Protest gegen AfD in Moordorf  Demonstrationen verliefen friedlich

| | 13.03.2024 22:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Gut 100 Demonstranten bildeten zunächst eine Menschenkette an der Ringstraße und zogen dann zur „Arche“ weiter. Foto: Lasse Paulsen
Gut 100 Demonstranten bildeten zunächst eine Menschenkette an der Ringstraße und zogen dann zur „Arche“ weiter. Foto: Lasse Paulsen
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Mehr als 200 Demonstranten zogen gegen ein geplantes und dann abgesagtes AfD-Treffen ins Feld. Sie stießen noch auf eine andere Gruppe.

Moordorf - Es waren am Mittwochabend viele Leute auf den Beinen in Moordorf. Eine Demozug mit knapp 100 Teilnehmern zog unter dem Motto „AfD im Moor versenken“ vom Marktplatz über die Ekelser Straße und die Ringstraße zum Veranstaltungsraum „Arche“ von Gerhard Schoon. Dort sollte an dem Abend ursprünglich ein „Informationsabend“ der AfD stattfinden. Unter den Rednern auch Anja Arndt aus Nortmoor, Kreisvorsitzende der AfD Ostfriesland und Kandidatin der AfD für die Europawahl.

Der Demozug war mit vielen Plakaten an der Ekelser Straße zur „Arche“ an der Ringstraße unterwegs. Foto: Karin Böhmer
Der Demozug war mit vielen Plakaten an der Ekelser Straße zur „Arche“ an der Ringstraße unterwegs. Foto: Karin Böhmer

Gegen dieses Treffen hatte sich Protest geregt, Schoon sagte der AfD den Termin wieder ab. Die Gegendemonstranten ließen sich davon allerdings nicht beeindrucken. Auf dem Parkplatz des Edekamarktes Gerbers versammelten sich gut 100 Teilnehmer einer Protestversammlung. Organisiert wurde diese von den Organisatoren des Auricher CSD, unterstützt von den „Omas gegen rechts“, dem Verein Aurich zeigt Gesicht, dem Kreisverband der Linken und der SPD, besonders dem Ortsverein Südbrookmerland.

Auf dem Grundstück von Gerhard Schoon (in roter Jacke) hatten sich Unterstützer versammelt. Foto: Karin Böhmer
Auf dem Grundstück von Gerhard Schoon (in roter Jacke) hatten sich Unterstützer versammelt. Foto: Karin Böhmer

Diese Gruppe bildete zunächst an der Ecke Bundesstraße/Ringstraße eine stolle Lichterkette. Eigentlich hatte Anmelderin Melly Doden nur eine etwa 30-minütige Menschenkette geplant gehabt. Aber die Mehrheit wollte noch die Ringstraße hoch zum ursprünglich vorgesehenen Versammlungsort der AfD laufen und tat das in Absprache mit der Polizei.

Rund 50 Personen solidarisierten sich mit Gerhard Schoon

An der Arche hatte sich ebenfalls eine Menschenmenge gesammelt. Rund 50 Freunde und Angehörige von Gerhard Schoon zeigten sich mit ihm solidarisch. Auf Plakaten wurde er als „großer Mann mit weichem Herz“ bezeichnet. Außerdem wurde darum gebeten, dass der Dart-Club Arche Noah die Räume weiterhin nutzen kann. Wie berichtet, hat der Landkreis den Versammlungsraum stillgelegt. Gerhard Schoon arbeitet nach eigener Aussage daran, die Unterlagen für eine Genehmigung zusammenzustellen.

Plakate mit Zitaten von AfD-Politikern standen bereit. Foto: Karin Böhmer
Plakate mit Zitaten von AfD-Politikern standen bereit. Foto: Karin Böhmer

Viele Nachbarn beobachteten das Zusammentreffen von Anti-AfD-Demonstranten und Arche-Unterstützern. Der Demozug konzentrierte sich aber auf seinen Protest gegen die AfD. Mit „Ganz Ostriesland hasst die AfD“-Rufen zogen sie vorbei und ließen „Bauer Lustig“ links liegen. Die Polizei war mit einem erhöhten Aufgebot an Kräften vor Ort und baute sich im Moment der Begegnung zwischen den beiden Gruppen auf.

Der Demozug zog Anti-AfD-Sprüche skandierend an der Arche vorbei. Unterwegs hieß es, dass nicht die Arche Ziel des Protestes sei, sondern das ursprünglich dort geplante AfD-Treffen. Foto: Karin Böhmer
Der Demozug zog Anti-AfD-Sprüche skandierend an der Arche vorbei. Unterwegs hieß es, dass nicht die Arche Ziel des Protestes sei, sondern das ursprünglich dort geplante AfD-Treffen. Foto: Karin Böhmer

Gerhard Schoon betonte auf Nachfrage noch einmal, dass er weder links noch rechts sei und in der Arche – bei Vorliegen der Genehmigung – jeder willkommen sei. Sein Nachbar betonte jedoch, dass er froh sei, dass die AfD-Veranstaltung nicht stattfinde. „Sowas wollen wir in der Nachbarschaft nicht.“

Mehr Teilnehmer als erwartet

Der Demozug, der von Andreas Bürger als Privatperson angemeldet worden war, wurde von Bürgern jeden Alters, einigen Vertretern der Linken sowie vom Offenen antifaschistischen Treffen (OAT) Nord-West unterstützt. Bürger zeigte sich sehr zufrieden mit der Beteiligung. Als er angefangen mit der Planung habe, habe er mit 15 Teilnehmern gerechnet.

