Neugeborene Lange Debatte um „Begrüßungsgeschenk“ in Südbrookmerland
Der Vorschlag, „Begrüßungsgeschenke“ für Neugeborene in Südbrookmerland einzuführen, hat für eine lange Diskussion gesorgt. Auch, weil der Begriff in die Irre führt.
Südbrookmerland - Die Überschrift des Antrages war unglücklich gewählt. Von einem „Begrüßungsgeschenk für Neugeborene“ war da die Rede, was einige Ratsmitglieder der klammen Gemeinde Südbrookmerland sofort in Abwehrstellung gehen ließ. Schließlich seien die Kassen leer und die Pflichtaufgaben groß. Dabei meinte die SPD/Linke-Gruppe, die den Antrag gestellt hatte, eigentlich etwas ganz anderes. Was genau, das schilderten die Mitglieder kürzlich im Südbrookmerlander Sozialausschuss – und lieferten damit die Einleitung zu einer langen Diskussion.
Mit dem „Geschenk“, das die Genossen in ihrer Überschrift angesprochen hatten, meinten sie eigentlich eine Art Informationsbroschüre, wie die SPD-Mitglieder des Ausschusses erklärten. Junge Eltern sollten eine Übersicht darüber bekommen, wo sie für verschiedene Fragen die richtigen Ansprechpartner finden und welche Angebote es für sie in der Gemeinde gibt. Beispielhaft nannten die Genossen Krabbelgruppen und Elterncafés. Auch wertschätzende Worte sollten an die Neugeborenen gerichtet werden. „Schön, dass du da bist!“
Skepsis bei Südbrookmerlander Verwaltung
Doch während durch das „Begrüßungsgeschenk“ aufgeschreckten Ratsleute langsam wieder ihren Ruhepuls erreichten, stieg der Blutdruck aufseiten der Verwaltung. Es sei kaum leistbar, eine solche Übersicht zu erstellen und aktuell zu halten, warf Joachim Betten ein. Darüber hinaus sei vieles von dem, was sich die Befürworter für die Übersicht wünschten, bereits vorhanden. Nämlich auf der Homepage der Gemeinde. „Und sie wollen jetzt weg von der Homepage? Das ist doch ein Schritt rückwärts“, so Betten mit Blick auf eine gedruckte Broschüre, die nach Vorstellungen der Befürworter an die jungen Familien ausgegeben werden soll. „Wenn das Ding gedruckt ist, ist es schon wieder alt.“
Viele Informationen auf der Internetseite von Südbrookmerland
In der Tat finden sich auf der Internetseite der Gemeinde viele Informationen für junge Familien. Beispielsweise zu den Kindertagesstätten. Wer den Aufbau der Seite einmal verstanden hat, wird fündig. Wer sie zum ersten Mal besucht, braucht vermutlich eine Weile. Allerdings: Über Angebote von Vereinen, die Krabbelgruppen oder Eltern-Kind-Turnen anbieten, findet sich dort tatsächlich nichts.
Die Meinungen im Ausschuss gingen mit fortschreitender Diskussion immer weiter auseinander. Elternvertreterin Ina Wilken hielt den Vorschlag vor allem für Eltern interessant, die in der Gemeinde noch nicht in Vereinen und Gruppen vernetzt sind. Karsten Knippelmeyer (CDU) wollte von der Sache hingegen gar nichts wissen. Er sehe die Notwendigkeit nicht. „Man meint immer, man muss alles vor die Füße geworfen kriegen. Wenn sich einer im Teddybärenkostüm in Aurich auf den Marktplatz stellt, geht das viral und jeder weiß es. Die nächste Krabbelgruppe findet man aber nicht“, so Knippelmeyer. Auch Ali Awada (Grüne) war gegen eine Broschüre. „Was soll denn da rein? Dass wir 20 Millionen Euro Schulden haben?“
Jetzt soll der Landkreis Aurich helfen
Letztlich passierte das, was in Südbrookmerland in solchen Fällen fast immer passiert. Die Diskussion wurde vertagt, das Thema zurück in die Fraktionen gegeben. Für eine der nächsten Sitzungen sollen Vertreter des Landkreises Aurich eingeladen und den von der Behörde vorgehaltenen Eltern-Info-Dienst „Bi d‘ Hand“ vorstellen. Dieser könnte bereits einiges abdecken, was sich manche Südbrookmerlander von dem „Begrüßungsgeschenk“ erhoffen.