerneuerung bedeutet also, dass die Straße raus muss. Auch die Kanalisation in der Gräfin-Anna-Straße solle erneuert werden, sagte Ubben.
Für den städtischen Haushalt bedeutet diese Kanalerneuerung im nächsten Jahr Kosten in Höhe von 1,7 Millionen Euro für die Glupe und die Gräfin-Anna-Straße. Für die Dwarsglupe ist die Erneuerung ab 2026 in der Vorlage der Verwaltung noch nicht beziffert.
Gehweg auf dem bislang gehweglosen Stück
Lukas Koppmann vom Ingenieurbüro Heidt und Peters stellte die Umgestaltung der Straßen vor. Der Bau gliedert sich in die Abschnitte 1) Glupe zwischen B72 und Einmündung Cirksenastraße, 2) Glupe zwischen Cirksenastraße und Ostfrieslandwanderweg und 3) Dwarsglupe.
Im Abschnitt 1 soll der Schotterweg gepflastert und auch beleuchtet werden. Die Poller bleiben aber erhalten, ebenso wie der Wendekopf, damit die Glupe keine Durchfahrt für Autos zur Bundesstraße bekommt. Zwischen Cirksenastraße und Ukenastraße ist die Glupe derzeit nur 4,50 Meter breit und ohne Nebenanlagen.
Parkdruck trifft auf einige Parkbuchten
Im zweiten Abschnitt ist die Glupe Koppmann zufolge 5,10 Meter breit und zum Teil mit einem überwiegend zweiseitigen, sonst einseitigen Gehweg mit einer Breite von 1,50 bis 1,80 Meter versehen. Diese Gehwege seien nicht regelkonform, weshalb künftig durchgehend nur auf einer Seite ein Gehweg verlaufen soll, der dann aber 2,50 Meter breit und mit Hochboard abgegrenzt ist.
Laut Koppmann herrscht sowohl in diesem Bereich der Glupe als auch vor allem in der Dwarsglupe ein hoher Parkdruck, weil auf den Grundstücken der Mehrparteienhäuser keine Stellplätze vorhanden seien. In der Glupe sollen in die 5,50 Meter breite Fahrbahn im Wechsel einige Parkbuchten eingebaut werden, möglichst mit Straßengrün als Abschluss. Insgesamt geht es um acht neue Bäume. In einigen Bereichen sollen am nördlichen Straßenrand Versickerungsmulden eingebaut werden – als zusätzlicher Puffer für Regenereignisse.
Die Knotenpunkte in der Glupe werden farblich abgesetzt. Einige ausgewählte Knotenpunkten werden außerdem aufgepflastert auf das Höhenniveau des Gehwegs.
Zwei neue Einbahnstraßen
Größere Veränderungen stehen dann im Folgejahr in der Dwarsglupe an. Dort parken sehr viele Autos, die Straße ist schmal. Deshalb soll sie laut Koppmann für motorisierten Verkehr künftig zu Einbahnstraße werden – in Richtung Glupe. Auch die benachbarte Hans-Böckler-Straße wird zur Einbahnstraße in die Gegenrichtung.
Für den motorisierten Verkehr bleibt in der Dwarsglupe eine Fahrbahn von vier Metern Breite. An der Westseite entsteht ein breiter Gehweg. Auf der Ostseite werden Versickerungsmulden angelegt. In diesen Streifen sollen auch Parkbuchten und neue Straßenbäume eingegliedert werden. Die bestehenden Bäume sollen in Glupe und Dwarsglupe nach Möglichkeit erhalten werden. Für die Dwarsglupe sind elf neue Bäume geplant.
Sorgen wegen Parkplätzen und Straßenüberquerungen
Die Planung wurde von den Ausschussmitgliedern positiv aufgenommen. Lediglich Hendrik Siebolds (Linke) kritisierte die geplanten Veränderungen an den Gehwegen. Ihm seien zwei nicht regelkonforme Gehwege an beiden Seiten lieber als die Tatsache, dass ständig Bewohner die Straße überqueren müssten. Dabei gehe es vor allem um Kinder, Gehbehinderte oder ältere Leute. Zudem bezeichnete er die Versickerungsbereiche als hinderlich. Wer die 15 bis 20 Zentimeter tiefen Mulden nicht durchqueren könne, müsse Umwege in Kauf nehmen.
Arno Fecht (FDP) sorgte sich eher um die Parkplatzsituation. Eingeplant seien nach seinem Eindruck deutlich weniger Stellplätze als nun genutzt würden.
Die Stadt hat nach einer ersten Kostenschätzung rund 960.000 Euro für die Erneuerung der Glupe und rund 520.000 Euro für die Dwarsglupe eingeplant.
Im Frühjahr 2025 werden zunächst in der Glupe die Entwässerungsanlagen erneuert. Der Straßenbau soll sich unmittelbar anschließen, um die Belastung für die Anwohner zu minimieren. Anschließend wird ab 2026 die Dwarsglupe in gleicher Vorgehensweise erneuert.