Moordorf  Sorgen wegen Rasern am Ritzweg

| | 17.05.2024 21:42 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf einem Schild werden Autofahrer in diesem Symbolbild auf Kinder im Bereich der Straße hingewiesen. Um die sorgen sich auch die Anwohner des Ritzweges in Moordorf. Foto: Robert Michael
Auf einem Schild werden Autofahrer in diesem Symbolbild auf Kinder im Bereich der Straße hingewiesen. Um die sorgen sich auch die Anwohner des Ritzweges in Moordorf. Foto: Robert Michael
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Autofahrer, die von der Bundesstraße in den Ritzweg in Moordorf abbiegen, sind häufig zu schnell. Nun gibt es Vorschläge zur Verbesserung. Doch die Verwaltung will abwarten.

Moordorf - Als sich die Mitglieder des Südbrookmerlander Bauausschusses gerade am Ritzweg in Moordorf versammelt hatten, bot sich ihnen schnell das Bild, um das es bei diesem Treffen gehen sollte: Mit vergleichsweise hoher Geschwindigkeit bog ein Auto von der Bundesstraße in die großzügige Einmündung ab und brauste davon. Seit Langem klagen Anwohner darüber und sehen Gefahren. Ihre Forderung: Die Einmündung muss entschärft werden. Doch das scheint nach Darstellung der Gemeindeverwaltung schwieriger zu sein, als es auf den ersten Blick aussieht.

Seit der Sanierung der Bundesstraße vor einigen Jahren lädt der Einmündungsbereich geradezu zum Rasen ein, wie Anwohner beklagen. Vor allem der Autoverkehr aus Richtung Georgsheil trifft dort auf eine breite Zufahrt. Nur wenige Fahrer verlangsamten ihre Fahrt, bevor sie die Bundesstraße verließen, so die Kritik. Laut den Anwohnern stellt das unter anderem für Kinder, die im Ritzweg nahe der Einmündung spielen, eine Gefahr dar. Tatsächlich ist der Ritzweg bei einem solchen Fahrverhalten von der Bundesstraße aus nur schwer einsehbar. „Ich habe nichts dagegen, wenn ein Blitzer bei uns auf dem Grundstück steht“, sagte eine Anwohnerin, die sich gemeinsam mit anderen zur Bürgerinitiative „Safety Ritzweg“ zusammengeschlossen hat.

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Die Mitglieder des Bauausschusses machten sich am Donnerstagabend vor Ort ein Bild von der Situation. Schnell war dabei auch für sie klar, dass der Einmündungsbereich entschärft werden muss. Berthold Lübben (SPD) war der Erste, der sich nach einer pragmatischen Lösung erkundigte. Er könne sich erinnern, dass in dem Bereich früher bepflanzte Betonkübel gestanden hätten. Diese hätten dafür gesorgt, dass Autofahrer auf der Bundesstraße zunächst abbremsen mussten, bevor sie in den Ritzweg einfahren konnten. Von der Verwaltung wollte er wissen, ob diese nicht wieder aufgestellt werden könnten.

Bauamtsleiter bleibt klare Antwort schuldig

Eine klare Antwort erhielt er darauf allerdings nicht. Stattdessen begann Bauamtsleiter Konke Wienekamp einen Vortrag darüber, was am Ritzweg geplant sei. Es geht bekanntlich um einen durchgängigen Fuß- und Radweg. Den gibt es an der Straße bislang nur zwischen der Ekelser Straße und dem Kirchenweg. Durch Mittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) des Landes soll der Fuß- und Radweg bis zur Bundesstraße verlängert werden. Der Gemeinde ist es gelungen, in das Förderprojekt aufgenommen zu werden. Eine feste Zusage der Mittel steht aber bislang noch aus, weshalb auch noch völlig unklar ist, wann der Radweg gebaut wird. Dennoch argumentierte Wienekamp, dass es im Zuge dieser Planungen auch um die Entschärfung der Einmündung gehen werde. Er sprach von einem „Sicherheitsaudit“, das demnächst anstehe.

Die Frage der Politik nach kurzfristigen Möglichkeiten der Entschärfung war damit jedoch nicht beantwortet. Und dabei bleibt es trotz mehrmaliger Nachfragen auch. Ins Schwimmen kam Wienekamp auch, als sich die Ausschussmitglieder nach den Eigentumsverhältnissen der Fläche erkundigten, auf der beispielsweise Pflanzkübel oder Poller zur Verlangsamung des Verkehrs aufgestellt werden könnten. „Wir haben da Zugriff drauf“, so Wienekamp. Ob der Bereich aber in Besitz der Gemeinde oder des Landes ist, wusste er nicht – obwohl Termin und Anlass der Bereisung im Rathaus bekannt waren.

Am Thema vorbei

Ein Kommentar von Holger Janssen

Am Thema vorbei arbeitet das Südbrookmerlander Bauamt in Sachen Ritzweg in Moordorf. Statt sich zunächst der Sorgen der Anwohner anzunehmen, konzentriert sich Amtsleiter Konke Wienekamp auf eine Baumaßnahme, für die noch nicht einmal Geld bereitsteht. Er verweist auf anstehende Gespräche dazu, wie der Einmündungsbereich zur Bundesstraße dadurch irgendwann einmal entschärft werden könnte. Bis dahin könnten aber noch Jahre vergehen und viele brenzlige Situationen entstehen. Muss erst etwas passieren? Es ginge auch einfacher. Vorschläge, die Einfahrt mit Pollern oder großen Blumenkübeln zu entschärfen, kamen beim obersten Bauherrn der Gemeinde aber gar nicht an. Im Gegenteil: Er wich entsprechenden Fragen der Politiker sogar aus. So geht es nicht. Bürgernahe Verwaltungsarbeit sieht anders aus.

Bekannt sind dort seit Monaten auch die Sorgen der Anwohner. Spätestens seit die Gemeinde im vergangenen Jahr zu einer Bürgerversammlung wegen der Radwegpläne eingeladen hat, ist das Bauamt über die Probleme informiert. In der Folge hatte es laut Wienekamp eine Verkehrsbereisung gegeben. Ein Ergebnis daraus: Am Ritzweg wurde geblitzt. Über die Ergebnisse der Aktion ist nichts bekannt. Jedoch hat diese mit den Sorgen im Einmündungsbereich ohnehin wenig zu tun. Als nächsten Schritt plant die Verwaltung die Installation sogenannter Verkehrssmileys. Auf den digitalen Tafeln soll Autofahrern angezeigt werden, wenn sie zu schnell unterwegs sind. Aber auch diese Aktion dürfte an den Problemen im Einmündungsbereich wenig ändern, weil sie erst greift, wenn die Autos bereits abgebogen sind.

Ratsmitglied kündigt Antrag zum Ritzweg an

Ausschussmitglied Wilhelm Reinken (FWG) setzt offenbar auf eine möglichst schnelle Entschärfung der Gefahrenstelle und will auf keinen Fall warten, bis dort etwas passiert. Er kündigte einen schriftlichen Antrag auf bauliche Maßnahmen an, mit denen der Abbiegeverkehr verlangsamt werden soll. Das Problem: Auch bei einem solchen Antrag ist die Politik darauf angewiesen, dass die Verwaltung diesen schnell auf die Tagesordnung setzt und nach einem entsprechenden Beschluss schnell umsetzt. Dass dazu der Wille da ist, daran gibt es nach der Sitzung am Donnerstag aber durchaus Zweifel.

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