Die „Omas gegen rechts“ waren gut vertreten. Foto: Lasse Paulsen
Die „Omas gegen rechts“ waren gut vertreten. Foto: Lasse Paulsen

„Dass es nun trotz der Absage des Treffens so viele geworden sind, ist ein sehr gutes Signal“, so Bürger. Er sprach am Wegesrand Passanten an und bot ihnen Anti-AfD-Sticker an. Nicht alle hätten darauf positiv reagiert. Etliche aber schon.

Andreas Bürger (links) und Patrick Humke freuten sich über die große Gruppe Demonstranten. Humke kündigte an, dass in Südbrookmerland ein überparteiliches Bündnis gegen Rechtsextremismus gegründet werden soll. Foto: Karin Böhmer
Andreas Bürger (links) und Patrick Humke freuten sich über die große Gruppe Demonstranten. Humke kündigte an, dass in Südbrookmerland ein überparteiliches Bündnis gegen Rechtsextremismus gegründet werden soll. Foto: Karin Böhmer

Patrick Humke vom Aurich Kreisvorstand der Linken mahnte über Lautsprecher, dass gerade in Moordorf, wo viele Einwohner in den 1930er- und 1940er-Jahren von den Nationalsozialisten verfolgt worden seien, sich Parteien wie die AfD nicht wieder organisieren dürften.

Sprechchöre und Plakate sorgten für Aufmerksamkeit

Mit Sprechchören wie „Kein Tee für die AfD“ oder „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda“ und einer Vielzahl an Anti-AfD-Plakaten sorgte der Tross für Aufmerksamkeit. Besonders auffällig waren leuchtend blaue Plakate mit verschiedenen entlarvenden Zitaten von AfD-Funktionären.

Mit von der Partie waren Teilnehmer des Offenen antifaschistischen Treffens (OAT) Nord-West. Foto: Karin Böhmer
Mit von der Partie waren Teilnehmer des Offenen antifaschistischen Treffens (OAT) Nord-West. Foto: Karin Böhmer

Eine Demonstrantin sagte auf Nachfrage, dass es ihr Angst mache, dass es wieder eine so rechte Partei gebe. Das sei kaum auszuhalten. Sie habe sich in der Schule fünf Jahre lang mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigt. „Und wir können diesmal nicht sagen, wir hätten nichts gewusst.“ Dass derzeit sicherlich einiges schieflaufe in der Politik könne kein Grund sein, eine rechte Partei zu wählen.

Demonstrantin ist wütend über fehlende Anerkennung von Geflüchteten

Eine andere Demonstrantin, die die rund 1,6 Kilometer mit dem Rollator zurücklegte, sagte, sie protestiere, weil sie sich um die Zukunft ihrer Enkel sorge, wenn die AfD noch mehr Wählerstimmen bekomme. Sie habe ab 2015 intensiv mit Geflüchteten gearbeitet. Habe erlebt, wie diese kämpfen, um die Sprache zu lernen, einen Arbeitsplatz zu finden und sich zu integrieren.

Es gab eine Vielzahl von Plakaten im Demozug. Außerdem skandierte die Gruppe während des Zuges Anti-AfD-Parolen. Foto: Karin Böhmer
Es gab eine Vielzahl von Plakaten im Demozug. Außerdem skandierte die Gruppe während des Zuges Anti-AfD-Parolen. Foto: Karin Böhmer
Es werde ihnen aber durch viele Regelungen schwergemacht. Mehrere ihrer Schützlinge verdienten trotz gleicher Leistung weniger als die Kollegen. Und in der Gesellschaft würden sie immer noch nicht voll anerkannt. „Sie sind wie Familie für mich“, sagte die Frau. Dass in AfD-Kreisen nun von Remigration gesprochen werde, „macht mich unendlich wütend“.

Der Demozug löste sich auf, nachdem er die Arche passiert hatte. Die Teilnehmer schlossen sich dann aber den Demonstranten um Melly Doden an und statteten der Arche noch einmal einen Besuch ab. Die Lager standen sich gegenüber. Auf beiden Seiten wurde gesungen – hüben gegen die AfD, drüben für die Arche. Dann lösten sich die Gruppen auf.

Die Demonstranten bildeten eine Menschenkette an der Ringstraße. Foto: Lasse Paulsen
Die Demonstranten bildeten eine Menschenkette an der Ringstraße. Foto: Lasse Paulsen

„Wir wollten ein friedliches Zeichen setzen“, so Doden: „Das Durchschnittsalter ist leider sehr hoch. Ich hätte mir gewünscht, dass mehr junge Leute gekommen wären. Es geht ja um ihre Zukunft.“

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