Autorin aus Victorbur  Für ihre Kinder griff sie zur Feder

| | 14.05.2024 18:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Christine Günnel schreibt für ihr Leben gerne. Nun ist ihr Buch über Ost-Victorbur in einer Neuauflage erschienen. Fotos: Holger Janssen
Christine Günnel schreibt für ihr Leben gerne. Nun ist ihr Buch über Ost-Victorbur in einer Neuauflage erschienen. Fotos: Holger Janssen
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Um die Geschichten aus ihrer Kindheit für spätere Generationen zu bewahren, begann Christine Günnel zu schreiben. Eines ihrer Bücher über ein Dorf in Südbrookmerland erscheint nun in einer Neuauflage.

Victorbur - Wenn der Lehrer in der Schule zum Aufsatz bat, war das für die Victorburerin Christine Günnel ein guter Tag. Leidenschaftlich gerne schrieb sie schon als Schülerin Geschichten. Daran, irgendwann einmal Bücher zu schreiben, dachte sie damals noch nicht. Doch mittlerweile sind elf Werke von ihr erschienen. Und damit soll noch längst nicht Schluss sein. Eines ihrer Bücher erscheint nun aber zunächst in einer Neuauflage.

Dass die 67-Jährige auch nach ihrer Schulzeit wieder zu Stift und Papier griff, liegt vor allem an ihren Töchtern. Immer wieder hatten die ungläubig geschaut, wenn ihre Mutter die alten Geschichten aus ihrer Kindheit erzählte. Wenn es um das Spielen mit alter Weltkriegsmunition oder um das geschickte Fangen von Spatzen ging. Eines Tages begann Christine Günnel, diese Geschichten aufzuschreiben. In plattdeutscher Sprache, wie es für sie eigentlich selbstverständlich war. Die Kinder zeigten die Geschichten ihren Freunden, die erzählten wiederum anderen davon und immer öfter hörte Christine Günnel Sätze wie: „Da musst du ein Buch drüber schreiben.“

Geschichten für eine Wochenzeitung

Ein Buch wurde es nicht sofort, aber in den 90er Jahren schrieb Christine Günnel Geschichten für eine Wochenzeitung, die damals in der Region erschien. Nach einiger Zeit hatten sich so viele Geschichten angesammelt, dass Günnel sie Ende der 1990er Jahre im Buch „Mundjes Möge“ zusammenfasste. Längst hatte sie da schon das Schreiben gepackt. 2003 brachte sie dann das erste von drei Büchern der „Stine“-Reihe heraus, in dem sie Erinnerungen aus ihren Kinderjahren „unner ‚t Moor“ wiedergab. „Dann war ich sozusagen als Autorin gefangen“, sagt Christine Günnel heute mit einem Lachen. Andere, die ihre Bücher gelesen hatten, erzählten ihre Geschichten. Den Satz „Da musst du ein Buch drüber schreiben“, wurde die Victorburerin nicht mehr los. Weitere Werke entstanden, darunter sowohl biografische als auch der Roman „Die Wächter des Nordens“. Der wäre sogar beinahe verfilmt worden, wie Günnel heute sagt. Wenngleich das zwar am Ende nicht geklappt hat, ist dieser Roman bis heute ihr erfolgreichstes Buch.

Gemeinsam mit ihrem Mann Rudolf zog die gebürtige Südbrookmerlanderin einst nach Haxtum. Als es dort darum ging, eine Chronik für Haxtum, Extum und Rahe zu erstellen, war sie mit dabei. Eine lehrreiche Zeit, wie sie heute sagt. Sie sammelte Erfahrungen, lernte viel über historische Quellen und darüber, wie sich die Geschichten früherer Generationen aufschreiben lassen.

Wie Zufälle zur Neuauflage führten

In den 1990er Jahren zog das Paar zurück nach Ost-Victorbur, in das Geburts- und Elternhaus der Autorin. Und prompt stellte sie fest, dass es über ihren Heimatort Ost-Victorbur bis dato noch kein Buch mit den alten Geschichten gab. Kurzerhand setzte sie sich an den Schreibtisch und begann, zu schreiben. 2003 erschien dann das von der Moordorfer Druckerei Nesić produzierte Buch „Aus vergangenen Zeiten – Ost-Victorbur“. Auf gut 120 Seiten berichtet die Autorin über selbst Erlebtes und Erzähltes aus ihrem Heimatdorf.

Und damit traf sie offenbar einen Nerv. Schnell war das Buch seinerzeit vergriffen. Doch eine Reihe von Zufällen führte nun dazu, dass das Buch in einer zweiten Auflage erschienen ist. Da war zum einen die in letzter Zeit gestiegene Zahl an Nachfragen. Günnel nimmt an, dass Hinterbliebene ihre Bücher nun vermehrt in Nachlässen finden und dadurch erst auf die Werke aufmerksam werden. Es sei denkbar, dass diese dann mehrere Exemplare benötigten. Bislang musste die Autorin beim Buch über Ost-Victorbur jedoch stets passen. Dann folgte Zufall Nummer zwei: Eigentlich hatte Christine Günnel auf ihrem Computer nach etwas ganz anderem gesucht, doch irgendwie stieß sie auf die Datei mit dem Manuskript. Fragen kostet nichts, dachte sie sich und sprach Anja Stresow von der Druckerei Nesić auf eine mögliche Neuauflage an. Klar, dass so ein Projekt wegen der Kosten gut durchdacht sein will. Druck, Bindung und Einband kosten schließlich Geld, das über den Verkauf wieder erwirtschaftet werden muss. Und da kam Zufall Nummer drei ins Spiel. In einer Ecke ihres Lagers hatte Anja Stresow noch einen Karton mit den farbigen Buchumschlägen gefunden, die seinerzeit nicht benötigt wurden. Das ließ die Kalkulation gleich viel besser aussehen und so ging das Werk in den Druck.

Hier ist das Buch ab sofort erhältlich

In dem Buch finden sich viele Geschichten über Ost-Victorbur und über die Menschen, die dort lebten. Und über die Betriebe, die es dort einst gab. Die Dampfbäckerei Lorenz zum Beispiel, oder das Kolonialwarengeschäft von Hillrich Doden. Es gibt Geschichten aus der Zeit um 1954, als Ost-Victorbur an das Stromnetz angeschlossen wurde, und darüber, wie ein besonders trockener Sommer für große Probleme sorgte. Illustriert ist das Buch mit etwa 150 Bildern und alten Karten.

Erhältlich ist „Aus vergangenen Zeiten – Ost-Victorbur“ für 16 Euro beim Schuhgeschäft Cramer in Victorbur, bei der Druckerei Nesić und bei Autorin Christine Günnel unter Telefon (04942)2801.

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