Der Luftgitarren-Mann  Mit feurigem Einsatz an der Seitenlinie und in der Kabine

| | 15.03.2024 16:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Es sieht fast so aus, als würde der Auricher Trainer Claudio Casto an der Seitenlinie Luftgitarre spielen, um seine Fußballer wie im Heimspiel gegen Larrelt mit energiegeladenen Akkorden anzutreiben. Foto: Bernd Wolfenberg
Es sieht fast so aus, als würde der Auricher Trainer Claudio Casto an der Seitenlinie Luftgitarre spielen, um seine Fußballer wie im Heimspiel gegen Larrelt mit energiegeladenen Akkorden anzutreiben. Foto: Bernd Wolfenberg
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Woher das Temperament des Auricher Trainers Claudio Casto kommt und wie er Familie, Beruf und Fußball unter einen Hut bekommt. Einer mit klaren Ansichten

Aurich - In seinen Adern fließt das Blut seines Vaters Sergio Casto und seiner Mutter Arige. Der Trainer der SpVg Aurich Claudio Casto ist eines von sechs Kindern der Eheleute Casto. Einer, der im Gespräch mit den Ostfriesischen Nachrichten bekennt: „Ich bin als Italiener voller Temperament. Das habe ich von meinem Vater geerbt.“

Davon war am vergangenen Sonntag im Bezirksligapunktspiel zwischen SpVg Aurich und SV SF Larrelt reichlich zu sehen und zu hören. Bereits in der Aufwärmphase vor dem Anpfiff stimmte der neue SpVg-Trainer seine junge Elf auf das Duell gegen den bisher ungeschlagenen Dritten ein. Immer wieder war sein „kommt Männer, kommt“ oder „gut so“ zu hören. Mal fordernd, mal lobend. Er klatschte in seine Hände oder ließ sich von seinen Spielern abklatschen. Motivationsübungen vor dem Spiel.

Eingangstest bestanden

Zahlreiche Stammbesucher sahen zu, wie Casto seine Spieler auf das erste Punktspiel nach der Winterpause vorbereitete. Sie waren angetan und lobten den Einsatz des Neuen. Sie ließen aber auch durchblicken, was sie von ihm erwarteten. Überzeugendes Training und eine gute Stimmung innerhalb der Mannschaft sei das eine, aber das andere sind Resultate. Die Mannschaft müsse nun liefern, war zu hören. Ein Sieg müsse her. Die vom Abstieg bedrohten Auricher lieferten. Mit einem Trainer Casto an der Seitenlinie, der wie ein energiegeladener Derwisch hin und her vor der Trainerbank fegte. Laute Kommandos und wilde Gesten mit den Armen. Längere Ruhephasen: Fehlanzeige.

Casto verriet: „Die junge Elf braucht Feuer von außen. Das gilt auch fürs Training und in den Ansprachen. Die Mannschaft mag es eben laut. Es hat funktioniert.“ Mutig und mit viel Selbstbewusstsein brannte die SpVg nach Ansicht ihres Trainers „ein Feuerwerk“ ab. Sie hätte schon in den Anfangsminuten in Führung gehen müssen. Die schlechte Chancenverwertung wurde von der ersten bis zur letzten Minute die große Schwäche der Auricher. Viel Pech hatte dabei der SpVg-Kapitän Marco Mouzong. Er sagte nach Spielschluss selbstkritisch: „Ich hatte drei große Chancen, aber davon leider keine genutzt. Wichtig war, dass wir das Ding noch gezogen haben.“Bis dahin war es ein anstrengender Weg. Die SpVg musste nach dem Führungstreffer von Moustapha Camara (52.) bis zum Schluss um den Sieg zittern.

„Das war erst der Anfang“

Dann der erlösende Abpfiff. Es bildete sich auf dem Auricher Kunstrasen ein wilder Haufen tanzender und sich umarmender SpVg-Spieler. Dazu merkte Casto an: „Das war schon ein perfekter Auftakt. Solche Siege fühlen sich besonders schön an.“ Im Anschluss wurde der Dreier im Vereinslokal „Hattrick“ gefeiert. Trainer und Geburtstagskind Casto (34 Jahre) gab noch eine Runde auf den Erfolg und sein neues Lebensjahr aus. Er hat noch einiges vor auf dem Ellernfeld. „Das war erst der Anfang“, ist zu hören. Sein Credo: „Wir wollen uns nicht einigeln, sondern ansehnlichen Offensivfußball zeigen.“

Etwas aufbauen und in eine Richtung bewegen, auch das liegt ihm wohl in den Genen. Sein Vater Sergio Casto verließ Ende der 1970er-Jahre seine italienische Heimat Apulien und suchte sein Glück in Deutschland. Er machte seinen Weg vom Tellerwäscher zum Koch und Besitzer mehrerer Restaurants. Für drei der acht Restaurants ist nun Claudio Casto verantwortlich. Eine große Verantwortung und fordernde Aufgabe. Casto bekennt: „Es ist nicht einfach, alles unter einen Hut zu bekommen. Die Arbeit, meine Familie mit meiner Frau und den beiden Kindern und nun auch das Traineramt in Aurich.“ Er denke positiv und werde von den Verantwortlichen der SpVg hervorragend unterstützt. Casto: „Sie haben mir bisher alles erfüllt. Ein Nein habe ich noch nicht gehört. Es ist das „Rundum-sorglos-Paket“.

Als Abwehrspieler war Casto eher Mittelmaß

Keine Frage, in Aurich fühlt er sich wohl. Er ist zum zweiten Mal nach 2019/2020 als Trainer für die Rotweißen verantwortlich. Eigentlich ist er bereits zum dritten Mal auf dem Ellernfeld unterwegs. Als Spieler unter den Trainern Torsten Peplow und Markus Olbrys versuchte er sein Glück in der Defensive. Sein Fazit: „Als Abwehrmann war ich nicht so überzeugend. Da fühle ich mich als Trainer doch deutlich besser aufgehoben.“

Sein Können als Motivator ist am kommenden Sonntag wieder gefragt. Dann spielen die Auricher bei BW Borssum vor. Anpfiff ist um 14 Uhr. Dort wird es ein Wiedersehen mit einigen Spielern geben aus seiner Zeit als Nachwuchstrainer von Kickers Emden.

„Casto befand: „Ich kenne zahlreiche Spieler von Borssum. Gegen Larrelt ging unser Matchplan auf. Ich hoffe, dass wir auch in Borssum Euphorie auf dem Platz entfachen werden.“ Casto erwartet ein Spiel auf tiefem Boden, der seine Elf fordern werde. Er muss auf Dirk Frerichs verzichten. Der holte sich im Larrelt-Spiel in der Nachspielzeit Gelb/Rot ab. Eine unnötige und ärgerliche Sperre, so Casto, der noch an seinem Matchplan für die Aufgabe in Borssum feilt.

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