Tourismus in Südbrookmerland Was darf der Fremdenverkehr kosten?
Was darf der Tourismus in Südbrookmerland kosten? 2023 stand unter der Bilanz der Südbrookmerland Touristik GmbH ein Minus von mehr als einer halben Million Euro. Die Politik will gegensteuern.
Südbrookmerland - Ohne diese Kritik vergeht kaum eine Sitzung des Südbrookmerlander Finanzausschusses: Die Südbrookmerland Touristik GmbH ist ein zu großes Minusgeschäft, so die Meinung vieler Politiker. Vom Gegenteil konnten sie bislang weder die Touristiker selbst noch Kämmerer Wilfried Müller überzeugen. Viele Ratsmitglieder sehen vor allem die Zahl von mittlerweile über einer halben Million Euro, vor der in der Bilanz des gemeindeeigenen Betriebes ein dickes Minus steht. Nun will die Politik den Touristikern genauer auf die Finger schauen, während die hoffen, die Ratsmitglieder von der Notwendigkeit der Ausgaben überzeugen zu können.
Südbrookmerlander Bürgermeister bringt Arbeitskreis ins Spiel
Ein Arbeitskreis mit Vertretern aller Fraktionen und Gruppen im Gemeinderat soll gegründet werden und sich eingehend mit dem Thema beschäftigen. Diese Idee brachte Bürgermeister Thomas Erdwiens (FWG) in der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses hervor. Ein spontaner Einfall, wie er sagt. Inzwischen hat der Südbrookmerlander Verwaltungsausschuss grünes Licht für die Gründung der Arbeitsgruppe gegeben.
Ihr angehören sollen Vertreter aller Fraktionen und Gruppen des Gemeinderates, Mitarbeiter der Touristik GmbH und der Gemeindeverwaltung. Was die Besetzung betrifft, hat Thomas Erdwiens die Hoffnung, dass seitens der Politik Vertreter geschickt werden, die nicht auch schon dem Aufsichtsrat der Touristik GmbH angehören. Vorschreiben kann und will er dies aber niemandem.
Erste Mitglieder des Touristik-Arbeitskreises stehen bereits fest
Seitens der Verwaltung wird laut Erdwiens der Sachbearbeiter der Kämmerei, Thomas Debelts, in die Arbeitsgruppe geschickt werden. Für die Touristik GmbH werden laut Erdwiens der Co-Geschäftsführer Christian Albers und Buchhalterin Anke Schöl dabei sein.
Und welches Ziel soll die Arbeitsgruppe verfolgen? Manche würden vermutlich sagen, sie solle sich um die Senkung des Defizits kümmern. Ganz so einfach ist es laut Erdwiens allerdings nicht. Möglicherweise komme die Gruppe auch zu dem Ergebnis, dass es keine größeren Stellschrauben zur Senkung des Defizits gibt. Wenn diese Einsicht ein Ergebnis der Beratungen sei, sei das auch ein Gewinn, so der Verwaltungschef.
Kritik an Defizit der Touristik GmbH gibt es seit vielen Jahren
Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Touristik GmbH ein Minus von rund 504.000 Euro. Die Gesellschaft ist so etwas wie eine Tochterfirma der Gemeinde. Die gleicht das jährliche Defizit mit Haushaltsmitteln aus. Die Kritik daran ist nicht neu. Schon die frühere Geschäftsführerin der Touristik GmbH, Magret Sutorius, war immer wieder gezwungen, das Defizit gegenüber der Politik zu rechtfertigen. Dabei war dieses in ihrer aktiven Zeit nur halb so hoch wie heute.
Dabei ist den meisten Ratsmitgliedern durchaus bewusst, dass Tourismus nicht nur Ausgaben, sondern vor allem auch Einnahmen bedeutet. Und von denen profitiert die Gemeinde. Das Problem: Die Einnahmen sind nicht auf den ersten Blick zu erkennen und lassen sich auch nicht exakt beziffern, sondern nur schätzen. Klar ist aber: Von jedem Euro, den Touristen in Südbrookmerland ausgeben, erhält die Gemeinde einen Anteil. Vor allem durch Steuern. Vor einigen Monaten hatte Kämmerer Wilfried Müller vorgerechnet, dass die Touristik GmbH so gesehen unter dem Strich gar kein Minus erwirtschafte, sondern Gewinne einfahre. Kritiker fragen hingegen immer wieder, ob sich Einnahmen in ähnlicher Höhe nicht auch erwirtschaften ließen, wenn deutlich weniger Geld dafür in die Hand genommen werden müsse.
Parkgebühren am Großen Meer stehen nicht in der Bilanz
Ein weiteres Problem ist, dass Einnahmen, die direkt dem Tourismus zugeschrieben werden könnten, nicht in der Bilanz der Touristik GmbH auftauchen. Ein Beispiel dafür sind die Parkgebühren am Großen Meer, die in der Regel von Touristen oder Einheimischen gezahlt werden, die die touristische Infrastruktur am Großen Meer nutzen. Das Geld fließt jedoch direkt in die Gemeindekasse.
Der Arbeitskreis soll sich Einnahmen und Ausgaben nun sehr genau anschauen und Ideen entwickeln, wie das touristische Defizit unter dem Strich gesenkt werden könnte.