Zukunft des Jahrmarkts Schausteller hoffen auf angemessenen Platz in Aurich
Wenn der Auricher ZOB an die Sparkassen-Arena zieht, muss der Jahrmarkt weichen. Doch wo wäre Platz? Und was tut sich auf den unbebauten Flächen im Umfeld?
Aurich - Ab Dienstag nach Ostern bauen die Schausteller in Aurich auf dem Parkplatz an der Sparkassen-Arena den Ostermarkt auf. Sie finden dort eine Fläche vor, mit der sie bestens zufrieden sind. Der Vorsitzende des Vereins reisender Schausteller Ostfriesland, Timo von Halle, kann gleich mehrere Vorteile aufzählen: die fußläufige Entfernung zur Innenstadt und zu vielen Parkplätzen, die gut sichtbare Lage an der Bundesstraße, den gut befestigten Boden und die moderne Infrastruktur.
Wenn, wie geplant, der ZOB vom Pferdemarkt auf diese Fläche umzieht, werden die Schausteller für ihre Jahrmärkte eine Alternative brauchen. Hinzu kommt der anhaltende Wunsch etlicher Auricher nach einem Bahnsteig am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz. Dort soll nach dem Willen des Vereins „Aurich – ran an die Bahn“ ein „Tram-Train“ in Richtung Georgsheil fahren und Aurich ans Bahnnetz anschließen.
Bürgermeister hat gleichwertigen Ersatz zugesagt
Die Schausteller sind entspannt: Bürgermeister Horst Feddermann sei erst vor Kurzem auf ihn zugekommen und habe den Schaustellern zugesichert, dass die Stadt einen gleichwertigen Platz für die Jahrmärkte als Ersatz anbieten werde, sagte von Halle. Die Schausteller würden bei der Umplanung auf keinen Fall von der Stadt vergessen, sondern gehörten fest zur Kultur in Aurich dazu, habe der Bürgermeister versichert.
Das sei beruhigend, so von Halle. Denn die Auricher Märkte seien seit Jahren im Aufwärtstrend und könnten theoretisch auch noch größer werden. Dass das auch an der guten Lage des Geländes und der guten Befestigung liegt, wollte von Halle nicht ausschließen. Die Besucher hätten immer trockene und saubere Füße. Und Schausteller von außen wüssten den Komfort ebenfalls zu schätzen. So sorgten der gute Festplatz und der gute Ruf des Marktes für ein attraktives Angebot und damit steige dann wiederum die Attraktivität.
Wachstum wäre nicht ausgeschlossen
Eine alternative Fläche könne eine Chance für den Markt sein, sogar noch etwas zu wachsen, sagte der Sprecher der Schausteller, Dennis Eden. „Aber nicht, wenn sie auf dem Mehrzweckgelände in Tannenhausen läge.“ Die Nähe zur Innenstadt sei enorm wichtig.
Wohin könnte der Jahrmarkt ausweichen? Die früheren Standorte Marktplatz und Georgswall kommen nicht infrage. Beim Markt spricht die darunterliegende Tiefgarage und die damit verbundene Gewichtsbeschränkung dagegen. Auch der Rasen am Georgswall ist nicht auf schwere Lasten ausgelegt.
Zwei unbebaute Flächen – mit Haken
Zwei unbebaute Flächen gibt es im Umkreis: die frühere Fläche der Gärtnerei Sander am Breiten Weg und das inzwischen geräumte frühere VOST-Gelände auf der anderen Seite des Wallster Weges.
Vor Jahren hat die Stadt Aurich einen Teil des früheren Geländes der Gärtnerei Sander am Breiten Weg gekauft. Der Dörpener Investor Wilhelm Schomaker hat zudem das frühere VOST-Gelände vom Einzelhandelskonzern Bünting gekauft und die Stallungen bereits abgerissen.
Schon vor Jahren forderte die CDU-Fraktion, unter anderem die städtische Fläche auf dem Gärtnereiareal im Sinne der Haushaltskonsolidierung zu verkaufen.
Auf Gärtnereifläche muss Regenrückhaltung Platz finden
Doch daraus wird wohl nichts. Laut dem Auricher Bürgermeisters Horst Feddermann wird die Immobilie nach jetzigem Planungsstand schon für andere Nutzungen gebraucht. Zum einen müsse dort eine Regenrückhaltung angelegt werden, weil es im Breiten Weg immer mal Probleme gebe. Außerdem müsse das Gelände der Kreisbahn verlegt werden, wenn am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz ein ZOB angelegt wird (Seite 1). Auch dafür wird Fläche gebraucht. Und Parkflächen müssen vielleicht auch noch ersetzt werden. Da stoße die städtische Fläche auf dem Areal der Gärtnerei schon an ihre Grenzen, so Feddermann.
Und das frühere VOST-Gelände? Investor Schomaker hatte ursprünglich vor, dort Einzelhandel anzusiedeln. Konkret die Textilkette Hammer, den Discounter Lidl sowie die Imbisskette „Kentucky Fried Chicken“. Als der Stadtrat diese Pläne kippte, um sich eine Potenzialfläche für einen Bahnhof zu erhalten, plante Schomaker neu. 2021 wurde bekannt, dass sich zwei Interessenten für eine Disco bei ihm gemeldet hätten. Bei dieser Ankündigung ist es bislang aber geblieben. Näheres wurde nie bekannt.
Schomaker: Neue Überlegungen bei Politik und Verwaltung
Schomaker berichtete, dass er in jüngster Zeit ein Gespräch mit Planungsamtsleiter Mirko Wento geführt habe. Nun habe es aus der Verwaltung aber geheißen, dass es neue Überlegungen bei Politik und Verwaltung gebe. Er habe nun bald ein Gespräch mit Wento und Feddermann.
Obwohl ihm das Grundstück nun seit knapp sechs Jahren gehört, sei eine solche Hängepartie nicht Ungewöhnliches, so Schomaker. „Es gibt Fälle, wo es schnell geht, wenn die Richtung klar ist. Aber es muss erstmal eine Richtung klar sein, bevor man weitermacht.“
Schausteller haben auch investiert
Feddermann wollte sich zu diesem Gespräch und seine Hintergründe im Vorfeld noch nicht weiter äußern. Es gebe einige Ideen, die er und Wento mit Schomaker durchsprechen wollten. Das sei alles noch ganz am Anfang. Klar sei, dass die Stadt den Schaustellern etwas Gleichwertiges anbieten wolle und müsse, wenn der Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz zur Drehscheibe für den öffentlichen Nahverkehr werde. „Den Jahrmarkt müssen wir bei diesen Überlegungen immer mitdenken und eine Lösung für den Festplatz suchen“, so Feddermann. Dafür gebe es aber mehrere Modelle. Und das VOST-Gelände gehöre Schomaker.
Arnold Gossel (CDU) erinnerte noch an eine „Bringschuld“. Die Schausteller hätten sich an den Kosten für die technische Ausrüstung des Platzes deutlich beteiligt. Schon allein deshalb müsse die Stadt für einen adäquaten Ausgleich sorgen.