Mühle in Münkeboe Neue Ausstellungsteile sind in der Mache
In Münkeboe muss weiterhin Geld für die Galerie-Erneuerung gesammelt werden. Inhaltlich soll es künftig verstärkt um die Menschen hinter dem Handwerk und praktische Anschauung gehen.
Münkeboe - Manche Mühlen mahlen langsam – und wenn es um die Beantragung von Fördergeld und das Aufbringen von Eigenmitteln geht, dann besonders.
Karl Constant, Vorsitzender des Mühlenvereins Münkeboe, braucht mehr Geduld, als er gehofft hatte. Zwar konnten seit dem vergangenen Jahr für rund 10.000 Euro bereits die schadhafte Mühlenkappe repariert und die Beleuchtung schon zu weiten Teilen auf LED umgestellt werden. Doch die Finanzierung der neuen Galerie steht gerade mal knapp zur Hälfte. „Bei den Leuten sitzt das Geld nicht mehr so locker“, seufzt Constant.
Noch fehlen rund 8000 bis 9000 Euro an Eigenmitteln, bis der Verein die schon zugesagten Fördergelder für die Erneuerung des morschen „Mühlenbalkons“ tatsächlich abrufen kann.
Bilderausstellung besser ausgeleuchtet
Aus eigenen Mitteln kann der Verein dies nicht finanzieren. Was an Mitgliedbeiträgen reinkomme, gehe in laufenden Posten wie Strom und Versicherungen fast vollständig auf.
Einige größere Reparaturen hat der Verein bereits gestemmt: vor allem beim Blitzableiter und bei der Elektrik.
Außerdem wurde laut Constant in den vergangenen Monaten der Boden des Anbaus neu gefliest. Und die kleine Bilderausstellung über die Rettung der Mühle Ende der 1980er-Jahre wurde neu und besser ausgeleuchtet und auch aufgereinigt. „Früher haben die Besucher kaum Notiz davon genommen, nun ist das der erste Anziehungspunkt“, so Constant.
Während die Suche nach Spenden weitergeht, tut sich einiges in der Mühle und im Anbau. Seit dem vergangenen August gibt es im Dörpmuseum, das aus dem Mühlenverein hervorging, „das wir viel zu lange vernachlässigt haben“, wie Museumsleiter Otto Klatt sagt. Mit der „Kinner-Tied“ gibt es parallel zu den Aktionstagen im Museum ein besonderes Angebot.
Kinner-Tied schlug voll ein und sorgt manchmal für offene Münder
„Die Idee stammt, und darauf bin ich stolz, aus der Mühle“, sagt Constant. Renate Janssen hat das Angebot entwickelt. Zuletzt ging es um Struukbessen – und damit natürlich auch um Hexen, Zaubertränke und den Zauberlehrling. Die Kinder hätten bei den spannenden Erzählungen über die Magie mit offenen Mündern zugehört, sagt Janssen.
Was in der Mühle begann ist seit diesem Frühjahr ins Museum umgezogen. „Treten die Kinder hier aus der Mühle, sind sie direkt an zwei Straßen“, sagt Constant. Aus Sicherheitsgründen sei einhellig beschlossen worden, das Angebot dauerhaft in die Gulfscheune im Dörpmuseum zu verlagern. Dort sind nun also Aktionen unter freiem Himmel und unter Dach möglich.
Einige Stücke aus dem Gulfhof ziehen in die Mühle um
Aus der Gulfscheune musste nun einiges rausgeräumt werden. Zum Teil zieht es in die Mühle ein. Denn seit der Eröffnung des Apothekengebäudes im Dörpmuseum sind auch die Schneiderei, die Schusterwerkstatt und der Friseursalon mit umgezogen.
Im Erdgeschoss der Mühle werden nun Töpferwaren zum Verkauf angeboten. Und im Erdgeschoss des Anbaus sollen bald elektrische Kornmühlen Einzug halten. Möglicherweise bekommt der Mühlenverein auch noch eine Handkurbelmühle für Demonstrationszwecke.
