Entscheidung im Ausschuss Sicherheit für 440 Schulbegleiter im Kreis Aurich
Sie helfen mittlerweile fast 1000 Kindern im Kreis Aurich im Schulalltag - Tendenz steigend. Dabei kommt ein neues Betreuungsmodell zum Einsatz, das sich offenbar bewährt hat.
Aurich - Sie geben Mädchen und Jungen mit Handicaps Sicherheit im Schulalltag. Nun gibt es auch für die mehr als 440 Schulbegleiter im Landkreis Aurich Sicherheit: Einstimmig haben der Jugendhilfe- und der Sozialausschuss am Montag die Fortsetzung des sogenannten Poolmodells empfohlen, das 2018 eingeführt wurde. „Sie waren der Zeit sechs Jahre voraus. Sie können anderen zeigen, wie es geht. Da werden viele neidisch hingucken“, lobte Heinz Müller vom Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ISM). Die Umsetzung im Kreis Aurich könne Vorbild für andere Kommunen in Deutschland sein.
Durch die Verstetigung des Poolmodells werde auch die Entfristung der Arbeitsverträge der Schulbegleiter möglich, um bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen, so die Kreisverwaltung. Sybille Kühnel vom ISM berichtete von einem enormen Anstieg der Fallzahlen auch im Kreis Aurich – von 106 im Jahr 2011/12 auf mittlerweile 917. Die Zahl der Schulbegleiter stieg von 229 auf mittlerweile 442. Gestiegen sind auch die Kosten, von einst drei Millionen Euro im Schuljahr 2016/17 auf mittlerweile fast zehn Millionen Euro im Haushaltsjahr 2024. Hauptfaktor dabei seien die Lohnkostensteigerungen, erklärte Kühnel.
Viel positives Feedback aus der Kreispolitik
Trotz der hohen Kosten dürfte soviel Lob wie in der Sitzung am Montag bei den Spitzen der Auricher Kreisverwaltung runtergegangen sein wie Öl. Nicht nur Kühnel und Müller vom ISM sehen das Poolmodell als vorbildhaft an. Auch von der Kreispolitik gab es fast nur positives Feedback. „Wir Grünen haben das Poolmodell von Anfang an favorisiert. Unser Schulsystem ist in der Krise. Jede Million, die wir da investieren, ist gut angelegtes Geld, auch unter Sparbedingungen. Es ist die einzige Möglichkeit, unsere Gesellschaft nachhaltig zusammenzuhalten“, meinte Grünen-Fraktionssprecherin Gila Altmann (Aurich). Sie betonte, das müsse aber auch in einer guten tariflichen Bezahlung der Schulbegleiter niederschlagen.
Kevin de Vries (SPD, Krummhörn) stieß ins gleiche Horn: „Chancengleichheit kostet nunmal Geld. Wir haben ein tolles Vorzeigemodell.“ Der Dank der SPD gehe an die Schulbegleiter, die tolle Arbeit leisteten. Heinrich Ubben (Freie Wählergemeinschaft, Brookmerland) sprach ebenfalls von einem „sehr gelungenen Modell“, das die Inklusion stärke. „Das Aussortieren und Abschieben von jungen Menschen, die in den Augen vieler nicht für das Berufsleben geeignet sind, kann und darf sich unsere Gesellschaft nicht mehr leisten“, so Ubben. Bei einem Besuch seiner Fraktion an der IGS Marienhafe-Moorhusen habe Schulleiter Kai Hoope sehr positiv über die Arbeit der Schulbegleiter berichtet, die eine große Unterstützung der Lehrkräfte seien. Es sei wichtig, dass das Personal nun im System gehalten werde. Die Freie Wählergemeinschaft hatte die zeitige Fortführung des Poolmodells bereits vor einigen Monaten beantragt.
Bei CDU hielt sich Begeisterung wegen Kosten in Grenzen
Etwas Wasser in den Wein goß Harald Tammen (CDU, Brookmerland). „Die Begeisterung hält sich in Grenzen“, sagte er. Denn die Fallzahlen seien nach Einführung des Poolmodells 2018 weiter deutlich gestiegen, ebenso die Kosten – auf mittlerweile fast zehn Millionen Euro jährlich. Gleichwohl stimmte auch die CDU für die Fortführung. Heinz Müller vom ISM sagte, es sei eben nicht nachweisbar, wieviele zusätzliche Betreuungsfälle durch das Poolmodell verhindert wurden. „Das ist nicht messbar. Das ist das Präventionsdilemma.“ Müller betonte aber, es sei wichtig, in Vorbeugung, zu investieren, um spätere Eingriffe (Intervention) zu verhindern.
Laut Müller ist die Zustimmung zum Poolmodell mit mehr als 80 Prozent vor allem bei den Eltern hoch. „Sonst wäre es auch nicht fortzusetzen gewesen“, so Müller. Etwas weniger hoch war in einer Befragung die Zustimmung bei den Schulleitungen. Diese seien allerdings mit sehr hohen Erwartungen in das Projekt gestartet, gab Müller zu bedenken. Der Leiter des Amts für Jugend und Soziales, Michael Müller, erinnerte an die Vorgeschichte der Einführung des Poolmodells – und an die Vorteile.
KVHS-Tochterfirma Auno ist für Beschäftigte zuständig
Die Schulbegleiter betreuen Mädchen und Jungen mit verschiedenen Handicaps im Schulalltag. Zum Schuljahr 2018/19 führte der Landkreis das sogenannte Poolmodell als neue Betreuungsform ein. Dabei gibt es keine Eins-zu-eins-Betreuung der Kinder mit Unterstützungsbedarf mehr, sondern flexible Betreuungsformen in kommunalen Schulverbünden. Dadurch sei das Modell effizienter, heißt es.
Für die Beschäftigung der derzeit gut 440 Schulbegleiter hatte der Landkreis über seine Kreisvolkshochschulen eine eigene Tochterfirma gegründet, die Auno gGmbH. Seit 2017 hatte es immer wieder intensive Diskussionen um die Bezahlung der Schulbegleiter gegeben. Diese wurde schließlich auch auf Druck der Kreispolitik schrittweise erhöht.