Soziale Einrichtung in Hage  Heimathafen-Betroffene fürchten Verlust der Wertschätzung

| | 04.06.2024 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Meike de Vries-Grensemann (links) und Linda Peters zeigen ihren Unmut über die Schließung des „Heimathafens“.Foto: Aiko Recke
Meike de Vries-Grensemann (links) und Linda Peters zeigen ihren Unmut über die Schließung des „Heimathafens“.Foto: Aiko Recke
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Aus finanziellen Gründen wurde das Bistro der Einrichtung in Hage geschlossen. Betroffene berichten über ihren Frust.

Hage - Eine Frau, die eigentlich auf dem Weg zum Nagelstudio ist, fragt angesichts der Protestplakate: „Wo kann ich unterschreiben?“. Ein Pärchen fragt: „Können wir hier noch einen Kaffee trinken?“.

Man musste am Freitagvormittag nur wenige Minuten vor dem „Heimathafen“ in Hage stehen, um direkt zu erleben, dass die Einrichtung offenbar durchaus ein beliebter Treffpunkt im Flecken ist.

Genau deshalb protestierten Meike de Vries-Grensemann und Linda Peters mit mehreren Plakaten gegen die Schließung des Bistros, das am Freitag seinen letzten Öffnungstag hatte. Die Norderin Peters ist Mutter einer Beschäftigten des „Heimathafens“. Ihre 24-jährige Tochter hat ein Handicap, aber durch die Arbeit in dem Bistro sei sie deutlich besser integriert worden, so Peters. Ihre Kritik zielt auch auf die Informationspolitik der Pflege- und Betreuungszentren (PBZ) GmbH, die eine Tochtergesellschaft des Landkreises Aurich ist. Einen Tag, bevor es in der Zeitung stand, habe sie von der Schließung erfahren, so Peters.

„Mitarbeiter sind frustriert“

Auch Meike de Vries-Grensemann aus Großheide sagt: „Die Mitarbeiter sind frustriert, weil sie ihre bisherige Arbeit, wo sie viel Wertschätzung erfahren haben, verlieren.“

So sollen die Mitarbeiter des Bistros des „Heimathafens“ künftig in der Küche des benachbarten Pflegeheims Helenenstift eingesetzt werden. Linda Peters ist nicht sicher, ob ihre Tochter das überhaupt leisten könne. Mitarbeiter der Holzwerkstatt des „Heimathafens“ sollen am „Bootshafen“ eingesetzt werden. Allerdings sollen wichtige Werkzeuge nicht dorthin mit umziehen können, unter anderem aus Lärmschutzgründen, berichtet de Vries-Grensemann.

Linda Peters sieht im „Heimathafen“ in Hage einen Ort der Begegnung und Inklusion mit viel Potenzial. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. So etwas gibt es selbst in Aurich und Norden nicht.“ Ihr Eindruck: „Die Politik interessiert es überhaupt nicht, was mit den Beschäftigten passiert.“ Und der Landkreis habe als Muttergesellschaft seine Aufsichtspflicht nicht ordentlich wahrgenommen.

Mehrere Kreispolitiker verteidigten Schließung

Denn als Grund für die Schließung hatte der Landkreis Ende April die schlechte Finanzlage von Helenenstift und „Heimathafen“ angegeben. Mehrere 100.000 Euro Verlust sollen aktuell unter dem Strich stehen, heißt es aus Politikerkreisen. Öffentlich ist wenig bekannt, die Sitzungen des Beirates und der Gesellschafterversammlung, die sich zuletzt häuften, finden nicht-öffentlich, also hinter verschlossenen Türen statt.

Mehrere Kreispolitiker von SPD, CDU und Freien Wählern teilten kürzlich auf Anfrage dieser Zeitung mit, sie sähen angesichts des hohen Defizits des Bistros des „Heimathafens“ keine Alternative zur Schließung. Es handele sich zudem um ein freiwilliges Angebot. Große Hoffnungen setzen alle nun in die neue PBZ-Geschäftsführerin Tanja Frerichs, die seit März Nachfolgerin von Reiner Olchers ist.

Kai Beitelmann, Sprecher der Linksjugend Aurich, hatte vor einigen Tagen eine Online-Petition gegen die Schließung des „Heimathafens“ gestartet, die mittlerweile mehr als 770 Menschen unterzeichnet haben.

Die Grünen fordern einen Stopp der Schließung.

Kreisverwaltung: Werkzeuge nicht notwendig

Die Auricher Kreisverwaltung teilte auf Anfrage mit, dass die genannten Werkzeuge aus der Holzwerkstatt „nicht notwendig für den fortlaufenden Arbeitsprozess“ seien. „Die benötigten Holzstücke werden in Kooperation mit der KVHS vorgefertigt und von den Teilnehmenden des Hafenkollektivs weiterverarbeitet. Außerdem werden neue Aufgabenbereiche am Bootshafen geschaffen“, heißt es.

Die Kreisverwaltung betont außerdem: „Sämtliche Verantwortlichen des Tätigkeitsbereichs waren frühzeitig in den Prozess eingebunden. Die weiteren Personengruppen wurden bereits am Folgetag der Beschlussfassung über die Zukunft des Heimathafens informiert.“

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