Ausstellung über Menschen hinter dem Handwerk
Außerdem baut Renate Janssen in dem Raum gerade eine Ausstellung zu den Wurzeln des Dorfes Münkeboe auf. Dabei geht es um die klösterlichen Wurzeln des Ortes und die Geschichte der tom Brook.
Parallel arbeitet Janssen an einer weiteren Ausstellung. Die Gewerke sind hinübergezogen ins Dörpmuseum, aber die Personen, die einst mit den Gerätschaften gearbeitet haben, sollen ein Gesicht bekommen. Janssen hat die Familien aufgesucht, Fotos und Arbeitsmaterialien zusammengetragen, darunter alte Schuhe und Schnittmuster, Leisten und Berichtshefte sowie Nähmaschinen. Durch diese Ausstellung wird auch eine Verbindung zwischen der Mühle und dem restlichen Museum geschlagen.
Ebenso wie die früheren Handwerker sollen auch die Fleetjers als Eigentümer und langjährige Betreiber der Mühle einen Platz bekommen, wie Constant sagt.
Praktische Anschauung soll für Interesse sorgen
Constant will mehr praktische Anschauung in die Mühle einziehen lassen. Deshalb ist eine Ecke des Anbaus für eine Osttiroler Getreidemühle mit Siebmaschine reserviert, die der Verein gerne anschaffen möchte. Dort sollen Kinder und interessierte Besucher zusehen können, wie das Korn zerkleinert und das Mehl nach Mahlgrad sortiert wird. Man könnte vielleicht sogar damit backen, hofft Constant.
Im ersten Stock des Anbaus wartet noch ein riesiger Tischausleser, der dem Mühlenverein geschenkt wurde, auf seinen Zusammenbau. Dort ist zu sehen, wie Verunreinigungen wie Steinchen und andere Saaten aus dem Getreide sortiert werden.
Mehr praktische Anschauung wünscht Constant sich aber auch im Großen. Erst wenn die Galerie erneuert ist, darf die Mühle wieder drehen. Und erst dann hat sie wieder ihre volle Attraktivität.
Mühlentag mit besonderen Einblicken
Zeigen, was in dem Gebäude von 1853 bereits passiert ist und was noch passieren muss, wollen Constant und seine Mitstreiter am Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag. Dann wird die Töpferin vor Ort sein und das Rollende Museum vor der Tür frische Backwaren herstellen und verkaufen.
Der Ausbildungskurs für freiwillige Müller, zu dem auch zwei angehende Müller aus Münkeboe gehören, war kürzlich in der Fleetjer-Mühle zu Gast und hat dort den Mühlstein geschärft. Wie dieser „ausgepackt“ aussieht, ist dann noch zu sehen.
Und die beiden Müller in Ausbildung werden zusammen mit Constant Mühlenführungen anbieten. Ausnahmsweise geht es dann auf Wunsch auch für Besucher bis in die Kappe hinauf.
Und bestimmt steht irgendwo in der Mühle an dem Tag auch eine kleine Spendendose.
Geld ist jedoch nicht alles, was fehlt
Angesichts der vielen Pläne und anstehenden Aufgaben, geht es aber nicht nur um schnöden Mammon. Constant und seine Mitstreiter würden sich auch über helfende Hände freuen. „Das müssen keine Mühlenfachkundigen sein. Es gibt so viel zu tun“, sagt Constant. Wer Lust habe, sich einzubringen, sei herzlich willkommen.
Denn wenn nicht gerade eine Praxisausstellung konzipiert oder eine Galerie erneuert wird, braucht die alte Dame auch alltägliche Aufmerksamkeit. Und das manchmal ganz banal mit einem Taschenrechner, einem Besen oder einer Malerrolle. „Und wenn jemand sagt, er will nur Besorgungen machen, ist er eine willkommene Unterstützung.“