Nach mehreren Fällen  Gemeinde drängt auf Maßnahmen gegen Hochwasser am Großen Meer

| | 18.04.2024 17:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das war 2022: Große Teile des Feriengebiets am Großen Meer wurden überflutet. Anfang dieses Jahres kam es erneut zu einem Hochwasser. Foto: Feuerwehr Hinte
Das war 2022: Große Teile des Feriengebiets am Großen Meer wurden überflutet. Anfang dieses Jahres kam es erneut zu einem Hochwasser. Foto: Feuerwehr Hinte
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Zweimal ist in der jüngeren Vergangenheit das Feriengebiet am Großen Meer überflutet worden. Das soll sich möglichst nicht wiederholen. Nun wächst der Druck auf Grundstückseigentümer.

Bedekaspel - Wie kann das Feriengebiet am Großen Meer besser vor Hochwasser geschützt werden? Diese Frage stellten sich Verantwortliche zuletzt im Januar. Einmal mehr war es nach langanhaltenden Regenfällen zu einer Überflutung eines Teils des Gebietes gekommen. Bürgermeister Thomas Erdwiens (FWG) kündigte seinerzeit an, dass die Gemeinde Grundstückseigentümer mit Nachdruck auffordern werde, ihre Dämme zu erhöhen. Doch die Sache gestaltet sich schwierig.

Am 3. Januar ging im Hasenweg in Bedekaspel nichts mehr. Ein Seitenarm der Wiegboldsburer Riede, der als private Hafenanlage geschaffen wurde, konnte die Wassermassen nicht mehr halten und trat über das Ufer. Schnell standen zahlreiche Grundstücke unter Wasser. Ein ähnliches Szenario hatte es bereits zwei Jahre zuvor gegeben. Wie damals, war auch im Januar dieses Jahres die Feuerwehr mit einem Großaufgebot vor Ort. Sandsäcke wurden gefüllt, mobile Deichanlagen aufgebaut. Pumpen liefen auf Hochtouren.

Schwachstellen sind die Dämme

Die Schwachstellen waren schnell gefunden: An manchen Grundstücken im Feriengebiet fehlen Dämme entweder komplett oder reichen nicht aus. Das war auch 2022 schon festgestellt worden, doch längst nicht alle Grundstücksbesitzer besserten nach.

Die Gemeinde steht vor dem Problem, dass sie nicht in allen Bereichen des Feriengebietes zuständig ist. Selbst Straßen sind zum Teil in Privatbesitz. Laut Bürgermeister Thomas Erdwiens sei man also auf die Mitwirkung der Grundstückseigentümer angewiesen. 2022 habe es ein Angebot eines Unternehmers gegeben, die fehlenden Dämme zu bauen und vorhandene zu ertüchtigen. Die Kosten hätten aufgeteilt werden sollen. Doch dazu kam es nicht, weil einige nicht mitmachen wollten. Andere kümmerten sich immerhin selbst um das Problem.

Nach dem erneuten Hochwasser soll es diesmal klappen. Wieder liegt laut Erdwiens ein Angebot vor. Derzeit würden die Grundstückseigentümer vom Bauamt angeschrieben. Erdwiens hofft, dass es diesmal mit dem Bau eines geeigneten Dammes klappt.

Entwässerungsverband pocht auf Lösung

Dem zuständigen Entwässerungsverband Emden sind die Zustände im Feriengebiet ein Dorn im Auge. Obersielrichter Reinhard Behrends hatte den Bereich gegenüber unserer Redaktion als „Achillesferse des Gebiets“ bezeichnet. Das Problem: Die Feriensiedlung liegt in einem sogenannten Unterschöpfwerksgebiet. Aus diesem wird das Wasser eigentlich herausgepumpt. Läuft das private Hafenbecken im Feriengebiet über, fließen die Wassermassen in das Unterschöpfwerksgebiet zurück. Theoretisch droht dadurch sogar Überflutungsgefahr im Georgsheiler Gewerbegebiet. Laut Behrends müssten die privaten Hafenabschnitte so lange von der Wiegboldsburer Riede abgeschottet werden, bis die Dämme ertüchtigt sind. Beispielsweise durch eine Spundwand. Die hätte zur Folge, dass die Hafenabschnitte nicht mehr mit Booten angefahren oder verlassen werden könnten.

Das ist auch Thomas Erdwiens bewusst, der sogar noch einen Schritt weiterdenkt. Wenn sich nichts ändert, müsse darüber nachgedacht werden, die Hafenabschnitte zu verfüllen. Zumindest dort, wo sie in Gemeindebesitz sind.

Erdwiens: Einsatz der Feuerwehr nicht selbstverständlich

Darüber hinaus macht Erdwiens deutlich, dass auch der stundenlange Einsatz der Feuerwehr in dem Gebiet nicht selbstverständlich sei. Wegen der Hochwassergefahr müssten die Häuser ohnehin erhöht gebaut sein. Die Feuerwehr habe im Hochwasserfall dann nur noch die Aufgabe, gegebenenfalls Menschen aus den Häusern herauszuholen. Der Energieversorger müsse den Strom abschalten und dann könne man warten, bis das Wasser wieder abgeflossen sei. Erdwiens räumt aber auch ein, dass dieses Vorgehen für die Feuerwehrleute kaum ein gangbarer Weg wäre. „Die gucken da nicht einfach zu“, so der Verwaltungschef. Er setzt nun auf die Einsicht derer, die ihre Dämme noch nicht ertüchtigt haben. Sie sollten dies nun im Sinne der Allgemeinheit tun.

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