Neues Förderkonzept im Landkreis Aurich  Kita-Kinder sollen mehr selbstbestimmt lernen

| | 09.04.2024 12:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Rund 130 Kitas gibt es im Landkreis Aurich. Foto: Pixabay
Rund 130 Kitas gibt es im Landkreis Aurich. Foto: Pixabay
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Lang wurde um die Finanzierung der Kitas im Kreis gestritten. Doch bei der neuen Projektförderung soll es vor allem um Qualität gehen.

Aurich - Mehr als ein Jahr lang haben der Landkreis Aurich und die Städte und Gemeinden heftig um die Finanzierung der Kindertagesstätten gestritten. Im Mai 2023 einigte man sich schließlich auf einen Vertrag, der eine schrittweise Erhöhung des Landkreis-Zuschusses vorsieht – auch wenn die Diskussionen in vielen Gemeinden seitdem weitergehen.

Die Verantwortlichen vom Amt für Jugend und Soziales beim Landkreis betonten stets, dass es ihm vor allem darum gehe, die Qualität der zahlreichen Kitas anzugleichen. Im Zuge dieser „Qualitätsoffensive“ soll jetzt die Projektförderung der Kitas umgestellt werden – und zwar auf sogenannte Lernwerkstätten. Dort sollen die Kinder stärker selbstbestimmt lernen können, erklärte Behrend Janssen vom Kreisjugendamt den Kreistagsabgeordneten im zuständigen Ausschuss. Man wolle weg von der bisherigen „Produktpädagogik“. Die bisherige Projektförderung, die es seit 2012 gibt, beziehe sich immer auf einzelne Themen wie etwa Medienbildung. „Wir würden gerne umstellen, um die Qualität auszubauen“, erklärte Janssen. Die Fördersumme von insgesamt 75.000 Euro soll aber gleich bleiben. Demnächst wolle man beginnen, den „Ist-Zustand“ in den Kitas zu erheben.

30 von 130 Kitas kommen in den Genuss

In den Genuss der neuen Projektförderung sollen in den nächsten fünf Jahren insgesamt 30 der rund 130 Kitas im Landkreis kommen, jeweils zehn in drei Durchgängen, erklärte Matthias von Prüssing vom Kreisjugendamt. Er sprach gar von einem „pädagogischen Paradigmenwechsel“. Bei den „Lernwerkstätten“ seien die Erzieher nicht mehr „Experten“, sondern vielmehr „Begleiter“. Begleitet wird die Umstellung auch von Prof. Edita Jung von der Hochschule Emden, die dort den Studiengang Kindheitspädagogik leitet. Das Projekt habe sie überzeugt, erklärte Jung.

Behrend Janssen räumte ein, dass bei der Förderung nicht alle Kitas im Kreis Aurich berücksichtigt werden können. Eine internes Gremium werde die Auswahl treffen. Man wolle aber schauen, dass Einrichtungen aus möglichst vielen Kommunen mit dabei seien.

CDU-Kreispolitiker äußerte Bedenken

Anita Biller (SPD, Ihlow) betonte, es sei wichtig, dass die Mitarbeiter zeitig in die Planungen eingebunden werden. Siebelt Fohrden (CDU, Großefehn) sagte, er habe „ein bißchen Bedenken“. Schließlich wolle man doch überall gleiche Qualitätsstandards. Bei den Lernwerkstätten sehe er jedoch die Gefahr, dass nur diejenigen sich bewerben, die ohnehin schon hohe Qualität haben. Von Prüssing antwortete, es sei bisher auch schon so gewesen, dass sich nicht alle Kitas auf Projektförderung beworben haben. „Die Kitas müssen am Ende selber entscheiden“, betonte Janssen. Auch die jeweiligen Träger stünden in der Pflicht, betonte von Prüssing.

Am Ende stimmte der Jugendhilfeausschuss einstimmig für das neue Förderkonzept.

Ein Thema, das für die Eltern aber mindestens genauso wichtig sein dürfte wie der „Paradigmenwechsel“ durch Lernwerkstätten ist die geplante Einführung einheitlicher Gebühren für die Krippen und Horte im Landkreis sein. Bislang sind die Gebührensätze in den Gemeinden sehr unterschiedlich. Im März 2023 war die Vereinheitlichung im Grundsatz vom Auricher Kreistag beschlossen worden – und zwar zum Zieldatum 1. August 2024. Seitdem ist darüber nichts bekanntgeworden.

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