Verkehr in Südbrookmerland  Gemeinde erwägt dauerhafte Straßensperrung in Moordorf

| | 12.04.2024 19:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nur eines von unzähligen Schlaglöchern auf einem geschotterten Abschnitt der Straße „Im Tief“. Foto: Holger Janssen
Nur eines von unzähligen Schlaglöchern auf einem geschotterten Abschnitt der Straße „Im Tief“. Foto: Holger Janssen
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Weil eine Verbindungsstraße zwischen B210 und K118 in Moordorf immer wieder kaputtgefahren wird, könnte sie bald für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. Um diese Straße geht es.

Moordorf - Es ist kompliziert: Seit Jahren wächst im Südbrookmerlander Bauamt der Stapel mit Beschwerden über den Zustand der Straße „Im Tief“ in Moordorf. Das Problem: Ein Abschnitt der Straße ist nie ausgebaut worden und besteht aus Schotter. Jahr für Jahr muss der Bauhof anrücken und Schlaglöcher stopfen. Anwohner sind unzufrieden. Jetzt könnte es eine Lösung geben.

Manchmal ist es schon etwas abenteuerlich, die Verbindungsstraße zwischen B 210 und Neue Straße (K 118) zu befahren. Der nördliche Teil gleicht häufig einer Buckelpiste, ein Schlagloch reiht sich an das andere. Ein Grund für die Misere dürfte der Durchgangsverkehr sein. Kommt es an der Einmündung Neue Straße/Auricher Straße zu Staus, nutzen ortskundige die Schmale Straße als Abkürzung. Je nach Einstellung führen auch Navigationssysteme ihre Nutzer dort entlang.

Möglicherweise wäre all das kein großes Problem, wäre die Straße vernünftig ausgebaut. Doch das ist nicht der Fall. Noch nie wurde der Nordteil gepflastert, auch weil die Gemeinde nicht im Besitz sämtlicher dafür benötigter Flächen ist. Ein weiterer Grund: Die Anwohner müssten bei einem sogenannten Erstausbau 90 Prozent der Gesamtkosten tragen. Bislang waren sie nach Auskunft der Südbrookmerlander Gemeindeverwaltung dazu nicht bereit.

So sieht der Vorschlag der Südbrookmerlander Verwaltung aus

Doch wie lässt sich auf einen Ausbau verzichten und der Durchgangsverkehr von der Straße fernhalten? Das Zauberwort in der Verwaltungssprache heißt Entwidmung. Dabei wird einem Teil der Straße die sogenannte Widmung als öffentlicher Verkehrsweg entzogen. Dadurch hätte die Gemeinde die Möglichkeit, die Durchfahrt zu beschränken. Beispielsweise durch Poller. Diesen Vorschlag hatte die Gemeindeverwaltung in der Sitzungsvorlage gemacht.

Holschuld kostet Zeit

Ein Kommentar von Holger Janssen

Von einer Holschuld der Bürger sprach einst ein hochrangiger Gemeindevertreter, wenn es um Informationen über das politische Geschehen in Südbrookmerland ging. Formal gesehen mag er damit recht gehabt haben. Doch immer wieder schießt sich die Gemeinde mit dieser Denkweise ins eigene Knie. Dass die Anwohner Fragen zur Poller-Idee vor ihrer Haustür haben würden, war doch zu erwarten. Warum also wurden sie nicht offensiver von der Gemeinde über den geplanten Ortstermin und die anschließende Sitzung informiert? Ja, jeden einzelnen anzuschreiben, hätte Kosten verursacht. Das gilt aber für eine eigens einzuberufende Anliegerversammlung auch. Und viel schlimmer noch: Die kostet wertvolle Zeit.

Die war zwar öffentlich einsehbar. Doch es sollte eigentlich hinlänglich bekannt sein, dass sich die wenigsten Einwohner der Gemeinde regelmäßig über die Sitzungsinhalte informieren. Und weil sie auch nicht anderweitig informiert worden waren, hörten einige Anwohner der betroffenen Straße die Poller-Idee am Donnerstagabend zum ersten Mal. Auch von dem Ortstermin des Bauausschusses hatten sie eher zufällig erfahren.

Vor Ort anwesend war nur ein sehr kleiner Teil der Anwohner, der sich mit der Poller-Idee aber durchaus anfreunden könnte. Die Anwesenden favorisierten den Vorschlag, den Poller in etwa auf halber Strecke aufzustellen. Dann könnten die Anwohner des Nordteils ausschließlich den Weg über die Neue Straße nutzen und die Anwohner des Südteils müssten über die Bundesstraße fahren.

Anliegerversammlung für mehr Klarheit

Bei dem Ortstermin zeigte sich jedoch, dass es noch eine ganze Reihe offener Fragen zu klären gibt. Beispielsweise mit Blick auf die Müllfahrzeuge. Weil die in Wohnsiedlungen nicht mehr ohne Weiteres rückwärts fahren dürfen, müsste geklärt werden, wie die Abholung der Tonnen dann funktionieren soll. Denkbar wäre, dass Privatpersonen Flächen zum Wenden zur Verfügung stellen, wie Ausschussvorsitzende Sophia Ulferts-Dirksen (FWG) sagte. Ein Händler für Gartenartikel aus Stein sprach die Belieferung seines Geschäfts an, die ebenfalls sichergestellt sein müsse. Und Anwohnerin Petra Kalkwarf machte sich Sorgen um die Erreichbarkeit der Grundstücke mit Rettungsfahrzeugen. Zumindest diese Sorge ließ sich aber relativ schnell auflösen. So verfügen die Rettungskräfte laut Bauamtsleiter Konke Wienekamp über spezielle Schlüssel, mit denen die Poller umgelegt und dann einfach überfahren werden könnten.

Über die Straße „Im Tief“ gibt es immer wieder Beschwerden. Foto: Holger Janssen
Über die Straße „Im Tief“ gibt es immer wieder Beschwerden. Foto: Holger Janssen

Eigentlich hätte in der auf den Ortstermin folgenden Sitzung des Bauausschusses weiter über das Thema beraten werden sollen. Doch dazu kam es nicht. Die Ausschussmitglieder waren sich einig, dass die Entscheidung nicht über die Köpfe der Anwohner hinweg getroffen werden sollte. Stattdessen soll es nun auf Vorschlag von Ortsvorsteher Stefan Kleinert (SPD) eine Anwohnerversammlung geben, in der die Verwaltung über die verschiedenen Möglichkeiten informiert. Einen Termin gibt es dafür noch nicht. Der Ausschuss, so Sophia Ulferts-Dirksen, werde sich dann nach der Sommerpause erneut mit dem Thema befassen. Es ist also zu erwarten, dass die Anwohner der Straße noch mindestens bis Herbst mit der Situation leben müssen.

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