Müllwagen kann jetzt wenden  Happyend nach Streit um Mülltonnen

| | 20.03.2024 17:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Adelheid und Max Kielhauser (links) und weitere Nachbarn aus dem Teltingweg wehrten sich erfolgreich gegen eine Anordnung des Landkreis Aurich.Fotos: Romuald Banik
Adelheid und Max Kielhauser (links) und weitere Nachbarn aus dem Teltingweg wehrten sich erfolgreich gegen eine Anordnung des Landkreis Aurich.Fotos: Romuald Banik
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Wegen neuer Vorgaben für Müllwagen sollten Anwohner des Auricher Teltingwegs ihre Tonnen an den Breiten Weg stellen. Dagegen wehrten sie sich – und fanden eine Lösung.

Aurich - Manchmal hilft es eben doch, sich mit Nachdruck und guten Argumenten über Entscheidungen von Behörden zu beschweren. Diese Erfahrung haben jetzt Anwohner des Teltingwegs in Aurich gemacht. Sie hatten bereits im August 2023 den ersten Hinweis des Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises Aurich bekommen, dass sie ihre Mülltonnen künftig an den vielbefahrenen Breiten Weg stellen müssen. Im Februar 2024 folgte eine Anordnung, dass die neue Regelung ab 27. März gelten sollte.

Für viele der älteren Anwohner wäre das eine erhebliche Belastung und kaum ohne Hilfe zu schaffen gewesen, wie Anwohnerin Adelheid Kielhauser und ihr Mann Max dieser Zeitung berichteten. Der Weg zum Behälterstellplatz hätte zum Teil mehr als 100 Meter betragen.

Viele Straßen im Landkreis Aurich betroffen

Hintergrund: Bislang fahren die Müll-Laster rückwärts in die Straße, um die Tonnen direkt vor den Grundstücken zu leeren. Ein Wenden am Ende der Straße wäre aus Platzgründen nicht möglich, argumentierte der Abfallbetrieb des Kreises. Doch laut einer neueren Regel der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung sollen Entsorgungsunternehmen auf Rückwärtsfahrten verzichten, um Unfälle zu vermeiden.

Der Landkreis Aurich erstellte deshalb sogenannte Gefährdungsbeurteilungen für zahlreiche Straßen und setzte die Neuregelung dann schrittweise im Kreisgebiet um. Hunderte von Straßen wurden seit 2019 überprüft. Zahlreiche Anwohner kleinerer Stichstraßen müssen seitdem ihre Mülltonnen an entferntere Straßen stellen. In mehreren Fällen gab es bereits Beschwerden von Anwohnern, mit ähnlichen Argumenten wie im Auricher Teltingweg.

Dank Anwohner Wolfhard Erdmann wird der Zaun leicht versetzt – dann kann der Müllwagen wenden.
Dank Anwohner Wolfhard Erdmann wird der Zaun leicht versetzt – dann kann der Müllwagen wenden.

Betriebsleiter: „Immer eine Abwägung“

Abfall-Betriebsleiter Hans-Hermann Dörnath hatte Ende 2022 im zuständigen Ausschuss gesagt, es sei immer eine Abwägung. Auf der einen Seite stehe die Verkehrssicherheit, auf der anderen eine möglichst einfache Bereitstellung für die Bürger. Dörnath sagte aber auch: „Wenn es einen Unfall gibt und da wird jemand totgefahren, dann stellt der Staatsanwalt Fragen – und wir haben ein Problem.“ Letztlich gehe die Sicherheit vor, hieß es oft von der Verwaltung.

Die Auricher Kreisverwaltung bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung, dass die Anwohner Kontakt zum Abfallbetrieb aufgenommen hatten. Bei diesen war der Unmut groß über den neuen, vom Landkreis zugewiesenen Mülltonnen-Stellplatz am Breiten Weg. Dieser sei zu weit weg, ungeeignet und gefährlich, argumentierten sie unisono.

Aufgelöst hat den Konflikt am Ende einer der Anwohner selber – mit einem Angebot an den Landkreis Aurich.

Anordnung wieder aufgehoben

Wolfhard Erdmann, der ganz am Ende des Teltingwegs wohnt, erklärte sich bereit, seinen Jägerzaun leicht zu versetzen, damit der Müllwagen nun doch wenden kann. „In einem Vororttermin haben sich dieses Angebot und die damit zu erreichenden Platzverhältnisse bestätigt“, teilt der Landkreis Aurich in schönstem Amtsdeutsch mit.

Und tatsächlich: Mit Schreiben vom 15. März 2024 hat die Auricher Kreisverwaltung ihre Anordnung aufgehoben.

Die Anwohner sind nun zufrieden. Manchmal verhelfen nachbarschaftlicher Zusammenhalt und gesunder Menschenverstand eben doch zum Happyend.

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